Keine Schonzeit: Für die Bejagung von Wildschweinen gelten im Main-Kinzig-Kreis ab sofort neue Regeln. Dazu gehört auch eine Abschussprämie. Foto: Pixabay

Main-Kinzig-Kreis

Vorsorge gegen Schweinepest: "Kopfgeld" für die Schwarzkittel

Main-Kinzig-Kreis. In Windeseile hat der Kreisausschuss gehandelt und mehrere Schritte eingeleitet, um einem möglichen Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest (ASP), die sich über den Schwarzwald ausbreitet, vorzubeugen und ihn möglicherweise schnell zu erkennen. Dazu gehören eine Abschussprämie sowie eine Gebührenbefreiung.

Von Thorsten BeckerDas berichtet die Erste Kreisbeigeordnete Susanne Simmler (SPD).

„Bereits zehn Tage nach der Kreistagssitzung haben wir die entsprechenden Satzungen geändert und alles in die Wege geleitet“, berichtete Simmler dem HA auf Anfrage.Finanzieller Anreiz zur WildschweinjagdDer Kreistag hatte nach einer sehr interessanten Debatte einmütig beschlossen, die Jäger im Main-Kinzig-Kreis von Veterinärgebühren zu befreien und einen finanziellen Anreiz zur Wildschweinjagd zu bieten.

Hintergrund ist die ASP, die bei Wild- und Hausschweinen meist innerhalb weniger Tage tödlich endet und sich über Schwarzwild ausbreitet. Ansteckungsgefahr für den Menschen besteht jedoch nicht. Behörden befürchten jedoch, dass sich die Tierseuche, die vermehrt in Osteuropa aufgetreten ist, bald auch in Deutschland ausbreiten könne. Für die Tierbestände in freier Wildbahn sowie auf Bauernhöfen hätte das verheerende Folgen.Kreisweit zu hohe Wildschweinbestände„Wir sind uns natürlich im Klaren darüber, dass wir einen Ausbruch der Seuche durch diese Maßnahmen nicht völlig verhindern können. Aber für den Fall dass es passiert, soll das Risiko eingedämmt werden“, erklärt Simmler. Zudem seien die Wildschweinbestände kreisweit viel zu hoch. Folgen davon seien immense Wildschäden auf den landwirtschaftlichen Flächen.

Auch könnten die Maßnahmen der Verwaltung nicht unbedingt ein Hebel dafür sein, die Abschusszahlen zu erhöhen. „Aber es ist der richtige Ansatz“, zeigt sich die für das Veterinäramt zuständige Kreisbeigeordnete überzeugt.FDP hatte Abschaffung der Gebühren gefordertNach Angaben von Simmler sind die insgesamt 1642 Jagdscheininhaber im Kreis ab sofort von den Gebühren befreit, die sie für die lebensmittelrechtlichen Unbedenklichkeits-Bescheinigungen bezahlen müssen. Bislang mussten die Waidleute, die Wildschweinfleisch verkaufen wollen, für die zwingend vorgeschriebene Trichinenuntersuchung des Fleisches bis zu 22 Euro bezahlen.

Die FDP hatte die Abschaffung der Gebühren gefordert, um so höhere Anreize für die Jägerschaft zu bieten. Hammersbachs Bürgermeister Michael Göllner (SPD) hatte zudem auf die sinkenden Fleischpreise und auf die dadurch in einigen Revieren bestehende Jagdmüdigkeit hingewiesen. Göllner und Edwin Michel (AfD) hatten jedoch dazu geraten, die Gebührenbefreiung sowie die Abschussprämien von der Abgabe einer Blutprobe der erlegten Tiere abhängig zu machen – der sogenannten Schweißprobe. Nur anhand des Wildschweinbluts könnten die Veterinäre das ASP-Virus feststellen.Bund und Land haben Schonzeit aufgehobenDas Verfahren scheint sich bereits zu bewähren. „Seit 1. März haben wir so bereits 84 Proben bekommen“, berichtet Simmler. Die Jäger, die die entsprechenden Proben abliefern, erhalten dann pro erlegtem Wildschwein ein „Kopfgeld“ von 20 Euro.

Möglich ist das überhaupt, weil sowohl Land und Bund die seit Jahrzehnten geltende Schonzeit aufgehoben haben, die normalerweise von 1. Februar bis 15. Juni dauert. Tierschutzrechtliche und jagdethische Regeln bleiben jedoch weiter in Kraft: Muttertiere (Bachen), die Nachwuchs (Frischlinge) haben, sind weiterhin gesetzlich geschützt und dürfen nicht bejagt werden.„Positiver Nebeneffekt“„Ob wir mit diesem Verfahren Erfolg haben, wird sich zeigen“, meint die Erste Kreisbeigeordnete. Der Kreisausschuss wolle spätestens in einem Jahr überprüfen, ob der Schwarzwildbestand verringert worden sei. 2015/16 wurde kreisweit 5020 Wildschweine erlegt, von 1. April 2017 bis 31. Dezember 2017 wurden 4503 zur Strecke gebracht.

Neben dem aktuellen Handlungsbedarf sieht Simmler aber einen „positiven Nebeneffekt“: „Durch das Thema haben wir Jäger, Landwirte, Veterinär- und Gesundheitsbehörde an einen runden Tisch bekommen. Dass sich daraus ein Dialog zwischen Kreisjagdverband und Kreisbauernverband entwickelt hat, ist erfreulich.“

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