Für ein Foto muss Wolfgang Hartmann einiges an Ausrüstung mitnehmen. Neben seiner Kamera und etlichen Stativen ist dabei auch der Laptop ein essenzielles Utensil. Fotos: Häsler (2), Wolfgang Hartmann

Hasselroth

Wolfgang Hartmann hat sich ganz der Makrofotografie gewidmet

Hasselroth. Wenn Wolfgang Hartmann (58) aus Hasselroth in den Wald geht, um Pilze zu suchen, spielt es für ihn dabei keine Rolle, ob es viele oder wenige Pilze gibt. Auch ist es ihm egal, ob die Pilze essbar oder giftig sind. Ihm geht es einzig und allein darum, wie schön die Pilze sind.

Von Axel Häsler

Für Hartmann sind sie allesamt kleine Kunstwerke der Natur, die er mit seiner Kamera festhält. Hauptberuflich arbeitet er seit 26 Jahren als Industriefotograf bei Heraeus in Hanau. Dort gehört es unter anderem auch zu seinem Aufgabenbereich, kleinste Bauteile zu fotografieren. Millimetergroß sind die Abmessungen von Sensoren, die er durch spezielle optische und digitale Techniken gestochen scharf auf seinen Fotos darstellt.

Für die Makrofotografie hat sich der Niedermittlauer schon als kleiner Junge interessiert. Im Alter von elf Jahren bekam er seinen ersten Fotoapparat geschenkt, eine Kodak Retina. Fünf Jahre später kaufte er sich dann eine AE1, eine Spiegelreflexkamera von Canon, mit der seine Fotos deutlich an Schärfe gewannen.

Begeisterung für den Azurit

Ein weiteres Hobby des damaligen Schülers war das Sammeln von Mineralien. Oft ist er nach der Schule mit seinem Fahrrad und einem alten Arztkoffer nach Altenmittlau in den Steinbruch gefahren und hat dort nach den verschiedenen Gesteinen gesucht. So hat er im Laufe der Jahre knapp 50 verschiedene Mineralien durch Fachbestimmungen nachgewiesen. Zumeist waren dies aber auch winzig kleine Fundstücke, deren Schönheit nur unter dem Mikroskop sichtbar wurde.

Besonders beeindruckt war der Schüler von dem tiefblauen Azurit, das durch chemische Verwitterungen aus Kupfererzen entsteht. Seine beiden Hobbys wollte er vereinen und suchte nach Wegen, die Facetten von diesen kleinen Kristallen zu fotografieren. So kam er zur Makrofotografie.

Stetige Verbesserung der Ausrüstung

Jeder Fotograf, der schon einmal versucht hat, kleine Objekte zu fotografieren, merkt ganz schnell, dass es auch mit einem Makroobjektiv nicht möglich ist, eine umfangreiche Schärfentiefe zu erreichen. Und je kleiner das Objekt ist, desto geringer ist auch der Bereich, der im Bild scharf dargestellt wird. Diesem Problem stellte sich auch Hartmann.

Doch im Laufe der Jahre hat er seine Ausrüstung stetig verbessert, um immer schärfere Nahaufnahmen, beziehungsweise Markroaufnahmen zu machen. Dafür hat er sich auch einzelne Apparaturen eigens für sein Studio anfertigen lassen. Seit 2005 nutzt er auch digitale Programme im Computer, um im sogenannten Stackingverfahren kleine Objekte im Ganzen scharf darzustellen.

Pilze und Mineralien

Beim „Stacking“, übersetzt Fokus-Stapelung, wird die Schärfentiefe erweitert, indem aus bis zu mehreren Hundert Einzelfotos ein Bild zusammengesetzt wird. Hartmann arbeitet mit den Programmen Helicom Remote und Helicom Focus. Aber auch Photoshop und mitunter sogar kostenfreie Programme bieten die Möglichkeit Fotos zu „stacken“.

Neben der Mineralienfotografie hat sich Hartmann vor einigen Jahren der Pilzfotografie gewidmet. Zum Ausgleich zu seiner Arbeit in Hanau geht er gerne mit seinem Hund im Wächtersbacher Wald spazieren. Immer wieder sah er dabei kleine, auf den ersten Blick unscheinbare Pilze am Waldboden. Bei näherer Betrachtung war er begeistert von der Schönheit der Waldfrüchte. So packt er in der Herbstzeit oft seine Ausrüstung vom Auto in einen Bollerwagen und sucht sich neue Motive im Wald.

Eine besondere Technik

Zur Ausrüstung gehören neben dem Fotoapparat mit Makroobjektiven mehrere Stative und verschiedene Lampen, um die Pilze von allen Seiten zu beleuchten. Mit dabei hat er auch sein Notebook, von dem aus die Kamera gesteuert wird, sobald er sie in Stellung gebracht hat. Mindestens 25 Einzelbilder, aber auch bis zu 200 Bilder macht er dann von einem Pilz oder einer Pilzgruppe. Dabei wird Schritt für Schritt die Schärfeeinstellung am Objektiv weiter gestellt.

Ein Bild aus der Serie bearbeitet er in Farbe und Kontrast. Dieser Schritt wird dann auf alle Aufnahmen automatisch angewendet. Zum Schluss werden alle Bilder automatisch zusammen gesetzt. Dabei wird durch eine Bildmaske jeweils nur der scharfe Bereich eines Fotos übernommen. Als Ergebnis erhält der Fotograf dann aus vielen Einzelbildern nur ein Bild, das dann aber von vorne bis hinten gestochen scharf ist.

Kunst in der Natur

Auch in seinem Studio wendet Wolfgang Hartmann das Stacking an. Jedoch arbeitet er da mit einem Stativschlitten, auf dem der Fotoapparat in Hundertstelmillimeterschritten an das Objekt herangefahren wird und so die Einzelbilder aufgenommen werden.

Die Makrofotografie in seinem Studio wendet der Fotografenmeister oft an, wenn er kleinste Bauteile in Millimetergröße für seinen Arbeitgeber ablichten soll. Ansonsten sei die Fotografie im Mikrokosmos reines Hobby, wie er sagt. Hartmann liebt es einfach, kleine Dinge groß darzustellen. Er möchte einfach nur die kleinen Kunstwerke der Natur auf seinen Fotos festhalten.

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