"Umsetzung unwahrscheinlich": Keine Kommune im Ostkreis hat Interesse an der Sommerbühne und den hohen Folgekosten. Grafik: PM

Main-Kinzig-Kreis

Sommerbühne: Nach zwei Jahren scheint das "Luftschloss" geplatzt

Main-Kinzig-Kreis. Vor zwei Jahren hatte der Kreistag die groß angekündigten Pläne gestoppt, in Wächtersbach eine Sommerbühne zu errichten. Die CDU-Fraktion hatte dem damaligen Landrat Erich Pipa (SPD), der das Projekt initiiert hatte, eine empfindliche Niederlage zugefügt und einen eigenen Änderungsantrag durchgebracht.

Von Thorsten BeckerJetzt scheint die Sommerbühne als „Luftschloss“ endgültig geplatzt zu sein. Keine Kommune will sie haben, denn die Folgekosten sind offenbar zu hoch. Selbst die jetzigen Koalitionspartner von SPD und CDU scheinen kein Interesse mehr an dem Projekt zu haben.

„Die Umsetzung der ursprünglichen Pläne für eine Sommerbühne ist derzeit äußerst unwahrscheinlich“, heißt es dazu aktuell aus der Verwaltung in Gelnhausen.

Kurz nach dem Debakel für Pipa hatte die Verwaltung den CDU-Änderungsantrag umgesetzt, die weitere Planung in Wächtersbach zu stoppen und bei allen Kommunen im Kreisgebiet das Interesse abzufragen.

Gutachter rechnen mit einem hohen Defizit

Bad Orb, Bad Soden-Salmünster, Brachttal, Flörsbachtal, Gelnhausen, Jossgrund, Schlüchtern, Langenselbold, Sinntal und sogar erneut Wächtersbach meldeten sich, überprüften Standortvorschläge und diskutierten eine mögliche Umsetzung.

Kreispressesprecher John Karsten Mewes berichtet, dass eine „standortunabhängige, plausible Hochrechnung der mit einem Betrieb zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben“ von einem Gutachter vorgelegt wurde.

„Die Gutachter haben dabei nachvollziehbar belegt, dass eine professionell betriebene Bühne ein jährliches Defizit von mindestens 400 000 Euro erwirtschaftet. Dafür wurden rund 70 Veranstaltungen mit jeweils 300 bis 630 zahlenden Gästen veranschlagt.“

Pipa initiierte das Projekt

Das ist den Kommunen wohl zu viel gewesen, denn inzwischen scheint das Projekt sang- und klanglos von der Tagesordnung verschwunden zu sein.

Rückblende: Landrat Pipa war vorgeprescht und wollte für eine einmalige Förderung (1,8 Millionen Euro) Wächtersbach mit einer 600 Plätze umfassenden Sommerbühne beglücken. Doch zahlreiche Bürger in der Messestadt wollten diese Arena überhaupt nicht.

Nach der Abstimmung im Kreistag unkten damals viele, dass die Idee damit eine „Beerdigung zweiter Klasse“ erfahren hat. Sie sollten Recht behalten.

Keine verbindlichen Bewerbungen oder Interessenbekundungen

Aber es gibt immer noch den gültigen Beschluss: „Der Kreistag stellt für die Kulturförderung/Planung und Bau einer möglichen Freilichtbühne und entsprechender Infrastruktur einmalige Finanzmittel bis zu 1,8 Millionen Euro zur Verfügung.“

Und der Kreistag hatte den Auftrag erteilt, den „konkreten Bedarf im Rahmen einer methodisch abgesicherten Bedarfs- und Standortanalyse mit konkreter Wirtschaftlichkeitsberechnung zu ermitteln“. Erst dann sollten Beschlüsse gefasst werden.

„Es gab jedoch in der Folge keine verbindliche Bewerbung oder Interessensbekundung für eine stationäre Sommerbühne, sodass diese Option nicht mehr besteht und nicht weiter verfolgt werden kann“, ist das Ergebnis, zu dem die Kreisverwaltung nach Angaben von Mewes kommt.

Neue Vorlage nach der Sommerpause

Und was passiert mit den 1,8 Millionen Euro, die weiterhin im Haushalt vermerkt sind? „Der Fachbereich Kultur hat sich daher inzwischen Gedanken gemacht zu abweichenden Konzepten oder anderen Verfahren, um die beschlossene Förderung von 1,8 Millionen Euro in vergleichbarer Weise wirken zu lassen“, sagt Mewes.

Nun geht der Ball zurück an den Kreistag, eine entsprechende Vorlage ist in Vorbereitung und soll „nach der Sommerpause“ im Detail vorliegen.

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