Vermehren sich im Kreis, leben mitunter aber gefährlich: Marder und Waschbären zählen zu den Feinden der Störche, aber auch in den eigenen Reihen gibt es brutale Widersacher.
+
Vermehren sich im Kreis, leben mitunter aber gefährlich: Marder und Waschbären zählen zu den Feinden der Störche, aber auch in den eigenen Reihen gibt es brutale Widersacher.

Brut-Ergebnis nur mittelprächtig

Storchbestand im Main-Kinzig-Kreis steigt weiter an - Konkurrenzkämpfe nehmen zu

Die ornithologische Erfolgstory „Weißstorch im MKK“ hat sich auch in 2020 fortgesetzt. In diesem Jahr habe es sogar einen enormen Bestandsschub von mehr als 15 neuen Brutpaaren im Kreisgebiet gegeben, wodurch der Brutbestand auf über achtzig Paare anstieg.

Main-Kinzig-Kreis – Beachtliche 150 Jungvögel wurden in diesem Jahr flügge, wie der kreisweit tätige Storchenschutzinitiator Werner Peter aus Freigericht jetzt berichtete. Er hat wie in den Vorjahren die Weißstorchenpopulation und das Brutresultat komplett erfasst.

Als ehrenamtlicher Mitarbeiter der Vogelwarte Helgoland hat er 64 Jungstörche mit Helgolandringen markiert, um wissenschaftliche Informationen über den weiteren Lebensweg dieser Jungen zu erhalten.

Nidderau, Rodenbach und Gelnhausen sind Ballungszentren für Störche

Die weitere Bestandszunahme im Kreisgebiet führte nicht nur zu einer Verdichtung der Populationen in den drei Storchenballungszentren Nidderau, Gelnhausen und Rodenbach, sondern es seien auch abseits gelegene Standorte in der Mainebene, im Vorspessart und dem südlichen Vogelsberg neu besiedelt worden, berichtet Peter.

Auch die in 2019 von den ehrenamtlichen Vogelwartemitarbeitern Andreas Romming und Peter neu errichteten Brutmasten bei Maintal, Biebergemünd und Schlüchtern seien spontan angenommen worden. Da die vorhandenen Nisthilfen im Kreis längst nicht mehr ausreichen, werden die Störche bei der Brutplatzwahl immer flexibler. In diesem Jahr gab es 15 Baumbruten, drei Bruten auf Bahnmasten und erstmals bei Langenselbold eine Brut auf dem Ausleger eines 380-KV-Gittermastes.

Waschbären und Marder sind Feinde der Störche

Wegen der Nestplünderer Waschbär und Marder und aufgrund der instabilen Nestverankerung ist die Bruterfolgsquote von Baumbrütern nachgewiesenermaßen sehr schlecht. Mindestens sieben Baumbruten ruinierten vierfüßige Kletterer in der abgelaufenen Brutsaison, bedauerte Peter.

Das Brutergebnis im Kreis sei in diesem Jahr nur mittelprächtig gewesen. Zwar wurden dem Bericht zufolge über 150 Jungstörche flügge, aber die Nachwuchsrate lag nur minimal über dem bestandserhaltenden Durchschnittswert von 1,8 Jungen pro Brutpaar. Insbesondere dem schlechten Wetter während der Eisheiligen seien viele der achtzehn Totalbrutausfälle geschuldet und es habe bei Eichen nur eine einzige Fünferbrut gegeben.

Konkurrenz unter den Störchen nimmt zu

Aufgrund der angewachsenen Storchenpopulation im Kreis gebe es zudem vermehrt Konkurrenzkämpfe an den Brutplätzen, die teils mit dem Leben bezahlt werden. In diesem Jahr wurden vier tote Brutstörche registriert, wovon eindeutig zwei durch Storchenkampf verursacht wurden. Soweit die Neuansiedler von 2020 durch Vogelwartenringe gekennzeichnet sind, stammen sie größtenteils aus der MKK-Nachwuchsgeneration von 2018, die in diesem Jahr geschlechtsreif geworden ist.

Die aktuell storchenreichsten Gemeinden im Kreis sind mit jeweils vierzehn Brutpaaren Gelnhausen und Nidderau. Die beiden 20-jährigen Methusalembrutstörche im MKK aus Holland und Frankreich haben erneut wieder erfolgreich gebrütet, wobei sicherlich ihre langjährige Brut- und Lebenserfahrung eine Rolle spiele.

„Chaotenpaar“ attackiert Nester anderer Störche

Das sogenannte Chaotenpaar siedelte in diesem Jahr auf einem Brutmast bei Neuenhaßlau. Nachdem es vorzeitig das Brutgeschäft abgebrochen hatte, nahm es sofort sein übliches Rüpel-Verhalten wieder auf und flog Störungsattacken bei den Nachbarnestern.

Nach der Brutzeit ist vor der Brutzeit. Damit die vorhandenen Brutmasten funktionsfähig bleiben und nicht in Schräglage geraten, wurden in diesem Herbst laut Peter bereits zwei kopflastige Nester per Mistgabel ehrenamtlich abtragen.  how

Das könnte Sie auch interessieren