Nervennahrung für den Stau: Niederdorfeldens Bürgermeister Klaus Büttner (links), Amtskollegin Conny Rück aus Schöneck und Nidderaus Erster Stadtrat Rainer Vogel verteilen Kräppel an die Autofahrer. Mit der Aktion wollen sie auf die Verkehrsüberlastung der L3008 aufmerksam machen. Foto: Kalle

Niederdorfelden/Schöneck/Nidderau

Stau auf der L 3008: Politiker wollen Bahn unter Druck setzen

Niederdorfelden/Schöneck/Nidderau. Viel Geduld ist gefragt für Autofahrer, die morgens über die L3008 Richtung Bad Vilbel zur Arbeit fahren müssen. Jeden Tag staut es sich, oft weit bis nach Niederdorfelden. Die Politik will nun Druck ausüben.

Von Michael Bellack

Mit zwei Kisten voller Kräppel bewaffnet sind die Bürgermeister Klaus Büttner (Niederdorfelden) und Conny Rück (Schöneck) sowie Nidderaus Erster Stadtrat Rainer Vogel früh morgens an einem der Kernpunkte des Staus unterwegs. Sie kommen mit den Stau-Geplagten ins Gespräch. „Ein kleines Frühstück für den großen Stau“, lautet Büttners Motto. Der Tenor bei den genervten Autofahrern ist eindeutig: Es muss etwas geschehen. „Ein guter Ansatz, machen Sie weiter!“, sagt ein Autofahrer, der sich mal wieder auf einen langen Weg zur Arbeit einstellen kann.

„Wenn man es jetzt nicht angeht, macht man es in 100 Jahren nicht“, sagt Büttner. „Wir wollen, dass sich etwas tut.“ Mit der Kräppelaktion wolle man Druck auf die Landesregierung in Wiesbaden ausüben. Zudem auch und vor allem auf die Deutsche Bahn. Diese ist, da sind sich alle einig, in großen Teilen verantwortlich für die katastrophale Verkehrssituation.

„Die Niddertalbahn ist zu unzuverlässig. Oft kommt sie viel zu spät, manchmal gar nicht“, so Büttner. Zudem seien die Wagenkapazitäten zu den Hauptfrequenzzeiten nicht ausreichend. „So wird die Kundschaft vergrault, die steigt um ins Auto“, weiß Vogel. „Kostenreduzierung bis zum geht nicht mehr“, wirft er der Bahn vor. Die Niddertalbahn sei durch die schnelle Verbindung nach Frankfurt eine Lebensader mit viel Potenzial. Genutzt wird es nicht.

Ein weiteres Problem sei die Ampelschaltung der Büdinger Straße in Bad Vilbel. Steht die Ampel auf Grün, das stellt man beim Beobachten des Staus sofort fest, geht es kurz weiter. Mehr als ein paar Meter pro Grünphase sind das aber nicht. Über die Arbeitsgemeinschaft Nahverkehr (AGNV) habe man schon oft versucht, mit der Stadt Bad Vilbel Kontakt aufzunehmen. Die Ampelschaltung sei ausgereizt, habe man als knappe Antwort zurückbekommen. „Eine Lösung wurde nicht aufgezeigt“, kritisiert Rück. Seit Weihnachten habe man keinen Termin bei der AGNV bekommen, sagt Stadtrat Vogel.

Überhaupt ist die Kommunikation mit Bad Vilbel noch ausbaufähig. So habe die Nachbarkommune vorgeschlagen, einfach keine neuen Wohngebiete mehr auszuschreiben, um die Anwohnerzahlen nicht zu vergrößern. „Wir sorgen für den Lebensmittelpunkt vieler Arbeitnehmer aus Bad Vilbel und Frankfurt. Wir leisten die Infrastruktur“, empört sich Büttner. Alle wissen aber auch, dass mögliche Lösungen nur gemeinsam erarbeitet werden können. „Wir brauchen ein gemeinsames Konzept für Straße und Schienen. Dafür muss es ein Management geben. Bisher gibt es überhaupt keins“, so Büttner. Auf eine Machbarkeitsstudie, die bereits seit einem Jahr vorliegen sollte, wartet man bis jetzt vergeblich.

„Man muss Druck erzeugen, Beschwerden bündeln und einreichen. Wir wollen eine Reaktion erzwingen“, stellt Rück klar. Hier seien auch die Bürger aufgerufen, Beschwerden zu melden. Als kurzfristige Lösung schlägt sie vor, die Wagenkapazitäten der Niddertalbahn zu erhöhen. „Ein Doppelstockwagen würde schon mehr bringen“, ist sie sich sicher. Um weniger Autos auf der Straße zu haben, könnten die Arbeitnehmer zudem über Fahrgemeinschaften nachdenken. Denn ein Blick in den Stau zeigt: In jedem Auto sitzt nur eine Person. „Allein drei Personen heute hatten den gleichen Weg nach Petterweil“, sagt Büttner, „da kann man auch ansetzen.“

Umgehungsstraßen allein können nicht die Lösung sein, weiß Erster Stadtrat Vogel: „Das Problem wird dadurch nur einen Ort weiter geschoben.“

Mit Graus denken die Politiker an das geplante Megaprojekt „Kombibad“ in Bad Vilbel. Das Verkehrsaufkommen dürfte sich nochmals vervielfachen. „Dann ist hier Schicht im Schacht“, ahnt Büttner.

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