Über 10 000 Schuss Munition und mehrere Waffen hatte der Wächtersbacher in seinem Keller. Symbolfoto: Pixabay

Main-Kinzig-Kreis

Waffenarsenal und Hitler-Bild im Keller: 54-Jähriger verurteilt

Gelnhausen. Die Polizei hat in einem Wohnhaus in Wächtersbach ein Waffenarsenal gefunden. Im Januar des vergangenen Jahres stürmte ein Sondereinsatzkommando das Gebäude und stellte explosive Stoffe, zahlreiche Waffen sowie Unmengen von Munition sicher.

Von Andreas ZiegertGelnhausen – Die Polizei hat in einem Wohnhaus in Wächtersbach ein Waffenarsenal gefunden. Im Januar des vergangenen Jahres stürmte ein Sondereinsatzkommando das Gebäude und stellte explosive Stoffe, zahlreiche Waffen sowie Unmengen von Munition sicher.

Angeklagter gehört wohl Reichsbürger-Szene an

Vor dem Schöffengericht Gelnhausen räumte der 54-jährige Angeklagte nun den verbotenen Besitz ein. In der Verhandlung wurde zudem der Verdacht geäußert, dass der Angeklagte der Reichsbürger-Szene angehört. Gefunden wurden 15 Gewehre, Pistolen und Revolver sowie verschiedene Sprengstoffe. Außerdem hortete der Mann über 10 000 Schuss Munition. Zwei der Waffen fielen aus der Anklage der Staatsanwaltschaft raus, da sie erlaubnisfrei sind, den Besitz der anderen verbotenen Waffen, Stoffe und Munition räumte der 54-Jährige ein.

Bei Ansicht der vor Ort gefertigten Lichtbilder fiel Gericht und Staatsanwaltschaft aber nicht nur auf, dass die Waffen im gesamten Haus verteilt ungesichert herumlagen. Ein Foto von Adolf Hitler an der Wand im Keller, ein Hakenkreuz aus Kerzen und ein schwarz-weiß-rot lackierter Briefkasten ließen weitere Fragen aufkommen.

Erinnerungen an Fall in Wächtersbach

„Für mich steht zumindest eine kleine politische Gesinnung dahinter“, wollte Staatsanwalt Oliver Piechaczek nicht ausschließen, dass auch fremdenfeindliche und rassistische Motive in diesem Fall eine Rolle spielen. „Es gibt genügend Leute, die schon geschossen haben, und die hatten auch solche Briefkästen“, erinnerte der Staatsanwalt zudem an die Schüsse auf einen Eritreer in Wächtersbach im Juli dieses Jahres.

Und mindestens eine Parallele gibt es: Der Täter im Juli war Mitglied im örtlichen Schützenverein in Wächtersbach und auch der Angeklagte erklärte in der Verhandlung, dass er dort seit 25 Jahren seinem Hobby nachgehe. „Ich habe Spaß daran, samstagmittags mit meinen Kameraden schießen zu gehen“, habe er seine legalen Waffen aber vor drei oder vier Jahren abgegeben und die notwendigen Genehmigungen für den Besitz von Waffen und explosiver Stoffe nicht mehr verlängert. Die hohe Anzahl der Munition erklärte er mit Massenbestellungen im Schützenverein, aus Kostengründen seien die dort palettenweise angeliefert worden.

Nazi-Utensilien sollten provozieren

Bei Fragen zu seiner politischen Gesinnung gab er sich wortkarg: „Bisschen provozieren“, kommentierte er die in seinem Haus gefundenen Nazi-Devotionalien. Vor zehn Jahren habe er die Reichsbürger-Szene interessant gefunden, ein oder zwei Veranstaltungen besucht und sich eingelesen.

Die Frage, warum ein Foto von Adolf Hitler bei ihm im Keller hängt, ließ er unbeantwortet. Staatsanwalt Piechaczek fragte auch, ob er sich für den Fall der Fälle vorbereitet habe, „da gibt es ja auch eine politische Partei im Bundestag, die dazu aufruft“.

Angeklagter gibt sich unpolitisch

Die Antwort fiel auch hier kurz aus: „Ich bin nicht politisch engagiert, schaue mir alles an“, so der Angeklagte. „Man hat ein ungutes Gefühl“, erklärte allerdings auch Richterin Petra Ockert, Vorsitzende des Schöffengerichts, in der Urteilsbegründung. Der 54-jährige Wächtersbacher wurde zu einer 15-monatigen Gefängnisstrafe verurteilt, die für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird.

Außerdem muss er eine Geldbuße in Höhe von 1200 Euro zahlen, die der Gelnhäuser Tafel zugute kommt. Er akzeptierte die Entscheidung sofort nach der Verkündung, sodass das Urteil mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft rechtskräftig wurde.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema