Wildwest im Ostkreis: Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen drei Männer erhoben, die im Streit zu Waffengewalt gegriffen haben sollen. Symbol
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Wildwest im Ostkreis: Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen drei Männer erhoben, die im Streit zu Waffengewalt gegriffen haben sollen. Symbol

Wildwest im Ostkreis

Schüsse aus fahrendem Auto - Trio aus Gelnhausen vor Gericht

  • Thorsten Becker
    vonThorsten Becker
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Der mutmaßliche Tatort liegt im Ostkreis. Die Geschichte, die sich dahinter verbirgt, erinnert aber eher an den Wilden Westen. Eine Abrechnung – vermutlich im Drogenmilieu, bei der ein Mann an einen Pfosten gefesselt wird. Am Ende fallen dann Schüsse.

Hanau/Bad Soden-Salmünster - Die Hanauer Staatsanwaltschaft hat in diesem Fall nun Anklage gegen drei Männer aus Gelnhausen im Alter von 25 bis 30 Jahren erhoben. Die Vorwürfe sind schwerwiegend: gemeinschaftlich versuchter Totschlag sowie erpresserischer Menschenraub. Bekannt geworden ist die bereits länger schwelende Auseinandersetzung am 5. Juni vergangenen Jahres, als die Luft im Gewerbegebiet Salmünster auf einmal bleihaltig wurde. Aus einem fahrenden Auto sollen Schüsse auf eine offenbar konkurrierende Gruppe abgefeuert worden sein. Eines der Opfer wurde zum Glück nur leicht an einer Hand verletzt. Die weiteren Projektile trafen das Auto. Ein Großaufgebot der Polizei griff ein, Tatverdächtige wurden hinter Gitter geschickt.

Opfer an einen Pfahl gefesselt

Nach wochenlangen Ermittlungen steht nun nach Überzeugung der Anklagevertreter fest: Bereits im Vorfeld hat es ein Verbrechen gegeben. So soll das Trio am Tag zuvor eines der Opfer in Bad Soden-Salmünster „abgepasst“ haben, ihn zum Einsteigen in einen Wagen gezwungen und dann zu einer Hütte im Huttengrund gefahren haben. Dort, so die Anklage, sei das Opfer an einen Pfosten gefesselt worden. Um Druck auszuüben, soll der Gefesselte recht unsanft behandelt worden sein.

Drogengelder erpresst?

Die Forderung: 5000 Euro, bei denen es sich sehr wahrscheinlich um illegale Geschäfte handeln dürfte. Es wird von Drogenschulden gemunkelt. Doch der „Schuldner“ kann an diesem Tag die geforderte Summe nicht auftreiben. Daher wird ein Ultimatum gestellt und für den nächsten Tag ein weiteres Treffen vereinbart. Als das Trio dann auftaucht, ist der Mann, der eigentlich fünf „Riesen“ dabei haben sollte, nicht mehr alleine. Er ist mit „Verstärkung“ gekommen, darunter Männer aus dem angrenzenden unterfränkischen Landkreis Bad Neustadt an der Saale.

Showdown im Gewerbegebiet

Also ziehen sich die drei Männer zurück, aber nur für kurze Zeit. An der Dr.-Richard-Küch-Straße kommt es wenig später zum Showdown, als die drei in einem Wagen an der gegnerischen Gruppe vorbeifahren. Der mutmaßliche Haupttäter soll dabei von der Rückbank aus gefeuert haben. Er sitzt derzeit in Untersuchungshaft, ihm wirft die Staatsanwaltschaft gemeinschaftlichen versuchten Totschlag vor. Der Mann am Steuer ist wegen Beihilfe angeklagt. Die Tat am Tag zuvor bewertet die Hanauer Anklagebehörde indes als erpresserischen Menschenraub. Alleine dafür sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe ab einem bis zu 15 Jahren vor.

Die 2. Große Strafkammer am Hanauer Landgericht hat die Anklage nun zugelassen und den Prozessbeginn auf Dienstag, 16. März, festgesetzt. Um den Sachverhalt aufzuklären, haben die Richter insgesamt sieben Verhandlungstage bis Ende April anberaumt. (Von Thorsten Becker)

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