Schüler aller Jahrgangsstufen drückten mit der Aktion ihre Solidarität mit den Angehörigen der Opfer des Hanauer Terrorakts aus. Foto: Marie Fries

Maintal

Albert-Einstein-Schule setzt starkes Zeichen der Solidarität

Maintal. Auch in Maintal hat der mutmaßlich rechtsradikale Anschlag in Hanau, bei dem neun Personen mit Migrationshintergrund getötet wurden, viel Betroffenheit und Anteilnahme ausgelöst.

Von Jasmin Jakob

Auf dem Dörnigheimer Käthe-Jonas-Platz fand gestern Abend eine Mahnwache statt, bei der Hunderte Kerzen anzündeten und der Opfer gedachten. Und auch die Schulgemeinschaft des Albert-Einstein-Gymnasiums hatte gestern spontan eine Solidaritätsaktion organisiert: Hand in Hand haben die 1100 Schüler ein aktives Zeichen gegen Rassismus gesetzt.

Menschenkette: Hand in Hand gegen Rassismus

In einer „Menschenkette“ stellten sie sich um alle drei Schulgebäude, um ihren Zusammenhalt zu demonstrieren. „Wir sind eine Schule, an der Schüler sehr vieler Nationalitäten zu Hause sind“, sagte Schulleitungsmitglied Bernhard Siever. Als Reaktion auf die große Betroffenheit der Schüler unterbrachen Lehrer und Schulleitung am Freitag mehrfach den Unterricht.

„Die Schüler haben ein großes Bedürfnis, über das, was passiert ist, zu sprechen“, sagte Schulsprecher Kilian Buchholz. „Von den älteren Schülern waren Bekannte unter den Opfern oder unter denen, die an dem Abend in den Bars dabei waren. Ein guter Freund von mir war auch vor Ort. Daher ist die Nachricht der Ereignisse schon in der Nacht unter den Schülern rumgegangen und hat die Schülerschaft schwer getroffen.

Großes Bedürfnis, über das Geschehene zu sprechen

Doch auch die jüngeren Schüler zeigten laut Siever und Buchholz eine ebenso große Betroffenheit. „Die Jüngeren können gar nicht verstehen, was da passiert ist und wie so etwas geschehen konnte“, so Buchholz. Eine Lehrerin habe beispielsweise in einer sechsten Klasse die Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gezeigt, die er bei der Mahnwache in Hanau gehalten hatte, erzählt Siever. „Da sind bei den Schülern auch Tränen geflossen. Das geht unter die Haut.“

Bereits morgens in der ersten Stunde hatten Lehrer und Schüler der Opfer und Angehörigen des Gewaltverbrechens gedacht. „Wir haben eine Schweigeminute bewusst in die erste Stunde gelegt“, sagte Schulleiter Claus Wörn. „Damit die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit bekommen, darüber zu sprechen.

Ausgrenzung wird in keinster Weise toleriert

Die Idee zur „Menschenkette“ um die Schulgebäude hatte der Physiklehrer Matthias Eversloh, der am Abend zuvor mit ehemaligen Schülern und Lehrern an den Mahnwachen in Frankfurt und Hanau teilgenommen hatte.

Im Verlauf des Vormittags wurde kurzerhand ein Plan entworfen, der festlegte, wo welche Jahrgangsstufe stehen sollte, und die Oberstufenschüler halfen, ihn nach der Durchsage des Schulleiters Claus Wörn durchzusetzen. Wie geplant tönte seine Stimme um halb eins durch die Lautsprecher, um die Schüler zu der Aktion aufzurufen: „Mit der Menschenkette wollen wir zeigen, dass wir Hand in Hand füreinander einstehen und dass Ausgrenzung in keinster Weise toleriert wird.“

Innerhalb von zehn Minuten hatte die riesige Menschenkette um das Schulgebäude Form angenommen und jeder seinen Platz gefunden. „Wir wollen symbolisieren, dass wir gegen diese ‧menschenverachtenden Taten sind“, sagte der 19-Jährige Oberstufenschüler Ajdin Dzafic.

So wie er sehen es auch andere Schüler, wie Caroline Maier und Clara Hofstätter. „Es ist wichtig, dass man zeigt, dass man zusammenhält.“ Gerade die Nähe zum Geschehen beschäftige die Schüler, wie auch den Zehntklässler Niklas Alasovic: „Es wird viel darüber geredet. Das ist hier in der Nähe passiert, viele Schüler wohnen da in der Nähe oder kennen jemanden, der dabei war.“

Terrorakt wird in den kommenden Wochen im Unterricht aufgearbeitet

Auch in den kommenden Wochen wird der Terrorakt den Unterricht unterbrechen oder inhaltlich vor einem historischen Hintergrund aufgearbeitet. „Wir wollen zu allererst den Austausch unter den Schülern zulassen und nicht moderieren“, sagte Geschichtslehrerin Jodith Debesai, „Wir stehen aber als Ansprechpartner die ganze Zeit zur Verfügung und schalten uns ein, wenn es nötig ist.“

An der Schule gibt es bereits seit vielen Jahren Angebote, die Demokratie stark machen und das Soziale Lernen der Schüler in den unterschiedlichen Jahrgangsstufen fördern sollen. So sei es fester Bestandteil des Lehrplans, etwa an einem Tag drei verschiedene monotheistische Gotteshäuser zu besuchen, um die Toleranz zu stärken oder eine Gedenkstätte zu besuchen, wie etwa das Konzentrationslager in Buchenwald.

Schule nimmt an Programm gegen Rassismus teil

Doch auch aus der Schülerschaft kommen starke Signale, die mehr Toleranz fördern sollen. Einen konkreten Anlass habe es laut Wörn und Buchholz zu Beginn des Jahres nicht gegeben, aber zu diesem Zeitpunkt hatte die Schülervertretung beschlossen, als Schule an einem Programm gegen Rassismus teilnehmen zu wollen. Konkret geht es dabei um das Programm „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ der Bildungsstätte Anne Frank.

„Uns ist wichtig, dass diese Initiative aus der Schülerschaft kommt. Das Thema wird im Lehrplan nicht berücksichtigt“, so Debesai, Lehrervertreterin der SV. „Dennoch haben die Schüler durch Informationen aus den Medien oder durch eigene Erfahrungen das Bedürfnis, darüber zu sprechen.“ Das Thema sei also immer präsent. „Dass jetzt in unmittelbarer Nähe ein rassistischer Terrorakt stattgefunden hat, ist nochmal ein Grund mehr, für uns etwas zu unternehmen“, sagt Buchholz.

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