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Ein Rutsche ins kalte Wasser: Für die Bürger bleibt dies mitten in der Corona-Krise in der Region zumindest vorerst ein Traum. Selbst wenn das Land Hessen die Genehmigung zur Öffnung der Bäder erteilte, würde es mindestens zwei bis drei Wochen dauern, bis die Kommunen Einlass gewähren könnten.

Angst vor hoher finanzieller Belastung

Öffnen die Schwimmbäder in der Region? Das sagen die Kommunen

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  • Holger Weber-Stoppacher
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Vereinsschwimmer dürfen in Hessen ab 1. Juni wieder in die Frei- und Hallenbäder zurückkehren – sofern die Einrichtungen dafür gerüstet sind. Mitte Juni soll die Entscheidung darüber fallen, ob und unter welchen Bedingungen auch normale Bürger wieder schwimmen gehen können.

Problematisch ist weniger der Aufenthalt in den Schwimmbecken als vor allem die Nutzung von Liegewiesen, Sanitär- und Umkleidebereichen, Ein- und Ausgangszonen. Hier muss eine Einhaltung der aktuellen Empfehlungen des RKI auch an sehr besucherstarken Tagen gewährleistet sein. Alle Maßnahmen, die zu ergreifen wären, sind mit zusätzlichen hohen Kosten verbunden.

Die Bürgermeister im Main-Kinzig-Kreis streben im Falle, dass der Badebetrieb für die Öffentlichkeit wieder erlaubt werden sollte, eine gemeinsame Linie an, um einen Bädertourismus zu vermeiden. Über den Stand der Vorbereitungen in den Kommunen haben wir uns erkundigt:

Hanau will Entscheidung auf Landesebene abwarten

Hanau: Da auch das „Hochfahren“ eines Schwimmbads für den Sommerbetrieb Kosten verursache, sei entschieden worden, erst einmal die weitere Diskussion auf Landesebene abzuwarten. Für die Freibäder seien noch keinerlei technische Vorbereitungen getroffen worden. Für das Heinrich-Fischer-Hallenbad hat die Hanau Bäder GmbH die ursprünglich für die Sommerferien geplante Revision vorgezogen. Daher könnte das Hallenbad mit zwei bis drei Wochen Vorlaufzeit an den Start gehen, teilt die Stadt auf HA-Anfrage mit.

Für Heinrich-Fischer- und Lindenau-Bad sei ein Hygiene- und Pandemieplan mit Abstandsregeln fertiggestellt, der allerdings noch nicht mit dem Gesundheitsamt abgestimmt sei. Ein- und Zugangsbereiche stellten örtlich unterschiedliche Herausforderungen dar, um mit Abstandsregeln und Security-Einsatz einen eventuellen Badebetrieb organisieren zu können. Umkleideräume wären im Regelfall gesperrt. Kalt-Duschen wäre nur an den Durchschreitebecken in Beckennähe möglich.

In Bruchköbel ist schon Wasser im Freibad-Becken

Bruchköbel: Nach der Installation von neuen Pumpen ist im Freibad zu Testzwecken das Wasser schon eingelassen worden. Von technischer Seite steht im Bruchköbeler Freibad somit derzeit nur noch die defekte Heizung entgegen, die jedoch bis Anfang Juni repariert werden solle. Dann wäre eine Nutzung durch Vereine möglich, teilt Bürgermeisterin Sylvia Braun mit. Bei der Stadtverordnetensammlung kündigte sie an, man werde tun, was möglich ist. Sie wies jedoch darauf hin, dass die Öffnung des Freibads mit immensen Kosten verbunden sei.

Keine Informationen gibt es derzeit zum Bärensee. Zu Badeseen habe sich das Land noch nicht geäußert. Anfang Juni stehe ohnehin erst die anstehende Überprüfung der Wasserqualität durch den Kreis an. Sollten Badeseen wieder öffnen dürfen und die Wasserqualität des Bärensees es zulassen, wäre eine Öffnung des Sees für die Camper eine denkbare Lösung, so Braun.

Erlensee sieht finanziellen Kraftakt

Erlensee: Bürgermeister Stefan Erb sieht eine baldige Öffnung des Hallenbads skeptisch. Von der technischen Seite könnte das Bad sofort freigegeben werden. Allerdings wäre eine Öffnung vor allem aus wirtschaftlicher Sicht mit einer großen Belastung für die Stadt verbunden. 17 der 21 Beschäftigten befinden sich derzeit in Kurzarbeit. Zwar könne man diese von heute auf morgen wieder in den normalen Dienst zurückführen, doch sei dies vor dem Hintergrund der zu erwartenden geringen Einnahmen ein finanzieller Kraftakt für die Stadt.

Das Hallenbad werde ohnehin mit rund einer Million Euro pro Jahr bezuschusst. Angesichts der prekären Gesamtlage, die Stadt rechnet mit einem Einnahmeausfall von rund drei Millionen Euro, müsse man jetzt jeden Cent sparen. Letztlich sei es eine politische Entscheidung, die vom Magistrat oder auch vom Präsidium der Stadtverordnetenversammlung getroffen werden müsse.

Langenselbold wäre frühestens im Juli bereit

Langenselbold: Frühestens zum 1. Juli ist laut designiertem Bürgermeister Timo Greuel die Öffnung von Freibad und Kinzigsee in Langenselbold möglich. Greuel gibt sich sehr zuversichtlich, dass ein einheitliches Vorgehen – mit Ausnahme von Hanau – gelingen könnte. Er erwartet allerdings, dass das Land Hessen Mitte Juni bei seinen Auflagen zur Wiedereröffnung eine zahlenmäßige Begrenzung des Zugangs zum jeweiligen Schwimmbad veranlassen werde. 

