In Handschellen vorgeführt: Der 43-Jährige Rudolf H. muss sich seit Donnerstag wegen Mordes vor dem Schwurgericht verantworten. Sein Strafverteidiger Benjamin Düring (rechts) geht von einem Totschlag im Affekt aus.
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In Handschellen vorgeführt: Der 43-Jährige Rudolf H. muss sich seit Donnerstag wegen Mordes vor dem Schwurgericht verantworten. Sein Strafverteidiger Benjamin Düring (rechts) geht von einem Totschlag im Affekt aus.

Prozess

Tödliche Messerstiche vor den Augen der Tochter: Angeklagter bricht in Tränen aus

  • Thorsten Becker
    vonThorsten Becker
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Weil er seine Frau vor den Augen der gemeinsamen Tochter getötet haben soll, steht nun ein 43-Jähriger aus Bad Soden-Salmünster (Main-Kinzig-Kreis) vor Gericht. Auf der Anklagebank des Landgerichts Hanau bricht er in Tränen aus.

  • 43-Jähriger aus Bad Soden-Salmünster (Main-Kinzig-Kreis) vor Gericht
  • Er soll seine Frau vor den Augen der Tochter getötet haben
  • Auf der Anklagebank des Landgerichts Hanau bricht er in Tränen aus

Bad Soden-Salmünster/Hanau – Rudolf H. weint bitterlich und schluchzt auf der Anklagebank. Landgerichtspräsidentin Susanne Wetzel lässt ihm ein wenig Zeit: „Ich kann durchaus verstehen, dass dies sehr emotional für Sie ist, nachdem Sie die Vorwürfe aus der Anklageschrift gehört haben.“ Aber der Prozess vor dem Hanauer Schwurgericht gegen den 43-jährigen Elektriker aus Bad Soden-Salmünster geht weiter.

H. ist angeklagt, in der Nacht zum 18. Februar seine Ehefrau in der Küche mit einem 20 Zentimeter langen Küchenmesser erstochen zu haben.

Für Oberstaatsanwalt Dominik Mies ist es ein „Mord aus niedrigen Beweggründen“, wie er den Vorwurf in der Anklage benennt. So habe es in der Familie schon länger Probleme gegeben. Die 38-Jährige habe einen Schlussstrich ziehen wollen. „Der Angeklagte wollte die Trennung nicht akzeptieren“, so Mies zur Motivlage aus Sicht der Staatsanwaltschaft.

Hanau: Bisherige Ermittlungen gehen von einem Streit nach der Rückkehr aus Kroatien aus

Nach dem bisherigen Stand der Ermittlungen sei H. gegen 2 Uhr in der Nacht von einer Kroatienreise zurückgekehrt. Dann habe das Familiendrama seinen Lauf genommen. „Es hat wieder Streit gegeben“, so der Oberstaatsanwalt.

H. soll vermutet haben, seine Frau habe inzwischen einen Rechtsanwalt eingeschaltet, um die Scheidung einzureichen. „Gegen 4.40 Uhr hat der Angeklagte zu einem Messer gegriffen und einmal von vorne auf das Opfer eingestochen.“ Dabei sei das Brustbein zerstört und eine Hauptschlagader durchstochen worden. „Danach hat er noch zweimal in Bauch gestochen.“ Die zweite Attacke soll die Tochter des Paars beobachtet haben, die durch die Schreie aufgewacht war.

Die Vorsitzende der Schwurgerichtskammer gibt H. daraufhin die Gelegenheit, sich zu dem Mordvorwurf Stellung zu nehmen. Doch der 43-Jährige will zunächst Schweigen. Dazu hat ihm sein Strafverteidiger Benjamin Düring vorerst geraten. Der Rechtsanwalt geht davon aus, dass sein Mandant im Affekt gehandelt haben könnte. Also lautet die zentrale Frage in diesem Prozess, der bis Oktober andauern könnte: War es Mord oder Totschlag?

Das Landgericht Hanau könne auf die Kinder des Paares als Zeugen wohl nicht verzichten

„Je später sie sich einlassen, desto weniger wert ist das Geständnis“, verdeutlicht die Richterin. Sie weist daraufhin, dass es für die Kammer vor allem auf die beiden Kinder des Paares ankomme. „Wir halten es für ausgeschlossen, dass wir auf diese Tatzeugen verzichten können“, so Wetzel.

Neben der Tochter, die bei der Polizei angegeben hatte, die Bluttat gesehen zu haben, geht es auch um den Sohn. Diesem soll H. im Vorfeld angedroht haben, die Mutter im Falle einer Trennung töten zu wollen. Allerdings scheint es für das Landgericht nicht einfach zu sein, die beiden jungen Zeugen zu finden.

Nach der Tat sind beide Kinder zunächst durch einen Vormund in staatliche Obhut genommen worden. Nun befinden sich beide aber offenbar im Ausland, möglicherweise bei den Großeltern. Zur Klärung des Falls hat die Kammer bislang vier Verhandlungstage anberaumt.

Der Prozess wird am Montag, 31. August, fortgesetzt

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