Sondereinsatzkräfte aus Frankfurt schaffen es nach etwa fünf Stunden, sich Zutritt zu dem Container zu verschaffen.

Main-Kinzig-Kreis

SEK-Einsatz: Mann greift Hilfspolizisten mit Schere an

Schlüchtern. Ein offenbar geistig verwirrter Mann hat am Dienstag für einen SEK-Einsatz gesorgt (verlinkter Artikel). Der 59-Jährige hatte sich bewaffnet in einem Container verschanzt. Nach fünf Stunden konnten Spezialkräfte den Mann überwältigen.

Dunkle Wolken ziehen über das Schlüchterner Industriegebiet. Nieselregen, Wind. Zahlreiche Polizeifahrzeuge sperren die Zufahrten ab. Bewaffnete Polizisten – aus Schlüchtern und dem ganzen Kreisgebiet – umstellen einen Obdachlosen-Container. Die Szene erinnert ein wenig an einen Endzeitfilm.

Zum Hergang: Gegen 10 Uhr sind Mitarbeiter des Schlüchterner Ordnungsamtes an den Containern. Sie werden von einem 59-Jährigen mit einer Schere angegriffen, woraufhin die Hilfspolizisten Unterstützung von der Polizeistation Schlüchtern anfordern. Wie Zeugen berichten, ist der wohl verwirrte Mann derweil rund um die Container mit einer Schere in der Hand unterwegs. Aufgeregt läuft er hin und her und schreit kräftig herum, berichten die Zeugen.

Als die Beamten der Schlüchterner Polizeistation eintreffen, werden auch sie vom 59-Jährigen verbal angegangen. Und ein Einsatzfahrzeug wird beschädigt. Der Verwirrte verschanzt sich im Wohncontainer. Mehrfach wird er aufgefordert, die Schere wegzulegen und den Container zu verlassen. Doch nichts dergleichen geschieht. Großalarm. Weitere Polizisten kommen.

59-Jähriger lässt sich nicht beruhigen

Das Gelände ist mittlerweile großflächig abgeriegelt. Zur Mittagszeit sind etwa 30 Einsatzkräfte vor Ort, teilweise in spezieller Schutzmontur mit Helm, Schulter- und Oberkörperschutz. Sie versuchen, den 59-Jährigen aus dem Container zu locken: „Komm doch raus. Ich hab eine Zigarette für dich.“ Doch auch das hilft augenscheinlich nicht. Irgendwann wagen sich Einsatzkräfte bis zur Eingangstür, öffnen sie weit und blockieren sie mit einer Mülltonne. Während draußen Beamte mit Pistolen, Maschinenpistolen, Schutzschilden, Pfefferspray und Holzstöcken warten, passiert drinnen nicht viel. „Die Situation stagniert“, ist zu hören. Als der Mann nochmals kurzzeitig mit einem Gegenstand in der Hand hinter der Tür erscheint, schreien ihn Beamte an: „Leg den Scheiß weg und komm raus.“ Doch darauf reagiert er ebenso wenig wie auf gutes Zureden.

Ein Spezialeinsatzkommando (SEK) aus Frankfurt wird angefordert. Um 14.15 Uhr trifft es ein. Lagebesprechung. Mittlerweile hat sich der Mann zum Ausruhen aufs Bett gelegt, heißt es. Die Szenerie hat Schaulustige auf den Plan gerufen. Die besten Plätze haben diejenigen, die sich bei einem benachbarten Fachhändler für Farben und Bodenbeläge hinter den Fensterscheiben platziert haben. Die Firma versorgt die Beamten mit Kaffee. Willkommen bei den Witterungsverhältnissen. Denn der Einsatz dauert schon gut vier Stunden. Später errichtet das DRK einen Versorgungsstand für die mittlerweile etwa 50 Einsatzkräfte.

Spezialkräfte verschaffen sich Zutritt

14.25 Uhr: Mit schweren Schutzpanzern gesichert, nähern sich die Spezialkräfte dem Container. Dass die Tür geöffnet wurde, scheint dem Verwirrten nicht zu gefallen. Trotz des vor der Tür stehenden Spezialkommandos geht der 59-Jährige nach vorne. Im Türrahmen ist ein roter Lichtpunkt zu sehen. Anstatt geschnappt zu werden, schließt der 59-Jährige die Tür. Es dauert einige Zeit, bis die Spezialkräfte sich Zutritt verschaffen. Einer nach dem anderen – bis es fünf sind – verschwinden die Spezialkräfte im Container. Andere warten vor der Tür, die Pistolen im Anschlag. Gegen 15 Uhr ist der Mann überwältigt. Kurz danach folgen Rettungsassistenten und ein Notarzt. Die Polizei bringt den Festgenommenen in eine psychiatrische Einrichtung.

Die Geschichte hatte wohl schon am Vortag ihren Anfang genommen. Am Montag soll es zu Reibereien zwischen Bewohnern gekommen sein, so dass eine Person am Dienstag verlegt werden sollte. Der Mann war offenbar nicht selbst betroffen, sondern dagegen, dass ein Mitbewohner ausziehen sollte. Der 59-Jährige muss nach ersten Einschätzungen der Polizisten vor Ort wohl mindestens mit Anzeigen wegen Bedrohung und versuchter schwerer Körperverletzung rechnen. KN

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