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Das Veritas-Werk in Gelnhausen. Nach dem geplatzten Einstieg des US-Investors ist die Zukunft für den Automobilzulieferer völlig offen.

Veritas AG bereitet Insolvenzverfahren vor

Verhandlungen mit Investor gescheitert: Wie es für die 1400 Beschäftigten weitergeht, ist ungewiss

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Der Automobilzulieferer Veritas AG in Gelnhausen steht vor der Insolvenz. Das Unternehmen teilte in einer Pressemitteilung mit, dass die Verhandlungen mit einem Investor gescheitert seien und zuletzt auch die Corona-Pandemie für weitere Umsatzrückgänge gesorgt habe.

Wie es nun für die 1400 Beschäftigten in Gelnhausen weitergeht, ist ungewiss. Mitte Februar hatte das Unternehmen, das zur Poppe-Veritas-Gruppe gehört, vermeldet, dass der amerikanische Industrieinvestor AIAC (American Industrial Acquisition Corporation) als neuer Mehrheitsaktionär einsteigen sollte. Begründet wurde dies mit den seit Ende 2018 zunehmend schwierigeren Bedingungen im Umfeld der Automobilindustrie. Daher sei ein Restrukturierungsprogramm gestartet und die Suche nach einem Investor begonnen worden, um den Fortbestand des Unternehmens zu sichern. 

Während in Gelnhausen 700 Stellen gestrichen werden sollten, war am Standort in Benshausen (Thüringen) der Abbau von 120 Arbeitsplätzen geplant. Am Standort in Neustadt (Sachsen) sollten 40 Stellen und bei Poppe in Gießen 20 Stellen wegfallen. Als weitere Sofortmaßnahme waren die Mitarbeiter aufgefordert worden, auf ihre Jahresleistungsprämien für die Jahre 2019 bis 2022 zu verzichten. 

Thorsten Stolz (SPD) hatte Bouffier und Al-Wazir persönlich über die Entwicklungen informiert

Nach dem Absprung des Investors bereitet der Vorstand jetzt für die deutschen Werke der Poppe-Veritas-Gruppe vorsorglich das Insolvenzverfahren vor. Ziele seien die Unternehmenssanierung, der Erhalt der Arbeitsplätze und der Schutz der Gläubiger. „Der laufende Geschäftsbetrieb wird im Interesse der Beschäftigten sowie der Geschäftspartner des Unternehmens aufrechterhalten. Nach dem bislang ergebnislos geführten Investorenprozess gibt das Insolvenzverfahren der Unternehmensgruppe die Möglichkeit, den begonnenen Weg einer nachhaltigen Sanierung und Neuausrichtung weiterzugehen und als weitere Sanierungsoption einen neuen Investorenprozess zu starten“, so der Vorstand in einer Pressemitteilung. 

Als „einen schweren Schlag insbesondere im Blick auf die zahlreichen Beschäftigten und ihre Familien“ hat die Kreisspitze die Nachrichten aus dem Gelnhäuser Unternehmen bezeichnet. „Auch wenn dieser Schritt angesichts der Entwicklungen der vergangenen Monate nicht völlig überraschend kommt, so ist es dennoch ein vorläufiger Tiefpunkt in der Geschichte des Traditionsunternehmens mit Sitz in Gelnhausen. Daran gibt es nichts schönzureden. Und die existenzbedrohliche Situation der Veritas AG ist kein Thema nur auf Gelnhausen bezogen, sondern eine große Herausforderung für die gesamte Region“, macht Landrat Thorsten Stolz (SPD) deutlich, der Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und den hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) persönlich über die wirtschaftlich schwierige Entwicklung des Traditionsunternehmens informiert und Unterstützung des Landes eingefordert hatte. 

Bürgermeister Daniel Christian Glöckner (FDP) bedauert die Entwicklung

Der Main-Kinzig-Kreis will aber weiter im Sinne der Beschäftigten tätig bleiben und für den Erhalt von Arbeitsplätzen und den Fortbestand des Traditionsunternehmens kämpfen. Dass eine Insolvenz nicht zwangsläufig das Aus des Unternehmens bedeute, hätten in den zurückliegenden Jahren viele positive Beispiele in der Region gezeigt. In einem geordneten Insolvenzverfahren kann durchaus auch eine Chance liegen, das angeschlagene Unternehmen neu aufzustellen. „Vor allem die Banken müssen sich jetzt bewegen und dabei unterstützen, Wege aufzuzeigen“, so Stolz abschließend. 

Bürgermeister Daniel Christian Glöckner (FDP) bedauert die Entwicklung bei der Veritas AG ebenfalls sehr: „Über Jahrzehnte haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hervorragende Produkte mit hohem technologischen Anteil her entwickelt und hergestellt – besonders im Bereich der Abgasnachbehandlung; einem wichtigen Teil für den Umweltschutz. Wichtig ist nun, dass das Traditionsunternehmen schnell wieder auf die Beine kommt. Veritas ist ein Teil von Gelnhausen und unserer Region. Generationen von Familien haben in der Veritas einen zuverlässigen und innovativen Arbeitgeber gefunden. Und ich hoffe, dass dies auch zukünftig mit Veritas in Verbindung gebracht wird.“

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