Phönix aus der Asche: Marion und Helmut Lofink präsentieren das wieder aufgebaute Vereinsheim. Foto: Becker

Freigericht

Vereinsheim an der „Dicken Tanne“ nach Brand neu aufgebaut

Freigericht.  Nur acht Monate nach dem verheerenden Brand steht das Vereinsheim der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) in Freigericht wieder an der „Dicken Tanne“ in Somborn,

Von Thorsten Becker

Freigericht.  Den 29. August 2016, einen heißen Sommertag, werden Marion Lofink und ihr Mann Helmut nie vergessen. „Wir hatten an diesem Abend gerade eine Gruppe der Alters- und Ehrenabteilung der Feuerwehr Langenselbold, die bei uns Rast gemacht hatte, verabschiedet“, erinnert sich die SDW-Ortsverbandsvorsitzende.Dann geschah das Unglück beim abendlichen Aufräumen: „Wir wollten in der Küche noch die Gasflaschen für die Kühlschränke austauschen . . ., plötzlich sah ich eine Stichflamme . . , dann hat es sofort eine Verpuffung gegeben und ich bin auf dem Boden aufgeschlagen“, erinnert sich die engagierte Naturschützerin.Ihr Mann, selbst ein ehemaliger aktiver Feuerwehrmann, reagiert instinktiv richtig und bringt seine Frau sofort aus der Gefahrenzone. „Die Außentür stand offen – wir hatten Glück im Unglück. So konnte die Druckwelle über uns hinweg. Sonst wären wir beide dort nicht mehr lebend herausgekommen.“

Wir hatten riesiges Glück im Unglück“

In Sekundenschnelle steht das komplette Vereinsheim lichterloh in Flammen. Selbst an dem rund 20 Meter entfernt abgestellten Wagen der Lofinks schmilzt durch die enorme Hitze das Plastik der Außenspiegel.Drei Frauen aus dem unterfränkischen Albstadt leisteten sofort Erste Hilfe. „Ich hatte einen Splitterbruch am Arm“, sagt Marion Lofink, die mehrere Tage im Krankenhaus verbringen und sich einer Notoperation unterziehen musste. Ihr Mann kam mit einer kleineren Blessur davon.Was von dem 1994 errichteten Vereinsheim übrig blieb, war nur noch Asche und ein verkohltes Gerippe. Die Feuerwehren die in Windeseile zu dem abgelegenen Ort zwischen Somborn, Oberrodenbach und dem Hof Trages kamen, konnten nichts mehr retten. Viele Erinnerungsstücke und Fotos sind unwiederbringlich zerstört worden.Doch Marion Lofink ist trotzdem voll des Lobes für die Brandschützer: „Sie waren unglaublich schnell vor Ort. Wenn man bedenkt, wie trocken es zu dieser Zeit war, grenzt es an ein Wunder, dass die Feuerwehren es geschafft haben, einen riesigen Waldbrand zu verhindern.“Nur wer genau hinschaut, kann heute noch die Spuren des Flammeninfernos entdecken: schwarze Flecken auf dem Pflaster, ein paar angesengte Sitzbänke. „Das wird noch alles abgeschliffen, insgesamt sind wir auf einem guten Weg“, sagt die Vorsitzende und weist stolz auf das neue Heim, das statt der Dachpappe jetzt sogar über Ziegel verfügt.

Viele Spender helfen

Im Inneren laufen noch die letzten Arbeiten. So hat sich dort der gelernte Maler und Trockenbauer Jürgen Meier aus Somborn viele Stunden ehrenamtlich in den Dienst des SDW gestellt und montiert die letzten Leisten.„In einigen Wochen sind wir fertig, dann ist auch die Inneneinrichtung wieder komplett, der Gastraum, die Küche und das Lager.“ Ohne die ehrenamtliche Unterstützung sei das nicht möglich gewesen.Wie beliebt die „Dicke Tanne“ ist, hat sich bereits wenige Tage nach dem Brand gezeigt. „Alle haben uns geholfen, die Gemeinde, befreundete Naturschutzvereine und Menschen, die immer wieder gerne hierherkommen.“ So seien mehrere Tausend Euro an Spenden zusammengekommen, von denen der Verein nun die Inneneinrichtung kaufen kann.

Ab Mitte Mai wieder regulärer Betrieb

Auch der zuständige Jagdpächter half sofort, damit das Vereinsleben weitergeht. Die „Waldkäuzchen“, eine Singgruppe des SDW, fand in seiner Hütte Unterschlupf für die regelmäßigen Treffen.Nachdem die Kriminalpolizei festgestellt hatte, dass ein technischer Defekt für den Brand verantwortlich war, hat auch die Gebäudeversicherung den Wiederaufbau schnell finanziell unterstützt.Gerne denkt Marion Lofink daher an ihren im vergangenen Sommer gestorbenen Amtsvorgänger Karl-Heinz Franz zurück: „Franz hatte nach einer Brandstiftung 1994 zum Glück eine Feuerversicherung für das Haus abgeschlossen, sonst stünden wir heute mit leeren Händen da.“Die Gemeinde Freigericht, der das Waldareal gehört, habe ebenfalls keine Sekunde gezögert und den Verein beim Wiederaufbau „hervorragend“ unterstützt, lobt Marion Lofink.

Maifeier am Montag Sie rechnet damit, dass „Mitte oder Ende Mai“ der reguläre Betrieb wieder läuft: „Dann werden wir dienstags und donnerstags und auch sonntags wieder für Wanderer öffnen.“ Als Dank für die große Unterstützung wird am Montag, 1. Mai, bereits ein Fest veranstaltet.Und dann steht auch dem berühmten Silvestertreff nichts mehr im Wege, für den die Schutzgemeinschaft in den vergangenen 20 Jahren berühmt geworden ist. „Alles hatte im kleinen Kreis mit einer Feuerzangenbowle begonnen. Inzwischen strömen die Menschen aus allen Richtungen an diesem Tag zu uns ‧– etwa 3000 werden es in den vergangenen Jahren jeweils gewesen sein.“Die Gäste werden nun wieder wie gewohnt beim geselligen Zusammensein rund ums Lagerfeuer bewirtet. Nur eines wird sich künftig ändern: die Sicherheit. Denn mit Gasflaschen müssen die ehrenamtlichen Helfer nicht mehr hantieren.„Wir haben nun außerhalb einen großen Gastank installiert, das ist sicherer“, sagt Marion Lofink, die an die vielen Freunde der „Dicken Tanne“ noch eine Bitte hat: Besonders an den Sonntagen werden noch Helfer gesucht, um das Angebot mit Kaffee und Kuchen zu gewährleisten.

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