Das Marionettentheater im Marstall verfügte über eine maßgeschneiderte Bestuhlung. Diese haben die ehemaligen Betreiber im März mitgenommen. Archivfoto: Schuchardt

Steinau

Steinauer Marstall: Neuer Betreiber ab 2. Juni?

Steinau. Nach dem Ende des Theaterbetriebs „Die Holzköppe“ könnte es im Marstall mit neuen Betreibern aus Dresden ab 2. Juni weitergehen, sofern alle Hürden aus dem Weg geräumt werden können.

Von Sabine Schuchardt (KN)

Detlef Heinichen, Ella Späte und Wolf-Dieter Gööck stehen in den Startlöchern. Sie möchten im Marstall das „Theatrium Steinau“ etablieren. Sorgen bereitet derzeit aber die Frage nach der Theaterbestuhlung. Nachdem der Vertrag mit der Familie Magersuppe nicht verlängert wurde und zum 31. Marz ausgelaufen ist, präsentiert der Magistrat mit den Betreibern des Theatrium Figurentheaters Dresden mögliche Nachfolger.

Heinichen und Gööck stellten das Konzept für das „Theatrium Steinau“ am Dienstag den Mitgliedern von Haupt- und Finanzausschuss, Bauausschuss und Ausschuss für Soziales vor. Und sie beantworteten Fragen der Stadtverordneten.Große Erfahrung bei Bühnenausstattung und KostümHeinichen ist diplomierter Puppenspieler und hat unter anderem 24 Jahre ein Theater in Bremen geleitet. Späte bringt große Erfahrung im Bereich Bühnenausstattung und Kostüm mit, etwa durch Inszenierungen der Bad Hersfelder Festspiele. Gööck ist Diplom-Musiker und hat ebenfalls Erfahrung in der Leitung eines Theaters sowie im Bereich Regie.Geplant seien unter anderem Vorstellungen für Kinder und Erwachsene von Donnerstag bis Sonntag, auch Musiktheater und Kleinkunst sollen auf dem Spielplan stehen; ebenso ein 20-minütiges Stück über Jacob und Wilhelm Grimm, das während der Stadtführungen gezeigt werden soll.Uffeln vertraut BetreibernWas die geforderte Drittnutzung des Theaters angeht, sei dies zwar nicht im Vertrag geregelt, aber er vertraue den Betreibern, erklärt Bürgermeister Malte Jörg Uffeln (parteilos). „Wir öffnen uns auch für andere, brauchen aber die Freiheit, über den Spielplan selbst zu entscheiden“, sagt Gööck.Laut Uffeln existiert ein unterschriftsreifer Vertrag mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Darin verpflichten sich die Betreiber auch zur Zahlung von Miete und Nebenkosten. Neben dem Ausschuss sprachen sich am Mittwoch auch die Stadtverordneten für die Betreiber aus Dresden aus.Umbauarbeiten im Foyer Sie sind bereit, finanzielle Unterstützung in Höhe von 35 000 Euro zu leisten, für Umbauarbeiten im Foyer und intensive Werbung. Weil die vorherige Betreiberfamilie Magersuppe nun aber zum 31. März die Bestuhlung ausgebaut hat, könnte das den Neustart des Theaterbetriebs gefährden.Das erklärte Ziel der Stadtverordneten ist es, Familie Magersuppe bei den Verhandlungen um die rotgepolsterten Stühle großzügig entgegen zu kommen. Die Familie habe sich um die Stadt Steinau verdient gemacht, seit sie in den 50er Jahren mit ihrem Marionettentheater den Marstall bezogen hatte.Zweifel an Korrektheit der Abrechnung„Wir dürfen das nicht vergessen“, sagte Knobeloch und forderte, dass die Familie „bei Null“ rauskommen solle und nicht noch Forderungen geltend gemacht werden sollten. Laut Uffeln gibt es noch Forderungen aus dem zum 31. März beendeten Mietverhältnis. Es stehe eine nebenkostenbezogene Summe von rund 7000 Euro im Raum. Diese würde die Stadt im Gegenzug für die Stühle nicht einfordern.Die Familie sieht den Sachverhalt anders und bezweifelt offenbar die Korrektheit der Abrechnung. Zudem sei in den Gesprächen, die noch am Mittwochabend geführt wurden, angedeutet worden, dass es womöglich andere Interessenten für die Stühle gibt, die vor 20 Jahren maßgeschneidert für den leicht abschüssigen Saal angeschafft wurden.Frist für FamilieDiese seien einst für 20 000 Mark gekauft worden. Der Ist-Wert sei derzeit nicht feststellbar, sagte Uffeln, da die Familie bislang noch keine Rechnung über den damaligen Kauf vorgelegt habe. Um das Problem schnell zu lösen, beschlossen die Stadtverordneten, der Familie bis Dienstag eine Frist zu setzen.Falls sie nicht bereit ist, das Angebot der Stadt anzunehmen, soll die Summe aus der Nebenkostenabrechnung sofort fällig werden. Es müsse deutlich werden, dass es der Stadt ernst sei, sagte SPD-Stadtverordnete Sonja Senzel.Neue Stühle als Plan B Falls dies nicht zum Erfolg führt, sollen als Plan B neue Stühle angeschafft werden. Jutta Hiestermann vom Bauamt habe bereits Anfragen an Theaterausstatter gestellt. Für diese Anschaffung haben die Stadtverordneten vorsorglich die Summe auf 45 000 Euro erhöht.Die BGM-Stadtverordnete Anja Schultheis gab zu bedenken, dass diese Summe womöglich gar nicht reicht und auch die verbliebene Zeit bis zur geplanten Eröffnung Anfang Juni zu kurz sein könnte. Zudem habe Familie Magersuppe die Bestuhlung selbst angeschafft. „Wieso bekommen die neuen Betreiber die Stühle von der Stadt bezahlt?“, fragte sie. 

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