Neuer Bücherschrank am Käthe-Jonas-Platz
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Der Bücherschrank ist Teil der Neugestaltung des Käthe-Jonas-Platzes als Ort der Erinnerung, der auch zum Verweilen und zur Geselligkeit einladen soll.

Kultur

Aufstellung des Bücherschranks ist Teil der Neugestaltung des Käthe-Jonas-Platzes

Dörnigheim hat ihn wieder: einen öffentlichen Bücherschrank, in den nach Belieben Bücher hineingestellt und aus ihm entliehen werden dürfen. Er steht seit vergangener Woche am Käthe-Jonas-Platz auf der Kennedystraße in Höhe der Pizzeria „Dick & Doof“.

VON RAINER HABERMANN

Maintal – Er ist in schlichtes Grau mit Acrylglas gewandet und beherbergt alles, was die Bevölkerung ihm einverleiben oder aus ihm hervorholen möchte.

„Bücherschränke dieser Art stehen dutzendweise auch über das gesamte Stadtgebiet von Frankfurt verteilt und sind somit bestens erprobt“, erklärte Bürgermeisterin Monika Böttcher am Freitagnachmittag bei der Einweihung des neu gestalteten Platzes, der bis zum kommenden Frühjahr seine endgültige Ausgestaltung erfahren soll. Dann sollen hier weitere Bäume gepflanzt werden, die Beleuchtung sowie das Mobiliar der Örtlichkeit insgesamt erneuert sein und auch die Sonnenschirme auf nicht mehr Werbung für Biermarken tragen, sondern schlicht unifarben auffalten.

Auch der Gastwirt des italienisches Restaurants hatte Mitspracherecht

Dabei hat allerdings auch der Gastwirt des italienischen Restaurants (des früheren „Frankfurter Hofs“) ein Wörtchen mitzureden. Denn ihm gehört ein Teil der kopfstein-gepflasterten Freifläche, und er hat den übrigen Teil von der Stadt dazu gepachtet für seinen kleinen Biergarten vorm Lokal. Die Verwaltung sei mit ihm im Gespräch, wie die Bürgermeisterin und der ebenfalls beim Ortstermin anwesende Stadtverordnetenvorsteher und zukünftige Erste Stadtrat Karl-Heinz Kaiser (SPD) mitteilten.

Bis 2021 soll der Käthe-Jonas-Platz, benannt nach einer Widerstandskämpferin und Verfolgten des NS-Regimes, auf die auch eine Info-Stele aus Corten-Stahl verweist, zu einem „Platz des Erinnerns, des Verweilens und der Geselligkeit“ avancieren, sich die Aufenthaltsqualität an dieser Stelle als einem „Bindeglied zwischen der Hauptdurchgangs- und Einkaufsstraße Kennedystraße und dem alten Ortskern“ entscheidend verbessern.

Freuen sich über den neuen Bücherschrank an zentraler Stelle (von links): Architekt Frank Ammon, Patin Brigitte Sauer, Bürgermeisterin Monika Böttcher und Stadtverordnetenvorsteher Karl-Heinz Kaiser.

Hier herrscht hoffentlich auch eine größere soziale Kontrolle als am vorigen Standort des Bücherschranks, am Dörnigheimer Busbahnhof. Dort war der Schrank in Form einer ausrangierten Telefonzelle zweimal hintereinander abgefackelt worden. Die Täter wurden nie ermittelt.

Bücherschrank soll ein niedrigschwelliges Angebot darstellen

Die neue „Bücher-Patin“ Brigitte Sauer, die gelegentlich nach dem Rechten sehen und die Exemplare sortieren oder ausmustern soll – denn natürlich ist der Schrank nicht als Alternative zur Altpapierentsorgung gedacht, sondern soll als niedrigschwelliges Angebot eine attraktive und vielfältige Auswahl an Büchern für jedes Alter bereithalten – macht sich bezüglich Vandalismus nach eigenen Worten aber keine Sorgen. „Der Platz ist doch recht belebt, auch wegen der Geschäfte in unmittelbarer Umgebung“, sagt sie.

Architekt und Stadtplaner Frank Ammon vom Frankfurter Büro „ammon + sturm“, von der Stadt mit der Projektbegleitung beauftragt, sieht eher Chancen für den Standort als Nachteile. Die Stadt versteht den Bücherschrank und die ebenfalls vor Ort befindlichen Fahrradbügel als „ersten Schritt hin zur Neugestaltung des Käthe-Jonas-Platzes“ (Böttcher). Auch die weiteren Vorhaben würden im Rahmen des Bund-Länder-Förderprogramms „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ (vorher „Zukunft Stadtgrün“) realisiert, das in den kommenden zehn Jahren eine Reihe von Maßnahmen am Mainufer und im Ortskern von Dörnigheim umfasst, um diese beliebten Aufenthaltsbereiche Maintals weiter aufzuwerten.

Das Gestaltungs- und Maßnahmenkonzept für den Käthe-Jonas-Platz wurde 2019 mit dem Architektur- und Stadtplanungsbüro „ammon + sturm“ aufgelegt. Die stufenweise Umsetzung erfolgt seit Ende 2019. Die Fertigstellung ist für Frühjahr 2021 geplant. Die Kosten belaufen sich auf rund 80 000 Euro. Zwei Drittel davon werden über das öffentliche Förderprogramm „Wachstum und nachhaltige Erneuerung“ finanziert.

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