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Weißstörche umkreisen ihr besetztes Nest: Im Naturschutzgebiet Röhrig sind viele von ihnen heimisch geworden.

Viele Störche kämpfen um Nester

Population wächst: Rodenbach ist ein Eldorado für Weißstörche

Die Gesellschaft für Naturschutz und Auenentwicklung (GNA) setzt sich laut eigener Bekundung für den Erhalt großflächiger Feuchtwiesen und Auen ein. Ein Beispiel dafür ist das 48 Hektar große Naturschutzgebiet Röhrig in Rodenbach.

Dort setzten Mitarbeiter der GNA vor einigen Jahren Maßnahmen zur Vergrößerung und Pflege des Nahrungstümpels in die Tat um und erneuerten 2012 ein marodes Storchennest. Trotz Corona-Krise unternahmen kürzlich GNA-Mitarbeiter eine Besichtigung der Flächen und beobachteten Weißstörche.

Mehr als zehn Störche kämpfen um ein Nest

„Wow“, entfuhr es dabei einer Praktikantin, „so etwas habe ich noch nie gesehen!“ Und auch die beiden erfahrenen Naturschützer Susanne Hufmann und Günter Könitzer waren beeindruckt von dem Schauspiel, das sich ihnen bot. Um ein einziges Storchennest im Rodenbacher Naturschutzgebiet, das aber schon besetzt war, kreisten mehr als zehn Weißstörche.

Immer wieder flogen die Kontrahenten das Männchen an und versuchten, es zu vertreiben. Dabei fuhren sie im Flug ihre Füße aus und streiften es. Und immer wieder folgte darauf aufgeregt Geklapper des Nestverteidigers, berichtet die GNA in ihrer Mitteilung.

Störche kehren jedes Jahr an Nistplatz zurück

Die Weißstörche waren gerade erst über die Westroute aus Afrika zurückgekommen. Sie nutzten dabei die Thermik, um im energiesparenden Segelflug weite Strecken bewältigen zu können. Täglich flogen sie 150 bis 200 Kilometer und erreichten über die Straße von Gibraltar Europa. Die Zugvögel sind ihrem Nistplatz sehr treu. In der Regel treffen sich Männchen und Weibchen, die schon im Vorjahr erfolgreich zusammen brüteten, wieder am gleichen Nest.

Es ist aber auch möglich, dass sich das Männchen, das zuerst am Brutstandort eintrifft, mit einer neuen Weißstorch-Dame verpaart. Unter den Rückkehrer kann es während dieser Zeit heftige Revierkämpfe geben, die oft blutig, aber kaum tödlich enden, so die GNA. Auch im Pappelwäldchen von Rodenbach konnte das GNA-Team fünf besetzte Storchennester zählen. Überall wurde fleißig Nistmaterial gesammelt und verbaut. Insgesamt gibt es derzeit zwölf besetzte Nester allein in Niederrodenbach.

Bestand hat sich bundesweit verdoppelt

Die Bestände der Weißstörche haben sich heutzutage wieder erholt, sodass besetzte Nester, wie auch hier in Rodenbach, zum Glück keine Seltenheit mehr sind. Im Jahr 1988 war der Tiefpunkt der Storchenpopulation erreicht – in einer Bestandszählung wurden bundesweit weniger als 3000 Brutpaare gezählt. 2017 wurden in Deutschland laut Nabu wieder rund 6000 Brutpaare beobachtet.

Deshalb ist die Freude auch aufseiten der GNA umso größer, wenn in den kommenden Monaten mit anzusehen sein wird, wie die Küken größer werden, ihre ersten Flugübungen unternehmen und dann im August noch vor ihren Eltern das Nest verlassen, um die lange Reise Richtung Afrika anzutreten.

Population in Rodenbach schon zu groß?

„Allerdings ist anzumerken, dass in der Rodenbacher Aue und Umgebung derart viele Störche gesichtet werden, dass man vielleicht schon von einer zu großen Population sprechen muss. All diese Störche sind auf Nahrung angewiesen, die sie vor allem aus der Aue beziehen“, berichtete Susanne Hufmann.

Darunter seien viele gefährdete Amphibien wie der Laubfrosch und die Gelbbauchunke. „Diesen Arten wurde es in den letzten Jahren – unter anderem durch die Arbeit der GNA – überhaupt erst ermöglicht, sich wieder anzusiedeln“, so Hufmann abschließend.leg

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