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Bad Orb

"Tischlein, deck dich": Ein Feuerwerk der Gewürze im Spessart

Bad Orb verdankt seinen Aufstieg der Entdeckung von Solequellen und der Gewinnung von Salz, das auf dem „Eselsweg“ bis zum Main transportiert wurde. Im Mittelalter war Salz fast so kostbar wie Edelmetall.

Mitten in der Kurstadt, unweit der Saline, wird seit über zwei Jahren ein Feuerwerk der Gewürze zelebriert, wobei Salz eine eher untergeordnete Rolle spielt. Curry, Ingwer, Kardamom, Pfeffer und Koriander, um nur einige zu nennen, werden sorgfältig aufeinander abgestimmt.

Direkt an der Orb gelegen lädt das Curry House zu einem kulinarischen Ausflug in den Punjab, den nordwestlichen Teil des Subkontinents, ein. Die Betreiberfamilie bietet auf ihrer Speisekarte ausschließlich indische Gerichte an.

Freundlicher, stilechter Service

Freundlich, fast schon stilecht ist der Empfang am Eingang, denn der junge Kellner trägt einen Teil seiner Landestracht: einen Turban. Höflich ist sogleich der Hinweis darauf, dass es alle Gerichte in verschiedenen Varianten gibt – mild bis sehr scharf.

Zu einem echten Chai-Tee (2,50 Euro), der mit Milch und Gewürzen verfeinert ist, wählen wir als Vorspeise Samosa (4,00 Euro). Die vegetarischen Teigtaschen sind mit Gemüse gefüllt und frisch zubereitet. Dazu werden drei verschiedene Dips serviert, auf Wunsch auch mit Kichererbsensoße. Diese sollte nicht ausgespart werden, denn sie wird zusammen mit der Minz-Variante sofort den Gaumen erfreuen.

Auf der anderen Seite des Tischs wird Pakora serviert (4,50). Das knusprig in Kichererbsenmehl gebackene Gemüse kommt ebenfalls mit drei verschiedenen Dips (Joghurt, Minze, Knoblauch) daher. Ein sehr überzeugender Start in diesen Dienstagabend.

Alle Gerichte werden frisch zubereitet

Dass nach der Vorspeise nicht sofort der Hauptgang folgt, ist der nächste Pluspunkt, der notiert werden muss. Denn: Alles braucht seine Zeit – alle Gerichte werden frisch zubereitet, wie sich dann – nach angemessener Zeit – zeigt.

Das Fisch-Curry (16 Euro) wird in einem Agithi – einem typisch indischem Stövchen – aufgetischt. Dazu gibt es wahlweise Naan-Brot (hell), Chappati-Brot (Vollkorn) oder Reis. Wir haben das Gericht in der Variante „sehr scharf“ bestellt.

Wir vertrauen einfach darauf, dass der indische Maître hinter der Schwingtür, der schon seit über drei Jahrzehnten in Deutschland kocht, sich durchaus bewusst ist, wie er „sehr scharf“ für mitteleuropäische Geschmacksrezeptoren zubereitet.

Denn Curry „echt indisch scharf“ hatten wir schon einmal in Südindien bestellt – aber leider nicht verzehren können, weil es einfach zu scharf für einen deutschen Gaumen ist. Das Curry ist wirklich schön scharf, aber so raffiniert zubereitet, dass eben nicht die Schärfe dominiert, sondern sich die gesamte indische Gewürzpalette entfaltet. Meisterlich.

Geschmacksfeuerwerk verdient Höchstnoten

Der „Mitesser“ hat sich für eine mildere Variante entschieden und Punjabi Thali (15 Euro) bestellt. Die vier verschiedenen Schüsselchen bieten eine kulinarische Rundreise durch den Nordwesten Indiens.

Die Kombination von wahlweise Curry- und Daalgerichten überzeugt vollständig und bietet ebenfalls ein Geschmacksfeuerwerk, das die Höchstnote verdient.

Das Naan-Brot reicht gar nicht aus, die Schälchen zu leeren. Gerne wird von der ‧Bedienung nachgereicht. Danach widmet sie sich einem anderen Gast und klärt ihn über die Gewürze Indiens auf.Nach einem solchen Mahl gehört es sich ehrlich gesagt nicht, auch noch eine Nachspeise zu ordern. Das würde einfach nur plumpe Völlerei bedeuten.

Daher genügen zwei weitere Chai-Tees, um den Abend gebührend abzurunden. Und das Beste: Auf dem Nachhauseweg ist von „sehr scharf“ nichts mehr zu spüren.

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