Selbold habe seinerseits bereits ein Konzept für die Wiedereröffnung von Freibad und Kinzigsee erstellt. „Letztlich werden aber auch die Vorgaben des Landes kurzfristig mit einfließen müssen, sobald diese bekannt sind. Darüber hinaus beabsichtigen wir, das Hygienekonzept dann mit dem Kreisgesundheitsamt abzustimmen“, berichtet Greuel, der auch klarstellt, dass Selbold zusätzliches Personal zur Kontrolle der Hygiene- und Abstandsregeln in den Bädern einstellen müsste. Im Freibad sind laut Greuel zuletzt energieeinsparende Baumaßnahmen vorgenommen worden.

Maintal braucht 14 Tage Vorlaufzeit

Maintal: Aus dem Rathaus in Maintal hieß es, dass es das grundsätzliche Ziel sei, den Bürgern „den Besuch im Maintalbad in diesem Sommer zu ermöglichen – sofern die Vorgaben dies zulassen“. Die Entscheidung zur Öffnung der Schwimmbäder für den Vereinssport „ist für uns überraschend gekommen“, teilte Pressesprecherin Martina Faust auf Anfrage mit. Die Wiedereröffnung des Maintalbades benötige eine Vorlaufzeit von mindestens 14 Tagen. Eine Öffnung des Freibades Anfang Juni sei somit nicht realisierbar. Eine Inbetriebnahme des Hallenbades sei im Übrigen derzeit nicht geplant.

Das Freibadgelände des Maintalbads wird noch einige Zeit unbenutzt bleiben, eine Öffnung Anfang Juni hat die Stadt Maintal gestern ausgeschlossen.

Sobald geklärt sei, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, „damit das Maintalbad – wenn auch in geringerem Umfang als gewohnt – wieder geöffnet werden kann“, will sich Maintal mit anderen Kommunen im Kreis über einen möglichen Wiedereröffnungstermin abstimmen. Derzeit würden auch verschiedene Konzepte für die Wiedereröffnung geprüft. Eckpunkte für ein Hygiene- und Sicherheitskonzept für das Maintalbad seien bereits erarbeitet. Das Freibad ist befüllt und die Wasseraufbereitungsanlage in Betrieb. Eine Aufheizung des Beckenwassers wird derzeit aus Umweltschutzgründen noch nicht durchgeführt.

Auch Nidderau wäre noch nicht sofort bereit

Nidderau: Im Nidderbad in Heldenbergen ist das Wasser abgelassen, die Filteranlage runtergefahren, um die laufenden Kosten zu reduzieren. Kurzarbeit war bis vergangene Woche für die Beschäftigten im Nidderbad allerdings noch nicht nötig. Wartungs- und Reinigungsarbeiten wurden vorgezogen, so Betriebsleiter Harald Rühl. Selbst wenn die Behörden eine Öffnung der Bäder genehmigen würden, müssten sich die Besucher weitere zwei bis drei Wochen bis zum Start der Badesaison gedulden. „Wir müssen die Becken befüllen, aufheizen und Erstwasserproben nehmen. Bis die analysiert sind, dauert es einige Tage.“ Damit ist eine Öffnung also frühestens in der zweiten Juni-Hälfte denkbar.

Das unterstreicht auch Bürgermeister Gerhard Schultheiß. „So einfach ist eine Wiedereröffnung nicht“, betont der Rathaus-Chef, „das braucht auch für das Vereinsschwimmen einen Vorlauf.“ So müssen die Schwimmvereine ein Corona-Sicherheitskonzept bei der Stadt einreichen. „Wir wollen mit Vorsicht vorgehen“, so Schultheiß. In jedem Fall ist der 1. Juni selbst für das Vereinsschwimmen zu kurzfristig. Einen kleinen Trost hat Harald Rühl: „Dadurch, dass wir die Wartungsarbeiten vorgezogen haben, wird es im Herbst keine Schließzeit im Hallenbad geben.“

Großkrotzenburg ist bereit für eine zeitnahe Öffnung

Großkrotzenburg: In Großkrotzenburg wird das Hallenbad vom Verein Wassersportfreunde Großkrotzenburg 2002 betrieben. „Für den Badesee sind wir mit dem Betreiber in Gesprächen und in Wartestellung“, so Bürgermeister Thorsten Bauroth. Seit drei Jahren wird der See von der Firma Bäderservice Deutschland (BSD) betrieben. Alle notwendigen Vorarbeiten seien durchgeführt worden, so Bauroth, "damit eine zeitnahe Öffnung stattfinden könnte.“

Gerade im Hinblick auf viele Familien, die in diesem Sommer zu Hause Urlaub machen werden, sei eine Öffnung der Badeseen und Schwimmbäder in Betracht zu ziehen. Vom DLRG gebe es bereits Warnungen, dass sich Menschen durch Baden in ungesicherten Gewässern in Gefahr bringen könnten, gibt Bauroth zu bedenken. In jedem Fall sei eine Öffnung des Sees schnell möglich. „Wir sind optimistisch, dass wir das hinkriegen.“

Baden trotz Corona: Wann die Schwimmbäder rund um Offenbach und Hanau wieder öffnen

Sämtliche Freibäder dürfen nach der Corona-Schließung bald wieder für den Vereinssport öffnen. In der Region rund um Offenbach und Hanau bereiten sich die Schwimmbäder aber schon auf weitere Badegäste vor.

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