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Nur ein Tropfen auf einem heißen Stein: Mario und Lilo Magersuppe wollen trotz der Zwangspause das Marionettentheater erhalten.

2024 besteht das Puppentheater seit 100 Jahren

"Die Holzköppe" in der Corona-Krise - Crowdfunding soll Wanderbühne retten

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Anfang März war es die vorerst letzte Veranstaltung. „Die war mit 160 Personen restlos ausverkauft“, wie Mario Magersuppe vom Marionettentheater „Die Holzköppe“ berichtet. Seither hat das Theater nicht mehr gespielt.

Corona-Soforthilfe wurde genehmigt, „ist aber nur ein Tropfen auf einem heißen Stein“, so Magersuppe. Die Planung von künftigen Projekten kommt derzeit nicht in Frage: Stets fallen Ausgaben für Material und Werkzeug an.

„Wir müssen jetzt erst mal sehen, wie wir die laufenden Kosten des Theaters bezahlen. Das geht leider vor.“ Die Hoffnung der Puppenspieler ruht nun darauf, dass „vielleicht im Mai wieder – auch unter entsprechenden Auflagen – Vorstellungen stattfinden dürfen. Die Politik kann ja nicht bis Ende August alle Kultur absagen.“

VIP-Ticket und eigene Vorstellung für Spender

Ein Crowdfunding-Aufruf bei der Plattform Startnext soll nun die schlimmsten wirtschaftlichen Auswirkungen für das Theater mildern. Bis zum 31. Mai läuft die Spenden-Sammelaktion, die dazu beitragen soll, dass die Theaterleute die laufenden Kosten tragen können. Für 20 Euro gibt es eine bedruckte Baumwolltasche, für 50 Euro eine VIP-Karte, bei deren Vorlage der Besitzer lebenslang nur den reduzierten Eintrittspreis zahlen muss. Künftig lebenslang gänzlich freien Eintritt gibt es für den Träger eines entsprechenden Unterstützer-T-Shirts, wenn 500 Euro gegeben werden, für 1000 Euro gibt es eine eigene Vorstellung und eine gravierte Dankesmedaille.

Wie Magersuppes Frau Wencke Wiest betont, gibt es aber auch andere Möglichkeiten der Unterstützung: „Wenn Schulen, Kitas oder Vereine planen, uns in der zweiten Jahreshälfte oder um Weihnachten herum zu engagieren, hilft es uns für die Planung sehr, wenn wir die Verträge dafür jetzt schon fertig machen könnten, damit wir genauer wissen, wie groß das finanzielle Loch dieses Jahr wird. Es würde sicher auch helfen, wenn dann nicht nur der Vertrag gemacht wird, sondern auch eine kleine Anzahlung käme, falls dies möglich ist.“

Marionettentheater seit fast 100 Jahren bekannt

Die „Holzköppe“, als Marionettentheater seit 96 Jahren weit über die Grenzen des Kreises hinaus bekannt, sind seit drei Jahren als Wanderbühne unterwegs. Ursache dafür waren seinerzeit Unstimmigkeiten mit dem Steinauer Bürgermeister Malte-Jörg Uffeln, die dazu führten, dass das Traditionsunternehmen nach 62 Jahren in Steinau seine feste Spielstätte verloren hat. So ging es zurück zu den Anfängen.

Mit einer Wanderbühne hatte dereinst am 29. Oktober 1924 Karl Magersuppe angefangen, die dritte Generation Magersuppe ist nun wieder als eine solche unterwegs. „Wir haben uns vorgenommen, die 'Holzköppe' 100 werden zu lassen“, betonte Lilo Magersuppe, Schwiegertochter des Theatergründers, nachdem im März 2017 der letzte Vorhang in Steinau gefallen war. Diesem Ziel ist das kleine Theater, das Generationen von Familien mit den grimmschen Märchen Freude bereitete, ein gutes Stück nähergekommen.

Theater will neue Immobilie bauen oder kaufen

Ende Oktober 2024 soll das große Jubiläum gefeiert werden. „Und wenn alles gut läuft, dann mit einer Grundsteinlegung für eine feste neue Spielstätte oder dem Kauf einer entsprechenden Immobilie mit Bühne“, sagt Mario Magersuppe, Prinzipal und derzeit einziger hauptamtlicher Mitarbeiter der „Holzköppe“.

Ihm zur Seite stehen Ehefrau Wencke Wiest, Mutter Lilo und die Schwestern Nina und Jasmin, die als Familienangehörige unterstützen, wenn Rotkäppchen, Rumpelstilzchen, Aschenputtel, der Froschkönig und andere grimmsche Märchen auf der Guckkastenbühne aufgeführt werden.

Als „Kleinod deutscher Puppenensembles“ gefeiert, dürfen die Magersuppes immer wieder Gäste aus Steinau in ihren Spielstätten Bad Soden und Bad Orb begrüßen – und ein ums andere Mal erfahren: „Die Steinauer vermissen uns.“ Dass das so ist, beweisen die positiven Bewertungen in den sozialen Netzwerken, mehr aber noch die persönlichen Worte, die Mario und Wencke in ihrem Heimatort Steinau immer wieder am Telefon oder auf der Straße gesagt bekommen.

„Das ist auch einer der Gründe, warum wir 2020 beim Märchensonntag wieder in Steinau auftreten werden“, wie der 39-jährige Theaterinhaber berichtet.

Theater hat bereits schwere Zeit hinter sich

Hinter ihnen liegt eine nicht ganz leichte Zeit: „Es musste sich erst herumsprechen, dass wir als Wanderbühne unterwegs sind“, berichtet das Ehepaar rückblickend. Aus Kapazitätsgründen wurde nichts daraus, im Alfons-Lins-Haus in Bad Orb eine feste Spielstätte einzurichten. Nach einem Facebook-Aufruf Anfang 2019 kamen allerdings Gespräche mit dem Bad Orber Veranstaltungsleiter Christian Edel und dem Bad Sodener Veranstaltungsleiter Stefan Ziegler zustande – und die Vereinbarungen über regelmäßige Gastspiele.

Orb ist inzwischen auch der Wohnort von Lilo Magersuppe (64), die zudem in der Hauptstraße 30 ihr Kasperlädchen betreibt. Mit dem wirtschaftlichen Erfolg kam auch die Genesung des Prinzipals in Gange: Die damaligen Auseinandersetzungen hatten dazu geführt, dass Mario Magersuppe über lange Zeit krank wurde. Burnout, psychische Probleme.

Puppenspieler lenkt sich mit Gartenarbeit und Spaziergängen ab

Auch die jetzige Zeit ist für den Puppenspieler keine leichte. Magersuppe, der bislang einen Teil seiner Kräfte auch aus den Zusammenkünften mit dem Spieleverein „Meeples of Mayhem Fulda original“ zog, versucht bei Gartenarbeit und Spaziergängen mit seiner Frau Entspannung und so möglichst viel Positives in der gegenwärtigen Situation zu finden.

Zu anderen Zeiten wäre er jetzt mit Wencke (31), die im Brotberuf Lehrerin an den Beruflichen Schulen in Gelnhausen ist, als „Caterva Mediae- valis“, eine mittelalterliche Gauklertruppe, unterwegs. Mit Musik, Bauchtanz, Feuershow, Bogenschießen, Jonglage-Workshops – und das bundesweit. Wann das wieder so weit sein wird, ist ungewiss.

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