Leserführung: Eine Lesergruppe durfte die große Verpackungshalle beim Bio-Lieferservice Paradieschen in Linsengericht in Augenschein nehmen. Foto: Monica Bielesch

Main-Kinzig-Kreis

Zehn Leser schauen hinter die Kulissen des Paradieschens

Linsengericht. Knackiges Obst und Gemüse leuchtet in der Gemüseabteilung, vollwertige Backwaren duften hinter der Brottheke und das alles im Ambiente eines riesigen kanadischen Holzfällerhauses. Zehn HA- und MTA-Leser durften am Mittwoch Nachmittag hinter die Kulissen des Bioladens Paradieschen in Linsengericht schauen.

Von Monica BieleschDie zehn Leser waren einem Aufruf in der jüngsten Ausgabe unseres Wirtschaftsmagazins „Wirtschaft an Main und Kinzig“ gefolgt. Das Ehepaar Hoffmann aus Maintal bezieht bereits die Bioprodukte des Paradieschen. „Wir wollten mal schauen, wie alles hier beim Paradieschen funktioniert“, sagte Peter Hoffmann. Und wie beim Paradieschen die Biomöhre und der Demeter-Apfel vom Produzenten bis zum Kunden nach Hause kommen erzählte Michael Mosch bei einem kurzweiligen Gang durch das Unternehmen.

Mosch, der seit 20 Jahren beim Bio-Lieferanten zeichnet, ist für den Obst- und Gemüseeinkauf verantwortlich. So wie er von aromatischen Orangen aus Sizilien, kanarischen Bananen, Äpfeln vom Bodensee oder einem knackigen Wirsingkohl aus Bruchköbel schwärmte, verkörpert er den Unternehmensslogan „Bio liegt uns am Herzen“ wie kein anderer. So brachte er den Lesern nicht nur die Arbeitsabläufe beim Paradieschen näher, sondern machte gleichzeitig auch Lust auf Bioprodukte.

„Wer Bio sucht“, meint Mosch selbstbewusst, „kommt an uns nicht vorbei.“ Wöchentlich beliefert der Bioladen 5000 Kunden mit seinen Waren. Dafür werden von Montag bis Donnerstag in der großen Halle neben den Verkaufsräumen grüne und blaue Kisten mit den Kundenbestellungen befüllt. 120 Fahrer transportieren die individuell befüllten Kisten schließlich zu den Endkunden. Alles immer gemäß der Paradieschen-Philosophie: „Qualität geht vor Preis.“ Mosch betont: „Ware, die wir nicht vorher gesehen oder gekostet haben, kaufen wir nicht.“

Zutritt nur für Fachpersonal

Bei der Führung sehen die Leser das Trockenlager, wo Nudeln, Mehl und Co. lagern, insgesamt 2000 Artikel. In der Käsepackstation packt eine Mitarbeiterin hinter einer Glasscheibe in einem Hygieneraum Käseportionen ab. Sie ist dick angezogen, schließlich herrschen dort nur zehn Grad. „Da kommt nur Fachpersonal rein, die vorher durch eine Hygieneschleuse müssen“, erklärt Mosch.

Im Raum nebenan herrschen konstant vier bis sechs Grad, dort lagern Molkereiprodukte und bestimmte Obstsorten. Mosch plaudert über die perfekte Banane. „Die ist gelb mit grünen Spitzen.“ Wöchentlich werden drei Tonnen Bananen beim Paradieschen umgeschlagen.

Eine Teilnehmerin fragt wie sich der heiße Sommer im vergangenen Jahr auf die Kartoffelernte ausgewirkt habe. „Da ist noch alles im grünen Bereich“, so Mosch und führt die Gruppe zum zweiten Kühlraum, in dem alle Ware angeliefert wird. Das Paradieschen hat viele regionale Lieferanten, wie den Luisenhof aus Niederdorfelden oder Ackerlei aus Bruchköbel.

„Wenn wir fertig sind, ist der voll“

Weil es momentan auch in Italien und Südspanien sehr kalt ist, sei es gerade schwierig, bestimmtes Gemüse zu kriegen, so Mosch. Er erzählt von einem Bauern, dem ein drei Hektar großes Feld mit Feldsalat erfroren sei.

Vom Anlieferungsraum wird die Ware verteilt. An Packstraßen stellen die Packerinnen nach den Kundenwünschen die Biokisten zusammen. Wenn eine Tour fertig gepackt ist, stapeln sich die Kisten auf speziell für einen Sprinter angefertigten Paletten und warten in einem dritten Kühlraum bei acht bis zehn Grad auf die Fahrer. Dieser Raum ist mittags um 13 Uhr fast halb voll. „Wenn wir fertig sind, ist der voll“, sagt Mosch. Am frühen Abend kommen die Fahrer. Gesondert laden sie noch Käse, Wurst und Brot und fügen das je nach Kundenwunsch den Kisten hinzu.

„Eine gute Idee vom HANAUER ANZEIGER“

Das Brot kommt vom Düdelsheimer Bäcker Mulinbäcker. Und wieder kommt Mosch ins Schwärmen, wenn er von dem Vollkornbrot erzählt. Die Leser erfahren viele Anekdoten aus dem Paradieschen-Alltag und von den Menschen, die hier arbeiten. Mosch zeigt der Gruppe einen flachen Kohl. „Das ist eine Ackerpille'“, erklärt er grinsend. Ein sehr zarter, milder Kohl. Aus einer anderen Kiste holt er einen dunkelgrün leuchtenden und saftigen Wirsingkohl hervor. „Haben Sie schon mal so einen tollen Wirsing gesehen? Der kommt vom Ackerlei-Hof aus Bruchköbel“, schwärmt er. „Eine tolle und interessante Führung“, meint am Ende Cornelia Pfendt.

„Eine gute Idee vom HANAUER ANZEIGER“, freut sie sich. Und Barbara Hölz sagt: „Besonders gut war, dass man die ganze Logistik gesehen hat.“ Zum Schluss drückt Michael Mosch jedem Teilnehmer noch eine Papiertüte mit den sizilianischen Orangen, Bananen, Äpfeln und Erdnüssen in die Hand. Auf dem Rückweg ist der Apfel aus der Tüte ein willkommenes Mittagessen. Und Mosch hat nicht zu viel versprochen: Es ist einer der leckersten Äpfel, die ich je gegessen habe.

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