Täterschaft geklärt, Urteil offen: Nach den tödlichen Messerstichen in Salmünster will das Hanauer Schwurgericht am Freitag eine Entscheidung verkünden. 
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Nach den tödlichen Messerstichen ist das Urteil gefallen.

Tödliches Drama

Frau vor den Augen der Tochter getötet: Gericht verkündet Urteil

  • Thorsten Becker
    vonThorsten Becker
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Ein Mann hat in Bad Soden-Salmünster seine Frau vor den Augen der Tochter getötet. Jetzt ist das Urteil im Prozess gefallen. Der 43-Jährige nahm es regungslos zur Kenntnis.

Bad Soden-Salmünster/Hanau – „Sie haben das Leben Ihrer Frau beendet und das Leben Ihrer beiden Kinder zerstört; die den Tag nie vergessen werden, an dem ihre Mutter durch die Hand des Vaters getötet worden ist.“ Klare Worte von Landgerichtspräsidentin Susanne Wetzel an Rudolf H., der auf der Anklagebank sitzt und keine Regung zeigt. Der 43-Jährige ist soeben von der Schwurgerichtskammer wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Hatte er zum Auftakt des Prozesses Mitte August noch viel geweint und immer wieder beteuert, er habe seine Frau und die beiden Kinder geliebt, so nimmt er nun die Konsequenzen ziemlich eiskalt hin.

Mann tötet Frau: Jahrelanger Konflikt endet blutig

Genauso eiskalt, wie er nach Feststellung der Kammer in der Nacht zum 18. Februar in der gemeinsamen Wohnung in Salmünster vorgegangen ist, als an diesem Morgen der nach Ansicht von Wetzel „jahrelang schwelende Konflikt“ in ein grausames Verbrechen mündet.

An diesem Morgen greift der 43-Jährige zu einem 20 Zentimeter langen Küchenmesser. „Bitte, tu das nicht!“, habe die 38 Jahre alte Frau noch gefleht. Doch H. sticht zweimal zu. Als die gemeinsame Tochter in die Küche stürzt und die blutende Mutter sieht, legt ihr Vater das Messer zunächst weg. „Die ersten beiden Stiche waren nicht lebensbedrohlich“, stellt die Vorsitzende mit Blick auf die gerichtsmedizinische Untersuchung fest.

Gericht in Hanau: Grausame Details zur Tat werden bekannt

„Statt hier abzubrechen, haben Sie erneut das Messer ergriffen“, so Wetzel. „Bitte töte mich nicht!“, habe die Frau in Todesangst gefleht. Doch ihr Ehemann kennt kein Erbarmen, umarmt seine Frau und sticht ihr mit voller Wucht ins Herz. Das sei der „unbedingte Tötungswille“ gewesen. H. sei „egoistisch“ vorgegangen und habe das Verbrechen „planvoll vorbereitet“, so die Richter.

Von einem Affekt, wie ihn die Verteidigung angenommen hat, sei keine Spur, so Wetzel. Ganz im Gegenteil: Der 43-Jährige habe mehrfach, auch vor den beiden Kindern, angekündigt, zunächst die Mutter und dann sich selbst umbringen zu wollen, wenn die 38-Jährige auf einer Trennung bestehe.

Frau will die Scheidung - Mann greift zum Messer

Diese Pläne habe die Frau bereits seit Ende 2017 gehabt und wollte nun die Scheidung. Am 19. Februar hatte sie einen ersten Beratungstermin bei einem Scheidungsanwalt vereinbart. Dazu ist es nicht mehr gekommen. Vor allem das Verhalten vor der Tat wiege schwer. Denn H. habe sich nur wenige Stunden vor der Bluttat noch in seiner kroatischen Heimat aufgehalten und dort die ehemals gemeinsame Eigentumswohnung auf seinen Vater überschrieben.

Als Mörder ins Gefängnis abgeführt: Das Landgericht Hanau hat Rudolf H. (Mitte) zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

So nimmt das Schwurgericht auch die „niedrigen Beweggründe“ als Mordmotiv an und bescheinigt H. einen übersteigerten „Besitzanspruch“ gegenüber seiner Frau.

Frau ermordet: Urteil stützt sich auf Aussagen der Tochter

Mit dem Urteil folgt das Gericht dem bemerkenswerten Plädoyer von Oberstaatsanwalt Dominik Mies, der eine Verurteilung wegen Mordes beantragt und das Tatgeschehen detailliert rekonstruiert hatte. Vor allem stützt sich das Urteil auf die Aussagen der 13-jährigen Tochter, die Augenzeugin des Geschehens war. Sie war – zum Schutz ihrer Privatsphäre als Kind – vom Gericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit vernommen worden.

Was das Mädchen gesagt hat, hinterlässt einen bleibenden Endruck bei der Landgerichtspräsidentin: „Ich habe noch nie eine 13-Jährige erlebt, die eine solch klare, strukturierte und glaubwürdige Aussage gemacht hat“, so Wetzel. So seien alle Zeugenaussagen in dem Verfahren „vollkommen glaubwürdig“ gewesen.

Die lebenslange Freiheitsstrafe sei daher „eindeutige Konsequenz“, denn H. müsse die „volle Verantwortung“ für das Verbrechen übernehmen. Strafverteidiger Benjamin Düring, der auf Totschlag aus Affekt plädiert hatte, kündigte an, Revision gegen das Urteil vor dem Bundesgerichtshof einzulegen.

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