Natur pur auf dem Spessartbogen: Bernhard Mosbacher, seit Oktober Geschäftsführer der Tourismus und Marketing GmbH, war mit uns im Schnee unterwegs. Der 53-jährige Tourismusexperte hat dabei viel erzählt - von sich und von den Projekten, mit denen er die Destination Spessart bekannter machen will. Foto: Bender

Main-Kinzig-Kreis

Werbetrommel für den Spessart: Wanderung mit Bernhard Mosbacher

Main-Kinzig-Kreis. Der Geschäftsführer der Spessart Tourismus und Marketing GmbH Bernhard Mosbacher hegt nicht nur eine berufliche Leidenschaft für das Urlaubsziel Deutschland. Er soll die Region bekannt machen. Eine Online-Strategie dazu steht bereits. Wir waren mit dem Tourismus-Experten unterwegs.

Von Yvonne Backhaus-Arnold

Anzug, Krawatte und Lederschuhe hat Bernhard Mosbacher heute gegen Wetterjacke, Schal und knöchelhohe Trekkingschuhe getauscht. Denn wo lernt man den Geschäftsführer der Spessart Tourismus und Marketing GmbH am besten kennen? Genau, beim Wandern!

Dienstag. 10 Uhr. Jagdhaus Haselruhe in Bad Orb. Keine Sonne, dafür Kälte und jede Menge Schnee. Den Treffpunkt hat der 53-jährige Touristiker nicht ohne Grund gewählt. Hier soll im Juni der Flowtrail für Mountainbiker eröffnet werden, eine mehrere Kilometer lange Strecke, die für Anfänger genauso geeignet ist wie für Fortgeschrittene. Außerdem beginnen hier, mitten im Wald, unzählige Wanderwege. Wir entscheiden uns für eine Tour auf dem 90 Kilometer langen Spessartbogen, der ebenfalls hier vorbeiführt.

Wandern, Mountainbike fahren, Kultur und WohlfühlenBernhard Mosbacher saß eigentlich schon auf gepackten Koffern gen Schwarzwald als er die Stellenausschreibung des Main-Kinzig-Kreises las. Ein Geschäftsführer wurde hier gesucht. Spessart. Tourismus. Marketing. Mosbacher schickte seine Bewerbung ab und bekam den Job. Seit 1. Oktober ist er im Amt. Drei Mitarbeiterinnen hat er, eine ist Triathletin. „Die lacht immer, wenn ich von meinen 'kleinen' Radtouren erzähle.“

Die GmbH, für die der Kreistag 2016 votierte, soll all jene Aufgaben übernehmen, die in den Jahren zuvor im Amt für Wirtschaft, Tourismus und Sport eher ein stiefmütterliches Dasein fristeten. Es gehe darum, die Destination Spessart bekannt zu machen. Erst einmal im Rhein-Main-Gebiet, etwa für Kurzurlaube. Dann landes- und parallel bundesweit. Wandern, Mountainbike fahren, Kultur und Wohlfühlen – diese vier Säulen will der neue Geschäftsführer bespielen.

Werbetrommel für den Spessart rühren „Wichtig ist erst einmal, dass wir die Menschen hier erreichen, uns hier bekannt machen“, sagt Mosbacher, der im März auch bei der ITB, der größten Reisemesse Deutschlands, die Werbetrommel für den Spessart rühren wird.Die Finanzierung der GmbH teilen sich Kreis und IHK. 400 000 Euro gibt der Kreis, 100 000 Euro kommen von der Industrie- und Handelskammer Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern.

Warum die IHK? Weil Urlauber am Ende auch Fachkräfte sein können. Da kann es für eine Region und einen Kreis nur positiv sein, sich möglichst attraktiv zu präsentieren. Neben einem Aufsichtsrat gibt es auch einen Beirat, dem keine Politiker, sondern Werbeleute, kommunale Vertreter, aber auch Gastronomen und Hoteliers angehören. Der Anstieg hat es in sich, aber Bernhard Mosbacher hat Kondition – er kann steil bergauf gehen und dabei reden, ohne dass ihm die Puste ausgeht. Im Tourismusgeschäft sicher keine schlechte Eigenschaft.

