Blick in die Ausstellungshalle: In Meerholz gibt es ein einzigartiges Museum, das sich ausschließlich mit einem Naturvolk beschäftigt. Foto: Zacharias

Gelnhausen

Dr. Werner Weiglein zeigt Papua-Museum in Gelnhausen-Meerholz

Gelnhausen. Wer sich für das Leben in exotischen Ländern und frühzeitliche Kultur interessiert, für den ist das Papua-Museum in Meerholz ein absolutes Muss. Ein Sammler bietet dort einen einzigartigen Blick in eine fremde Welt.

Von Ingbert Zacharias

Schon beim Betreten der großen Ausstellungshalle auf dem Gelände des Fürstlichen Palais an der Hanauer Landstraße taucht der Besucher in eine einzigartige Welt ein. Dr. Werner Weiglein, Experte für das Leben und die Kultur der Ureinwohner Neuguineas, hat im Rahmen seiner Reisen auf die Insel etwa 800 Kulturobjekte zusammengetragen und in seiner Privatsammlung ausgestellt.

Die Exponate geben einen eindrucksvollen Blick in die Lebensweise der Papua, ein Volk, das in direkter Linie von den australischen Aborigines abstammt und vor mehreren Zehntausend Jahren auf die Insel kam. „Diese Ureinwohner, insbesondere die im Regenwald lebenden Volksgruppen, sind ein vollkommener Teil der sie umgebenden Natur“, erklärt Weiglein. „Die Menschen führen ein Leben wie in der Jungsteinzeit und kennen weder Kleidung oder Gegenstände aus Metall noch Schriftzeichen, Zahlen oder Zeitberechnung – und das macht diese kleinwüchsigen, wendigen Ureinwohner so einzigartig und damit besonders schützenswert.“

Rachebäume und SeelenbooteIn der Sammlung befinden sich raumhohe „Rachebäume“, die von den Papua als Vorzeichen für bevorstehende Kopfjagden geschnitzt wurden. Ein weiterer Blickfang ist ein mehrere Meter langes „Seelenboot“, in dem geschnitzte Menschen- und Tierfiguren sitzen.

„In der Vorstellung der Papua ist es von sehr großer Bedeutung, den Verstorbenen einen Weg zu den Urahnen zu bereiten. Das Boot soll einer solchen Reise dienen“, erklärt Weiglein. „Jede Figur ist als Stellvertreter für die in letzter Zeit verstorbenen Mitglieder einer Familie anzusehen.“

Trophäen der MenschenjagdEin weiteres, schauriges, Highlight ist die Kopfsammlung, die aus teilweise kunstvoll verzierten Menschenschädeln besteht und auf die Menschenjagd hinweist, die bis in die 1970er Jahre besonders von den im südlichen Küstensumpfland lebenden Stämmen praktiziert wurde.

Die an anderer Stelle gezeigte Waffensammlung beinhaltet neben Pfeil und Bogen insbesondere Holzkeulen und Steinbeile, die von den Papua äußerst geschickt und wirkungsvoll geführt werden.

„Reise eines frisch Verstorbenen zu den Urahnen“„Diese Leute sind kriegerisch. Für Seefahrer, die einst an der Küste anlandeten, war es unmöglich, ins Landesinnere vorzudringen“, erklärt Weiglein. „Sie kamen im Urwald meist nur einige Meter weit, bevor sie entweder zurückgedrängt oder getötet wurden. Diese massive Abgrenzung nach außen hin gegen Fremde ist wohl einer der Hauptgründe, warum die Papua noch heute größtenteils so leben wie in der Steinzeit.“ Dass die Papua auch über handwerkliche Fähigkeiten verfügen, zeigt sich an den ausgestellten, teils manns‧hohen Masken, die aus den Blättern der Sago-Palme hergestellt werden und bei großen rituellen Treffen der Papua-Familien Verwendung finden. Auch hier spielt die „Reise eines frisch Verstorbenen zu den Urahnen“ eine große Rolle.

Die Ausstellung bietet einen tiefen Einblick in die Welt der Ureinwohner Neuguineas und zeigt viele Schmuckstücke aus Naturmaterial sowie Gegenstände des täglichen Gebrauchs. Allerdings sucht man vergeblich nach Kleidungsstücken; einzig die von den Papua-Männern als Schmuck und Schutz getragenen Penisrohre sind bekannt und ein Teil der Kultursammlung.

Dr. Weiglein, dessen Interesse am Leben der Papua durch die Berichte des Bergsteigers Heinrich Harrer geweckt wurde, hat sehr gute Kontakte zu den indonesischen Behörden und reist mehrfach im Jahr auf die Insel. Im Baliem Valley hat er über die Jahre ein Resort aufgebaut und engagiert sich im Rahmen eines „sanften Tourismus“ für die in der Umgebung lebenden Ureinwohner.

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