Der Main-Kinzig-Kreis fördert den Bau von preisgünstigem Wohnraum mit insgesamt 7,7 Millionen Euro. Die Summe soll Impulse für einen neuen Bauboom im Kreis geben. Dabei sind auch Städte und Gemeinden gefordert. Archivfoto: dpa

Main-Kinzig-Kreis

Starthilfe für neuen Bauboom

Main-Kinzig-Kreis. Die bereits mehrfach angekündigte Wohnungsbauinitiative des Main-Kinzig-Kreises kann starten: Der Kreistag hat am Freitag beschlossen, den Bau von preisgünstigem Wohnraum mit insgesamt 7,7 Millionen Euro zu unterstützen.

Von Andreas Ziegert

Zirka 400 Wohnungen können damit gefördert werden, angesichts bis zu 10 000 fehlender Wohneinheiten kreisweit sieht Landrat Erich Pipa dieses Geld allerdings nur als Anschubfinanzierung für einen neuen Bauboom im Kreis: „Wir können nicht alles richten, müssen aber Impulse geben.“Das favorisierte Modell: Städte und Gemeinden stellen einem Bauunternehmen im Rahmen eines Erbbaupachtvertrages geeignete Grundstücke zur Verfügung und erhalten im Gegenzug das Belegungsrecht für die jeweilige Immobilie. Die soll maximal drei Stockwerke haben, das Erdgeschoss behindertengerecht aufgebaut sein.Miete soll maximal sieben Euro pro Quadratmeter betragenFahrstühle und Tiefgaragen seien aus Kostengründen nicht möglich, die Bausubstanz soll aber von einem normalen Standard nicht abweichen, so Pipa. Der Investor verpflichtet sich, die Miete auf maximal sieben Euro pro Quadratmeter zu begrenzen. Um noch günstigeren Wohnraum zu bekommen, will der Kreis zumindest bei den ersten Projekten Finanzspritzen leisten. Mit Förderungen von bis zu 28 000 Euro pro Wohneinheit soll so eine weitere Mietpreisreduzierung auf bis zu sechs Euro erreicht werden.Nötig mache die Wohnungsbauinitiative der Rückgang der Sozialmietwohnungen von knapp 7000 im Jahr 2002 auf nur noch zirka 5100 in 2011. Eine Befragung der Kommunen im Main-Kinzig-Kreis habe ergeben, dass mehr als die Hälfte der Städte und Gemeinden eine große Angebotsknappheit feststellen und nur 14 Prozent das Angebot ausgeglichen bezeichnet hätten.CDU unterstützt die InitiativeVon einem Überangebot habe niemand gesprochen, heißt es in der Antragsbegründung der von Pipa vorgestellten Kreisausschussvorlage. Die Förderung in Höhe von 28 000 Euro soll es für 90 Quadratmeter große Wohneinheiten geben, für 75 Quadratmeter gibt es 23 000 Euro und für 60 Quadratmeter noch 19 000 Euro.Während die CDU die Initiative unterstützte (Kasseckert: „Dringend notwendig auch angesichts der demografischen Entwicklung“), gab es von den Linken und der FDP Kritik und Änderungsvorschläge. Andreas Müller, Fraktionsvorsitzender der Linken, favorisierte ein Genossenschaftsmodell. „Die sind demokratisch gesteuert und nicht gewinnorientiert“, äußerte er zudem die Bedenken, dass bei einer Insolvenz des privaten Unternehmers der dann eingesetzte Verwalter mit der Insolvenzmasse mache, was er wolle.Saß geht einen Schritt weiterUnd der FDP-Fraktionsvorsitzende Kolja Saß hätte gerne, dass nicht nur auf öffentlichen, sondern auch auf privaten Grundstücken entsprechende Projekte inklusive der Förderungsmöglichkeiten entstehen könnten. „Privat geht nicht, das wäre rechtswidrig“, verwies Landrat Pipa zudem darauf, dass die jeweiligen Projekte europaweit ausgeschrieben werden müssten. Die ersten Interessenten soll es übrigens auch schon geben: Die Städte Gelnhausen und Erlensee haben laut Pipa bereits konkrete Pläne für die Schaffung von neuem, preisgünstigem Wohnraum auf Grundlage dieses Kreistagsbeschlusses.Daher er drückte aufs Tempo, eine weitere Diskussion über die Wohnungsbauinitiative im Ausschuss lehnte der Landrat vehement ab. Die Mehrheit des Kreistages folgte ihm schließlich, die beantragte Änderung der FDP wurde genauso mehrheitlich abgelehnt wie die Überweisung in den Ausschuss. Der Vorlage des Kreisausschusses stimmten schließlich SPD, CDU und Grüne zu, FDP und Linke enthielten sich, die AfD war dagegen.

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