Leidenschaft für das Urlaubsland DeutschlandDer gebürtige Mainzer studierte BWL und Touristik in Worms und machte sich danach auf, die Welt zu entdecken – erst im Bereich Trekking- und Expeditionsreisen (zum Beispiel zum Himalaya), danach für Dertour den Mittleren Osten und schließlich als Produktleiter Urlaubsreisen für Ameropa. „Irgendwann habe ich meine Leidenschaft für das Urlaubsland Deutschland entdeckt“, erzählt er.

Ab 2012 führte Mosbacher die Geschäfte der Touristik Bad Wildbad und Enztal im Schwarzwald, mit rund 350 000 Übernachtungen eine der Urlaubsregionen Süddeutschlands. Er pendelte fast fünf Jahre lang wochenweise zwischen Schwarzwald und Hochtaunus. Hier, zehn Minuten vom Feldberg entfernt, lebt der 53-Jährige mit seiner Frau und den drei Kindern (16, 18, 21 Jahre), wobei der Älteste jetzt seinen Bundesfreiwilligen-Dienst absolviert – im Schwarzwald.

Spuren der Brüder GrimmRadfahren. Wandern. Bei Mosbacher und seiner Familie sind das die Freizeitbeschäftigungen schlechthin. „Und im Moment, bei dem vielen Schnee, schnalle ich mir auch mal die Langlaufski an und mache eine Tour am Feldberg“, sagt er und schmunzelt, „morgens, bevor die ganzen Touristen aus Frankfurt kommen.“ Eine Stunde sind wir jetzt unterwegs und beim Blick auf die Uhr ganz überrascht, wie schnell die Zeit vergangen ist. Abkürzungen gibt es nicht, also treten wir den Rückweg an.

In den vergangenen Wochen und Monaten hat Mosbacher angefangen, den Kreis und die Nachbarregionen kennenzulernen. Die Städte und Gemeinden. Die Entscheidungsträger. Die Hotels. Das Besondere. Das Außergewöhnliche. Ayurveda in Birstein. Die Spuren der Brüder Grimm, die ihm noch viel zu wenig herausgearbeitet sind. Die Stärken, und die Schwächen. „Es ist schön, etwas von unten aufbauen zu können“, sagt der Betriebswirt.

Online-StrategieIn wenigen Wochen erscheint das erste Jahresmagazin zur Destination Spessart. Die Online-Strategie steht. Die neue Homepage ist am Werden. Mosbacher hat sich hier externe Agenturen geholt, Fachleute auf ihrem Gebiet. Professionell soll es sein. Das ist ihm wichtig. Sein Tourismus-Wissen gibt der 1,90-Meter-Mann an der Hochschule Heilbronn an Studenten weiter. Und seine Neugier auf die Welt, die hat er sich auch bewahrt. Einmal im Jahr ist er eine Woche mit Freunden unterwegs – mit dem Rad. Mit Dresden fing alles an. „Dann haben wir jedes Jahr ein Land entdeckt. Immer gen Osten.“ 2016 packten sie Räder und Zelte in den Flieger und reisten in den Iran. 2017 soll es der Oman werden.

Natürlich muss Mosbacher sich nach den ersten fünf Jahren auch an Kennzahlen messen lassen, Übernachtungen, die Anzahl der Betten, das Einwerben von Geldern, Umfragewerte . . . Soweit ist es noch nicht. Jetzt steht er erstmal am Anfang. 11.30 Uhr. Jagdhaus Haselruhe. Ende der Wanderung, Zeit für einen heißen Tee. Und im Büro müssen dann auch die Trekkingschuhe dran glauben. „Ich hab' mir heute extra ein Wechseloutfit eingepackt“, sagt Bernhard Mosbacher und lacht.

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