Gute Ausbeute: 500 Kilogramm Äpfel haben sie auf den Streuobstwiesen in der Hartig gesammelt. Foto: Axel Häsler

Maintal

Vom Apfel zum Schoppe: Hensel und die Familie keltern jedes Jahr

Maintal. Wenn im Spätsommer die Landwirte ihre Ernte von den Feldern einbringen, reifen auch die Früchte an den Bäumen. Auf den Streuobstwiesen sieht man nun vielerorts Menschen, die leuchtend gelbe und rote Äpfel von den Bäumen pflücken.

Von Axel HäslerMeist wird nur ein kleiner Teil davon gegessen. Viele der gepflückten Äpfel werden veredelt. Aus ihnen wird Apfelwein. So auch auch bei Familie Hensel aus Hochstadt.

„Apfelwein wird mehr und mehr in den Familien selbst gemacht“, sagt Anika Hensel. Sie arbeitet beim MainÄppelHaus am Lohrberg und setzt sich in Maintal im Arbeitskreis Streuobst für den Erhalt eben dieser ein. „Früher haben viele ihre Äpfel in Betriebe gebracht, die dann daraus Apfelwein hergestellt haben.“ Doch mittlerweile keltern viele mehr und mehr privat.

Bis vor zwei Jahren hat auch ihr Vater Kurt Hensel jedes Jahr mindestens 400 Liter Apfelwein gekeltert. „Denn ich habe für mich selbst schon einen Liter gerechnet, den ich täglich getrunken habe“, sagt er. Kurt Hensel ist jetzt 88 Jahre alt und lässt nun seine Familie und die Nachbarn und Freunde die schwere Arbeit machen. Der „alte Hochstädter“ ist aber immer noch dabei und gibt Anweisungen. Am frühen Vormittag fährt Anika Hensel mit ihren Nachbarn, die schon im vergangenen Jahr beim Keltern geholfen haben, an diesem Samstagvormittag auf ihre Streuobstwiese im Hochstädter Hartig. Auf 2000 Quadratmetern stehen hier 40 verschiedene Apfelbäume, die teilweise schon 100 Jahre alt sind. Die meisten aber hat Kurt Hensel 1979 gepflanzt. „Als ich das Grundstück erwarb“, sagt er.

Ausgewogene Mischung aus süß und sauer

Schon damals hatte er darauf geachtet, dass er eine ausgewogene Mischung zwischen sauren und süßen Äpfeln hat. Dabei sind Sorten wie Haux, Gloster, Edler Borstdorfer, Brettacher oder Boskop. Eifrig hat Anika Hensel mit den Nachbarn Dirk Baier und Nicole Durner, sowie ihren Freunden Stefanie Meßer und Mohai Szilard in kürzester Zeit 550 Kilogramm Äpfel gesammelt.

Im Hof ihres Hauses in der Trinkbrunnenstraße haben unterdessen Kurt Hensel und seine Enkeltochter Rebecca schon alles zum Keltern vorbereitet. Zunächst werden alle Äpfel gewaschen und dann kleingehäckselt, ehe der frische Most mit Muskelkraft in der Kelter herausgepresst wird. Zwischendurch greift Kurt Hensel immer mal wieder ein und sei es nur, um die Lage der Pressbretter zu korrigieren. Kurt Hensel wurde in Hochstadt geboren, ist mit dem Apfelwein aufgewachsen. Gelernt hat er den Beruf des Schreiners. Vor sechs Jahren hatte er eine Herz-OP, die ihn aber nicht daran gehindert hat, seine Apfelbäume weiter zu pflegen. Bis vor zwei Jahren ist er dazu auch immer noch selbst auf die Leiter gestiegen, um Äste abzusägen.

Heute macht es ihm immer wieder Spaß, wenn es daran geht, einen neuen Apfelwein herzustellen. „Auch wenn ich selber nicht mehr soviel davon trinke“, sagt der 88-Jährige und lacht. Der 2019er verspricht laut dem Experten ein guter Jahrgang zu werden. Denn der Most erreichte einen Spitzenwert von 60 Oechsle, der Alkoholgehalt ist also entsprechend hoch.

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