6500 Sportschützen gibt es im gesamten Kreisgebiet. Nicht alle besitzen auch privat eine Waffe. Symbolfoto: pixabay

Region Hanau

Wächtersbach-Fall: Bezirksschützenmeisterin erklärt die Regeln

Region Hanau. Ein 55-Jähriger schießt am Montagmittag auf offener Straße auf einen 26-jährigen Mann aus Eritrea und richtet sich danach selbst. Schnell erhärtet sich der Verdacht auf einen rassistischen Hintergrund der Tat, und bei der Hausdurchsuchung des 55-Jährigen in Biebergemünd finden die Ermittler sechs Waffen.

Von Carolin-Christin Czichowski

Der Täter soll Mitglied in einem Schützenverein und deshalb legal im Besitz der Waffen und Munition gewesen sein, heißt es. Doch wie einfach kommen Sportschützen an Waffen? Und welche Voraussetzungen müssen Anwärter erfüllen?

„Man kommt in Deutschland nicht so einfach an Waffen“, sagt Bezirksschützenmeisterin Birgit Sczeburek auf Anfrage unserer Zeitung. Über ihren Tisch gehen die Anträge auf Waffen sämtlicher Schützenvereine im Main-Kinzig-Kreis. „Aber ich prüfe die sogenannten Bedürfnisanträge nur auf Vollständigkeit“, sagt Sczeburek. Zuvor werden diese von dem ersten Vorsitzenden des jeweiligen Schützenvereins unterschrieben. „Der Schütze muss vorher mindestens ein Jahr Mitglied im Verein sein und regelmäßig, mindestens 18-mal, am Training teilnehmen“, sagt Sczeburek.

Kenntnisse sind nachzuweisen

Ansonsten dürfe der Vorsitzende den Bedürfnisantrag nicht genehmigen. Außerdem müsste der Waffenanwärter Kenntnisse in Waffensachkunde nachweisen. „Dabei lernen die Schützen unter anderem den Umgang mit Waffe und Munition, über die richtige Lagerung und die Säuberung“, so Sczeburek.

Wenn die Bezirksschützenmeisterin den Antrag auf Vollständigkeit überprüft hat, geht er weiter nach Frankfurt zum Hessischen Schützenverband. Dort werden die Anträge letztlich bewilligt. Neben diesen Bedürfnisanträgen muss ein künftiger Waffenbesitzer zudem einen Antrag beim örtlichen Ordnungsamt stellen. „Dort muss nachgewiesen werden, dass die Waffen ordnungsgemäß gelagert werden können“, sagt Sczeburek. Außerdem würde das Ordnungsamt den Schützen auch noch einmal „überprüfen.“ Unter anderem muss er ein polizeiliches Führungszeugnis einreichen.

Laut der Bezirksschützenmeisterin sind die Auflagen für Waffenbesitz in Deutschland streng genug und müssen nicht verschärft werden. Zu dem konkreten Fall in Wächtersbach, bei dem der Täter Sportschütze war, möchte sie nichts sagen. „Es ist grausam. Aber wir können den Menschen nicht in den Kopf hineinsehen.“

Mitglied sein ist einfach

Im Gegensatz zu den Hürden für Waffenbesitz sind die Bedingungen, um Mitglied in einem Schützenverein zu werden und somit zumindest im Training Zugang zu Gewehren, Pistolen und anderen scharfen Waffen zu haben, geradezu locker. „Es gibt im Prinzip keine“, sagt Sczeburek. Möchte jemand Mitglied werden, müsse er nur Kontakt zu einem Verein aufnehmen und sich dort vorstellen.

76 Schützenvereine mit gut 6500 Mitgliedern gehören zu Sczebureks Bereich. Pro Jahr bearbeitet sie im Schnitt60 bis 70 Waffenanträge. Darunter sind teilweise auch die sogenannten Vereinswaffen, mit denen die Mitglieder trainieren. Die meisten Anträge sind aber für den privaten Besitz. Wie viele Waffen insgesamt im Main-Kinzig-Kreis registriert sind, kann Sczeburek nicht genau sagen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema