Kreative Unruhe: Benjamin Mustafic (zweiter von links) diskutiert mit den jungen Redakteuren vom Express ein Detailproblem der aktuellen Ausgabe. Foto: Stephan Siemon

Wächtersbach

Redaktionsbesuch bei der Wächtersbacher Schülerzeitung "Express"

Wächtersbach. „Raum N 101“ steht in schmucklosen Buchstaben an einer Tür der Wächtersbacher Friedrich-August-Genth-Schule. Auf dem Türblatt: Computerraum. Wer durch diese Tür geht, der wähnt sich in einer großen Zeitungsredaktion. 22 Computer stehen auf den Tischen, die sich im Raum verteilen.

Von Stephan Siemon

Daran sitzen konzentriert wirkende Menschen. Rufe nach Hilfe bei einer Recherche fliegen durch den Raum, es herrscht ein Zustand kreativer Unruhe. Es ist Redaktionssitzung bei der Schülerzeitung „Express“.

Die Zeitung ist 2018 erneut auf dem Siegertreppchen gelandet. Dies beim Schülerzeitungswettbewerb, veranstaltet von der Jugendpresse Hessen, einem Verein. In ihm sind über 200 junge, hessische Medienmacher zusammengeschlossen. Schülerzeitungsredakteure, freie Mitarbeiter bei Zeitungen, Fotografen, Blogger und Jugendradio-Macher. Der Verein unterstützt die Mitglieder mit Projekten wie dem Hessischen Schülerzeitungswettbewerb. Das alles ehrenamtlich und getragen von jungen Leuten.

Die Schülerzeitungsarbeit hat schon so manchem den Einstieg in den Journalismus gebracht. Auch ehemalige „Express“-Mitarbeiter durchstreifen heute im Auftrag regionaler Tageszeitungen den Landkreis auf der Suche nach „News“.

Woher kommt der Erfolg?

Der „Express“ hat sich im Wettbewerb den Platz zwei in der entsprechenden Kategorie (Realschule und Gesamtschule ohne Sekundarstufe zwei) erarbeitet. Das hat sozusagen Tradition. Denn die Redaktion hat sich in den vergangenen Jahren oft aufs Siegertreppchen gestellt. Und das fällt auf: Der Landrat des Main-Kinzig-Kreises, Thorsten Stolz, kam zum Gratulieren. Der Wächtersbacher Bürgermeister Andreas Weiher schloss sich an. Woher kommt der Erfolg?

Zum einen dürfte er in Kontinuität begründet liegen. 1983, so glaubt der „Chefredakteur“ Benjamin Mustafic, der die Zeitung zur Zeit verantwortet, erschien der erste „Express“ – damals noch mit der Schreibmaschine getippt. Da sammelt sich eine Menge Fachwissen an, das vom vorherigen Chef beim „Express“, Maurice Pinkert, weitergegeben wurde.

Pinkert kümmerte sich seit 17 Jahren dort um die jungen Redakteure. Zum anderen herrscht in der Redaktion ein arbeitsteiliges Prinzip: Die „alten Hasen“ aus der zehnten Klasse arbeiten die „Volontäre“, die jetzt wieder aus der fünften Klasse beim „Express“ eingestiegen sind, ein.

Professionelles Arbeiten

Wer durch die Reihen geht, erkennt Professionalität. Die Redakteure schreiben ihre Texte in Word, dem wohl am meisten genutzten Texterfassungsprogramm. Die Satzarbeit, heute nennt man das Layout, besorgen die Spezialisten mit „InDesign“, einem professionellen Layout- und Satzprogramm. Gedruckt wird das Produkt übrigens nicht „irgendwo im Internet“. sondern in einer Druckerei in Freigericht.

Die Themen setzen die Schüler selbst. Das Motto heißt: Was mich interessiert, könnte meine Mitschüler auch interessieren. Thema der letzten Ausgabe war unter anderem eine kritische Betrachtung der Fußball-WM in Russland – Show, Polit-Show oder noch Sportereignis? – als Aufmacher. Es finden sich Texte zum Thema künstliche Intelligenz, ein Insider-Bericht über die Entstehung des Erfolgs-Musicals „Der wilde Grimm“, aber auch Standards wie die besten Lehrer-Sprüche.

Spannende Themen in der nächsten Ausgabe

Auch die kommende Ausgabe wird spannend werden. Zwei Themen seien beispielhaft genannt: Die Redaktion beschäftigt sich in einem salopp „Toiletten-Beitrag“ genannten Text mit dem Chip-System, mittels dessen die Klotüren geöffnet werden müssen. Hat das was gebracht in Sachen Sauberkeit? Oder eher nicht? Eine Frage, die der im Juni erscheinende „Express“ beantworten wird.

Aber nicht nur schulinterne Themen werden beleuchtet. Das Thema „Müll im Meer“ wird ebenfalls angegangen: Die weltweite Bedrohung maritimer Ökosysteme durch unseren Plastikmüll, der in manchen Meeren der Welt bereits geradezu apokalyptisch anmutende Zustände geschaffen hat.

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