Techniker aus Überzeugung: Der Auszubildende Raphael Schmalz in der Lehrwerkstatt der Maintaler Norma Group. Im global tätigen Unternehmen wird der 22-Jährige zum Verfahrensmechaniker ausgebildet. Foto: Ulrike Pongratz

Maintal

Ausbildung nach Abi: Raphael Schmalz wird Verfahrensmechaniker

Maintal. Raphael Schmalz lernt bei Norma Group den Beruf des Verfahrensmechanikers. Die erste Aufgabe hätte ihn überrascht, sagte der Azubi im Gespräch über seinen Ausbildungsberuf.

Von Ulrike Pongratz

In der Lehrwerkstatt der Norma Group ist Pawel Eck der Herr über Maschinen, Werkzeuge und Materialen. Seit mehr als zwei Jahrzehnten achtet der Meister darauf, dass die pro Jahrgang rund 20 Auszubildenden am Standort Maintal ihr Handwerk von Grund auf lernen.

Auch für Raphael Schmalz begann die Ausbildung zum Verfahrensmechaniker für Kunststoff- und Kautschuktechnik vor einem Jahr hier, in der betriebseigenen Lehrwerkstatt bei Meister Eck. „Wir lernen hier den Umgang mit Werkzeugen und Maschinen, also das Sägen, Feilen, Bohren, Fräsen und Schleifen“, sagte Schmalz im Gespräch.

Schutzbrille und Sicherheitsschuhe gehörten vom ersten Tag zur Ausrüstung

Nicht nur in der Praxis, sondern natürlich auch in der Theorie; er muss über Sicherheitsmaßnahmen, Vorschriften und Regeln, die es zu beachten gilt, Bescheid wissen. Schutzbrille und Sicherheitsschuhe gehören ab dem ersten Tag zur Ausrüstung der Lehrlinge. Die Grundausbildung im ersten Lehrjahr absolvieren die Azubis bei Norma Group in Gruppen in der Lehrwerkstatt. Man lerne sich kennen, unterstütze sich gegenseitig, habe auch Spaß zusammen, so Schmalz.

Am Standort Maintal werden Kunststoff- und Metallprodukte hergestellt, zum Beispiel Metallschellen in verschiedenen Größen, Rohrkupplungen oder Kunststoffsteckverbinder für Leitungen sowie komplette Systeme für den Fluidtransport, etwa Kühlwasser oder Kraftstoffe. Raphael Schmalz wird sich auf das Verarbeiten von Granulat spezialisieren. Zurzeit wird der Azubi in der Werkzeugabteilung eingesetzt.

In acht verschiedenen Lehrberufen bietet das Unternehmen Jugendlichen eine Ausbildung an, zum Beispiel als Industriemechaniker, als Maschinen- und Anlagenführer, als Mechatroniker, als Werkzeugmechaniker, als Fachkraft für Lagerlogistik oder als Industriekaufmann oder Kauffrau.

"Meine erste Frage war natürlich: 'An welche Maschine gehen wir?'"

Und natürlich werden Verfahrensmechaniker ausgebildet, für Kunststoff und Metall. „Am Standort Maintal bieten wir eine breite Palette an Lehrberufen“, sagte Lina Bosbach, die als Manager Group Communications für das international agierende Unternehmen im Bereich Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit arbeitet. „Wir sind der größte Ausbildungsbetrieb und der einzige in Maintal mit einer eigenen Lehrwerkstatt.“

Als allererste Aufgabe hier galt es für Raphael Schmalz, einen Würfel aus einem Zylinder aus Baustahl heraus zu arbeiten. „Das habe ich so nicht erwartet,“ meinte er rückblickend, „Meine erste Frage war natürlich: ‚An welche Maschinen gehen wir?“ Für das zweimonatige Werkstück während der Probezeit war ausschließlich Handarbeit gefragt. Nach dieser ersten Arbeit folgte eine Prüfung und ein Gespräch mit Pawel Eck über Stärken und Schwächen.

Der erfahrene Ausbilder beobachtete seine Zöglinge im Arbeitsprozess und konnte sich ein gutes Bild machen über Arbeitsweise und -verhalten. Eigenschaften wie Sorgfalt und Genauigkeit oder Geschwindigkeit spielen eine Rolle, aber auch die Handhabung des Werkzeugs, Ordnung am Arbeitsplatz und auch Ehrgeiz, Durchhaltevermögen und Teamfähigkeit. „Das erste Lehrjahr hier hat mir großen Spaß gemacht“, sagte Raphael Schmalz.

"Man hat sehr viel mit Gleichungen und Formeln zu tun"

Auch der Blockunterricht in der Berufsschule Gelnhausen bereitete dem 22-jährigen Schönecker keine großen Probleme. Auf dem Stundenplan des angehenden Verfahrensmechanikers standen vor allem naturwissenschaftliche Fächer, technisches Zeichnen, Werkstoffkunde und Mathematik in verschiedenen Fachrichtungen, wie chemische oder physikalische Mathematik.

„Man hat sehr viel mit Gleichungen und Formeln zu tun“, sagte Schmalz. Als Abiturient der Ludwig-Geißler-Schule in Hanau mit Chemie und Englisch als Leistungskursen bedeutet der Unterricht für ihn keine Schwierigkeit.„Abitur ist aber keine Voraussetzung für die Ausbildungsberufe“, erläutert Lina Bosbach, „Raphael ist hier eine Ausnahme.“ Man brauche in erster Linie ein technisches Verständnis und räumliches Vorstellungsvermögen, man müsse Normgrößen erkennen können und Arbeitsschritte gut planen.

Der Arbeitstag beginnt früh morgens - bleibt mehr Zeit für Hobbys

Raphael Schmalz wird jetzt im zweiten Lehrjahr die verschiedenen Abteilungen kennen lernen: Spritzguss, Werkzeug-Reparatur, Montage und Qualitätssicherung werden seine Stationen sein. Dazu erhalten Azubis innerbetrieblichen Unterricht in Englisch und werden bei Bedarf gefördert und unterstützt. Der Arbeitstag beginnt für den Schönecker früh am Morgen, zwischen 6.30 und 7.30 Uhr. Dafür bleibe abends mehr Zeit für Hobbys.

Technische Verantwortung übernehme der 22-jährige nicht nur im Unternehmen, sagte er schmunzelnd. „Ich bin für alles Handwerkliche, für Reparaturen bei uns im Haushalt und für das Auto zuständig“, sagte er. „Ich zeichne und spiele mehrere Instrumente. Unter anderem bin ich im Büdesheimer Blasorchester aktiv und auch im Karneval unterwegs.“

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