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AES-Schüler gewinnen Preis für das beste Drehbuch bei HR-Wettbewerb „Meine Ausbildung“

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Baywatch im Hallenbad: Jonathan Kreuter, Timo Gaier und Tim Bernhardt im Schwimmbad in Hochheim am Main (von links).
Baywatch im Hallenbad: Jonathan Kreuter, Timo Gaier und Tim Bernhardt im Schwimmbad in Hochheim am Main (von links). © PRIVAT

Kfz-Mechatroniker, Bademeister – oder vielleicht doch lieber Filmemacher? Jonathan Kreuter, Timo Gaier und Tim Bernhardt würden die letzte Frage eindeutig mit Ja beantworten. Die drei sind einigen Maintalern bereits vom Stadtparlamentsfernsehen (StaPaTV) bekannt, wo sie seit Jahren schon ihre ersten filmischen Schritte tun.

Maintal – Für ihr letztes Werk haben sie den HR-Preis für die beste Story beim Wettbewerb „Meine Ausbildung – Du führst Regie“ gewonnen. Zum 14. Mal hat der Hessische Rundfunk Nachwuchsfilmer in den Kategorien Film, Story, Schauspiel, Innovation, Newcomer, Inklusion und 9:16 ausgezeichnet. In dem achteinhalb-minütigen Kurzfilm mit dem Titel „Eine unerwartete Berufserfahrung“ gehen die Oberstufenschüler der Albert-Einstein-Schule (AES) der Frage auf den Grund, wie sie über ihre berufliche Zukunft reden sollen, wenn sie noch keine Ahnung haben, was sie werden wollen.

Der Protagonist, verkörpert von Timo Gaier, hat einen Geistesblitz: Speed-Praktika. Er will fünf Berufe in einer Woche ausprobieren. Also schlüpft der Nachwuchsmime in die Rolle des Praktikanten und versucht sein Glück in der Werkstatt des Hanauer Autohauses Amthauer, als Bademeister im Schwimmbad und schließlich als Moderator einer Live-Sendung. Dabei setzt sich der Kurzfilm humorvoll mit dem Konzept Praktikum auseinander. Etwa indem der Bademeister-Anwärter in Anlehnung an Baywatch mit roter Rettungsboje, in Zeitlupe und wehendem Haar am Beckenrand einer Schwimmerin zu Hilfe eilt. Oder indem dem TV-Produzenten gar nicht auffällt, dass Timo „nur der Praktikant ist“. Die Message am Schluss ist: „Lass dir nicht reinreden, es ist deine Zukunft.“

Wo die junge Filmcrew, die nicht nur für das StaPaTV regelmäßig aktiv ist, ihre Zukunft sieht, ist klar: vor und hinter der Kamera. Die drei Jungs waren mit ihren Filmbeiträgen schon bei mehreren Wettbewerben erfolgreich. Auch bei dem HR-Wettbewerb ist der preisgekrönte Film die zweite Einreichung der AES-Schüler. „Wir hatten in der neunten Klasse schon einmal einen Film zum Thema Ausbildung gedreht und uns beworben. Damals haben wir das Thema aber nicht ganz getroffen. Das haben wir bei dieser Version verbessert“, erklärt Regisseur Jonathan Kreuter.

Er hat das Drehbuch mit Timo Gaier zusammen geschrieben; Regie geführt haben beide. Tim Bernhardt, der Dritte im Bunde, ist für die Technik zuständig, Timo Gaier für die Redaktion, Jonathan Kreuter für die Kamera. Gemeinsam mit Luca Maier, Oliver Jeschke und Fynn Böhm, die jetzt teilweise auch wieder mitgewirkt haben, sind die Schüler schon mit dem Publikumspreis des Maintaler Kurzfilmfestivals ausgezeichnet worden.

Machen sich auch schmutzig: Timo Gaier (links) und Jonathan Kreuter in der Werkstatt des Autohauses.
Machen sich auch schmutzig: Timo Gaier (links) und Jonathan Kreuter in der Werkstatt des Autohauses. © -

„Das ist schon lustig, dass wir drei in einer Klasse gelandet sind“, sagt Jonathan Kreuter, der nach den Ferien wie die anderen beiden Jungs die zwölfte Klasse des Bischofsheimer Gymnasiums besucht. „Wir verbringen viel Zeit miteinander. Meistens haut Timo eine Idee raus, und daraus machen wir dann einen Film.“ Der vom HR ausgezeichnete Wettbewerbsbeitrag ist das bisher größte Projekt des Nachwuchstrios. „Das war schon aufwendig, alleine die Organisation der Drehtage mit allen Beteiligten“, erzählt Jonathan Kreuter vom Dreh.

Mitgewirkt haben nämlich nicht nur Schüler der AES. Die Rolle des Ausbilders in der Autowerkstatt etwa wird gespielt von Jonathans Vater, dem Filmemacher Boris Kreuter von der Trickfilmkinder GmbH, die das Projekt StaPaTV umsetzt. „Die Juniorredaktion setzt jedes Jahr ein, zwei Projekte eigenständig um“, berichtet Kreuter. „Ich liefere lediglich das Equipment und berate in technischen Fragen. Ansonsten bin ich außen vor.“ Und der technische Aspekt war bei dem Filmdreh nicht unerheblich. Denn die Nachwuchsfilmemacher hatten sich vorgenommen, mit einer digitalen Kinokamera zu drehen. „Dadurch haben sie sich ein richtiges High-End-Projekt vorgenommen“, erklärt Boris Kreuter. „Aber der Aufwand hat sich gelohnt. Das Ergebnis ist richtig gut geworden.“

Dass die Technik bei einem derartigen Projekt nicht ganz unerheblich ist, kann sein Sohn Jonathan bestätigen. Ausgewählt hat er die Kinokamera, weil die Qualität dadurch höher ist. Die Größe der Filmdateien aber auch. „Die Rohdaten waren so groß, dass wir mit dem Rendering (Erstellung einer Grafik aus Rohdaten, Anm. d. Red.) echte Probleme hatten“, erinnert er sich. Einen Tag vor Abgabeschluss sollte aus den riesigen Rohdaten über Nacht der Film entstehen. „Dann ist mein PC abgestürzt. Wir hatten nur noch diesen einen Tag Zeit, ich musste zu einem Verwandtengeburtstag und habe mit Tim zusammen per Remote-Steuerung weiter gerendert. Wir wären fast verzweifelt.“ Schlussendlich hat es aber doch geklappt. Der Film wurde rechtzeitig fertig und hat in der Kategorie „Beste Story“ gewonnen.

Von seinem Glück erfahren hat das Trio an kuriosen Orten: „Ich war gerade auf Klassenfahrt in Rom und stand tatsächlich auf dem Petersplatz im Vatikan. Timo war zuhause, weil er Corona hatte. Und Tim hat bezeichnenderweise ein Praktikum gemacht“, lacht Jonathan Kreuter. Gefreut haben sich aber alle mit ihnen. Auch die Schulleitung der AES, die das Preisgeld von 3000 Euro in weiteres Filmequipment investieren will. Zu sehen ist der Film diese Woche täglich morgens und in der ersten Septemberwoche im HR-Fernsehen.

Von Bettina Merkelbach

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