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"Wahlkampf vor Ort" mit AfD-Landratskandidat Walter Wissenbach

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Wissenbach am Wahlkampfstand: „Die Stimmung hat sich deutlich gebessert, früher haben sich die Leute gar nicht getraut, auf uns zuzugehen. Jetzt ist ein Stück Normalität eingekehrt. Foto: Ziegert
Wissenbach am Wahlkampfstand: „Die Stimmung hat sich deutlich gebessert, früher haben sich die Leute gar nicht getraut, auf uns zuzugehen. Jetzt ist ein Stück Normalität eingekehrt. Foto: Ziegert

Main-Kinzig-Kreis. Wer sich am Samstag rund um den Hanauer Wochenmarkt platziert, trifft garantiert viele potenzielle Wähler. Das weiß auch die Alternative für Deutschland (AfD), die im Landratswahlkampf nicht nur einmal dort anzutreffen war. Aber wie reagieren die Bürger inzwischen auf die neue Partei? Gibt es Proteste?

Von Andreas Ziegert

Heute in Teil vier der Serie „Wahlkampf vor Ort“: der AfD-Landratskandidat Walter Wissenbach:

11.29 Uhr: Schon von weitem ist zu sehen: Es ist durchaus einiges los am Stand der AfD.

11.31 Uhr: Bei der Begrüßung teilt Landratskandidat Walter Wissenbach gleich die wichtigste Erkenntnisse mit: Keine Spur von der Antifa, die Proteste gegen die Partei hätten seit dem Einzug in den Kreistag deutlich nachgelassen. Die Zerstörung von Plakaten allerdings nicht. Die Polizei sei auch über diesen Infostand informiert und halte sich in der Nähe auf.

11.32 Uhr: Noch etwas fällt auf: Das Wahlkampfmobil von Wissenbach fehlt. „Das muss rollen“. Ein Parteimitglied habe sich das kurzfristig ausgeliehen, um neue Plakate aufzuhängen.

11.33 Uhr: Der AfD-Kandidat muss seine Stellungnahme unterbrechen: Ein bekannter Unternehmer aus Hanau geht gezielt auf ihn zu, lässt sich Infomaterial aushändigen. Der wählt jetzt also AfD?

11.34 Uhr: Wissenbach klärt auf: 130 Mitglieder hätten 15 000 Euro für seinen Wahlkampf gespendet. Die professionellen Plakatkleber, die sich andere Parteien leisten würden, seien damit dennoch nicht drin.11.41 Uhr: Ein älterer Mann geht bewusst auf den AfD-Stand zu: „Das ist die Kurz-Kurz-Version von meinem Programm“, klärt der Kandidat auf.

11.42 Uhr:Noch eine Anekdote von Wissenbach: Bei der Bundestagswahl hätte die Partei noch einen Standplatz hinter dem Hanauer Rathaus zugewiesen bekommen, „inzwischen hat sich aber auch das Verhältnis zu den Behörden normalisiert“.

11.44 Uhr: Kaffee-Nachschub kommt, neue Luftballons werden aufgeblasen. Dafür ist extra eine Helium-Flasche dabei.

11.46 Uhr:„Hanau ist eine Sonderstatusstadt“, klärt Wissenbach einen Passanten über das Kreisgebilde auf.

11.47 Uhr: Das gibt’s tatsächlich nur bei der AfD: Der Pressevertreter wird fotografiert.

11.50 Uhr: „Sind Sie auch dagegen?“, spricht Klaus Fritz einen Mann Mitte 50 an. Der hält kurz an, verweist auf sein bereits erhaltenes Infomaterial. Nur was soll das eigentlich bedeuten? „Ich muss die Leute ja irgendwie zum Stehenbleiben bringen“, hat sich Fritz, der für den Bundestag kandidieren will, diese Methode ausgedacht. Komme er ins Gespräch, gehe es dann beispielsweise so weiter: „Sind Sie auch dagegen, dass noch mehr Geld nach Griechenland fließt?“

12.07 Uhr:Völlig verquatscht mit Klaus Dippel, AfD-Kreistagsabgeordneter, der Wissenbach beim Verteilen der Wahlbroschüren unterstützt. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so schlimm ist“, berichtet er von seinem ersten Erfahrungen im Kreisparlament. Und ergänzt: „Und ich habe 30 Jahre lang CDU gewählt.“

12.08 Uhr: Wissenbach verteilt derweil Naturseife, die erhält hier jeder der will.

12.09 Uhr: Kurzer Hinweis eines Wahlhelfers: „Jetzt können Sie ein schönes Foto machen, ein Kind mit Migrationshintergrund erhält einen AfD-Luftballon.“

12.10 Uhr: Der Kandidat zieht eine erste Bilanz: „Die Stimmung hat sich deutlich gebessert, früher haben sich die Leute gar nicht getraut, auf uns zuzugehen. Jetzt ist ein Stück Normalität eingekehrt.“

12.13 Uhr: In Birstein haben es ihm vor einigen Tagen besonders gut gefallen, obwohl der Stand schlecht postiert gewesen sei, hätten ihm sogar Autofahrer zugewunken, erzählt Wissenbach.

12.14 Uhr: Und noch eine Anekdote: Bei einer Wahlkampfveranstaltung hätten sich AfD-Gegner unters Publikum gemischt und immer wieder zu seinen Patentrezepten zum demografischen Wandel oder dem Aussterben der Ortskerne gefragt. „Wenn es die gäbe, hätte der Pipa die doch längst umgesetzt“, glaubt der Kandidat.

12.15 Uhr: Apropos Pipa: Ein Lob für den Amtsinhaber gibt’s sogar auch noch. „Ohne Breitband geht gar nix, aber mit Breitband geht viel“, sei der kreisweite Ausbau mit schnellen Datenverbindungen völlig richtig gewesen.

12.18 Uhr: „Was muss ich eigentlich machen, um Sie zu überzeugen, mich zu wählen?“, fragt Wissenbach den Pressevertreter. Die Antwort bleibt offen.

12.22 Uhr: Ein älteres Ehepaar kommt an den Stand und regt sich über Hartz IV-Missbrauch auf. „Fängt schon bei der Kindererziehung an: Zähne putzen, frühzeitig ins Bett, heute laufen doch Kinder und Jugendliche noch spät abends auf der Straße rum„, beklagt Wissenbach.

12.25 Uhr: „Sind sie Lehrer“, fragte eine Frau den Kandidaten, die sich mit ihrem Mann an den Stand vorgewagt hat. Nein, Lehrer sei er nicht, sondern Rechtsanwalt und seit 1991 in Steinheim ansässig. Dort lebt auch dieses Ehepaar, beiden sehen Wissenbach laut eigener Aussage täglich: Ihr Nachbar habe zwei Plakate von ihm am Gartenzaun hängen.

12.31 Uhr: „Wo ist der Landratskandidat?“, fragt ein bekannter Musiker aus einer Vorort-Gemeinde von Hanau. Sein Rat: „Eine deutliche Abgrenzung von der NPD und dann klappt das schon.“

12.33 Uhr: Unterstützt wird Wissenbach auch vom Kreistagsabgeordneten Ulrich Langenbach, der eine Bekannte trifft. „Für wen machst Du denn hier Werbung?“, wird die Übergabe eines Werbebroschüre abgelehnt: „Ne, um Gottes Willen.“

12.34 Uhr: Ein lauter Knall am Wahlstand: Kommt jetzt doch noch die Antifa? Nein, sie kommt nicht. Ein Luftballon ist geplatzt.

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