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Gelnhausen/Hanau/Karlsruhe

Toter an der Kreisrealschule: BGH verwirft Revision

Gelnhausen/Hanau/Karlsruhe. Das monatelange, juristische Tauziehen im Kriminalfall um den Toten an der Kreisrealschule Gelnhausen ist beendet.

Von Thorsten Becker

Die höchsten deutschen Strafrichter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe (BGH) haben das Urteil des Landgerichts Hanau bestätigt und die fünffache Revision der Staatsanwaltschaft Hanau verworfen.

Ungewöhnlich an diesem Fall war, dass der zuständige 2. Strafsenat des BGH den Fall genauestens unter die Lupe genommen und sogar eine der seltenen mündlichen Verhandlungen angesetzt hatten. Normalerweise prüft der BGH Urteile nur darauf, ob Rechtsfehler bestehen und weist in einem solchen Fall die Sache zur erneuten Verhandlung zurück – oder verwirft die Revision.

Zentrale Frage in diesem Prozess war, ob der Hauptangeklagte und seine Mittäter durch die Abgabe eines mit der Modedroge „Spice“ versehenen Joints an einen Stadtstreicher dessen Tod mitverursacht haben. Der 28-Jährige, der zuvor Alkohol getrunken hatte, starb kurz darauf. Der BGH urteilt am Mittwoch: Nein. Eine „Garantenstellung“ können der Angeklagten nicht angelastet werden.

Sterbenden seinem Schicksal überlassen

Die obersten deutschen Richter verneinen somit, dass durch die Weitergabe des Joints eine Gefahr verursacht worden ist. Damit dürfte der Gelnhäuser Fall in die Sammlung der höchstrichterlichen Entscheidungen zu dieser Rechtsfrage eingehen.

Der BGH ist damit auch die Meinung der Verteidiger der drei Hauptangeklagten, die Rechtsanwälte Dr. Beate Düring, Benjamin Düring sowie Linda Huber aus Linsengericht gefolgt.

„Der BGH ist unserer Argumentation gefolgt. Wir waren immer der Meinung, dass das Urteil des Landgerichts Hanau rechtsfehlerfrei ist“, erklärte Benjamin Düring am Mittwoch nach der Urteilsverkündung in Karlsruhe.Die Staatsanwaltschaft Hanau hatte gegen das Urteil der 2. Jugendkammer Revision eingelegt. Sie hatte in dem Prozess eine Verurteilung der Haupttäter wegen versuchten Totschlags durch Unterlassen gefordert, weil die jungen Männer den sterbenden Mann seinem Schicksal überlassen haben sollen, der Hauptangeklagte noch dazu die Geldbörse des Sterbenden gestohlen haben soll. Die Generalbundesanwaltschaft hatte die Revision daraufhin beantragt.

Vor dem Hanauer Landgericht gingen die Meinungen seitdem weit auseinander. Die Jugendkammer, die zunächst sogar die Eröffnung des Verfahrens abgelehnt und die Staatsanwaltschaft an das Schöffengericht Gelnhausen verwiesen hatte, musste nach einer Beschwerde beim Oberlandesgericht den komplizierten Fall dennoch wieder verhandeln.

Die Staatsanwaltschaft forderte vier Jahre und neun Monate Haft für den mutmaßlichen Haupttäter. Für seine Mittäter Strafen zwischen sechs Monaten und zwei Jahren. Die 2. Kammer unter dem Vorsitz von Landgerichtspräsidentin Susanne Wetzel hingegen verurteilte den Hauptangeklagten seinerzeit wegen unterlassener Hilfeleistung zu einer Gesamtstrafe von zwei Jahren und neun Monaten Haft. Dieses Urteil ist nunmehr rechtskräftig.

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