Die tödliche Droge "Spice", die in einem Joint steckte, war Schuld an dem Tod des 28-Jährigen. Symbolfoto: pixabay

Hanau/Gelnhausen/Karlsruhe

Toter an Kreisrealschule: Mündliche Revisionsverhandlung beraumt

Hanau/Gelnhausen/Karlsruhe. Jetzt wird der Kriminalfall um den Toten an der Kreisrealschule richtig spannend. Nicht nur für die beteiligten Juristen. Denn der Prozess wird am Mittwoch, 22. Mai, in einer vom Bundesgerichtshof (BGH) anberaumten mündlichen Verhandlung vor der höchsten deutschen Strafinstanz erörtert.

Von Thorsten Becker

Die Staatsanwaltschaft Hanau hatte gegen das ihrer Ansicht nach zu milde Urteil der 2. Jugendkammer Revision eingelegt. „Wir hatten Revision eingelegt, weil nach unserer Ansicht sowohl aus tatsächlicher als auch aus rechtlichen Gründen eine Verurteilung im Sinne der Anklage hätte erfolgen müssen“, bestätigt Oberstaatsanwalt Dominik Mies auf Anfrage unserer Zeitung.

Mehr kann der Pressesprecher nicht sagen, weil es faktisch nicht mehr „sein Fall“ ist. Denn die Generalbundesanwaltschaft ist der Revision beigetreten und damit die offizielle Anklägerin vor dem höchsten deutschen Strafgericht.

Leiche eines Alkoholikers

Rückblende: An der Kreisrealschule wird die Leiche eines stadtbekannten Alkoholikers gefunden. Alle nannten den 28-Jährigen Hugo. Er starb an einer tödlichen Mischung aus Alkohol, den er zuvor reichlich getrunken hatte, und einem Joint, der die Modedroge „Spice“ enthielt.

Wenig später ermittelt die Polizei fünf junge Verdächtige, die dem 28-Jährigen den Joint gegeben haben. Allen voran Kevin. Als Hugo nach wenigen Zügen aus dem Joint zusammenbrach, soll das Quintett den sterbenden Mann seinem Schicksal überlassen haben – Kevin soll jedoch vorher die Geldbörse des Sterbenden gestohlen haben –, alle fünf gingen anschließend in eine Spielothek – niemand holte Hilfe für Hugo.

Seitdem gehen die Meinungen der Juristen auseinander. Ziemlich weit. Die Hanauer Staatsanwaltschaft bewertet den Fall von Kevin als Verbrechen – versuchter Totschlag durch Unterlassen sowie Diebstahl.

Andere Auffassung vor Eröffnung

Das Hanauer Landgericht hatte noch vor der Eröffnung des Prozesses eine ganz andere Auffassung. Die 2. Jugendkammer unter dem Vorsitz von Landgerichtspräsidentin Susanne Wetzel lehnte gar die Eröffnung des Verfahrens ab mit dem Hinweis, die Anklagebehörde möge den Fall dem Schöffengericht Gelnhausen vorlegen – als unterlassene Hilfeleistung.

Dagegen hatte die Staatsanwaltschaft Beschwerde eingelegt. Das Oberlandesgericht ordnete daraufhin mit einem Beschluss an, dass der Fall doch vor dem Landgericht verhandelt werden muss.

Die Staatsanwaltschaft blieb bei ihrer Linie und sah auch nach der Beweisaufnahme ihren Vorwurf bestätigt. Für Kevin forderte Mies vier Jahre und neun Monate Haft. Für seine Mittäter Strafen zwischen sechs Monaten und zwei Jahren.

Die 2. Jugendkammer blieb ebenfalls ihrer Linie treu. Sie verurteilte die jungen Angeklagten nur wegen unterlassener Hilfeleistung. Der Hauptangeklagte, der bereits aus anderen Fällen etwas auf dem Kerbholz hatte, erhielt eine Gesamtstrafe von zwei Jahren und neun Monaten.

Klärung des Urteils

„Wir haben eine andere Auffassung als die Staatsanwaltschaft“, hatte die Landgerichtspräsidentin in ihrer Urteilsbegründung erklärt. Nun geht es darum, zu klären, ob das Urteil der Jugendkammer richtig oder falsch war. Das ist Sinn einer Revision gegen Urteile des Landgerichts. Üblich ist es, dass nach den Beratungen die Revision als unbegründet verworfen wird oder das Urteil aufgehoben und an das Gericht zurückverweisen wird. Das geschieht fast immer durch schriftliche Beschlüsse.

Das Besondere ist nun, dass der zuständige 2. Strafsenat eine mündliche Verhandlung angesetzt habe, um das Hanauer Urteil genauer unter die Lupe zu nehmen.

„Das ist sehr, sehr selten“, sagt auch Strafverteidiger Benjamin Düring. Die Kanzlei aus Linsengericht vertritt den Hauptangeklagten sowie zwei weitere Mitangeklagte. Auch in Karlsruhe. „Wir waren schon erstaunt, als wir die Ladung aus Karlsruhe bekommen haben.“ Dennoch sieht der Verteidiger die Sache anders. Am Urteil der Hanauer Jugendkammer habe er nichts auszusetzen.

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