Tödliche Messerattacke: Vor dem Landgericht wird ab heute der blutige Streit am Bahnhof von Salmünster untersucht. Angeklagt ist ein 17-Jähriger wegen Totschlags sowie ein Gleichaltriger wegen Beihilfe. Symbolbild: Pixabay

Bad Soden-Salmünster/Hanau

Prozess um Tod eines 19-Jährigen: Öffentlichkeit ausgeschlossen

Bad Soden-Salmünster/Hanau. Warum musste ein 19-Jähriger im September vergangenen Jahres qualvoll sterben? War es der 17-Jährige aus Sinntal, der ihn getötet hat? Was hat den Angeklagten möglicherweise dazu getrieben, bei einer vereinbarten Aussprache in dem Kurort zum Messer zu greifen? Welche Rolle spielt ein Mitangeklagter?

Von Thorsten Becker

Diese und viele andere Fragen wird nach Informationen dieser Zeitung ab heute die 2. Große Jugendkammer am Hanauer Landgericht unter die Lupe nehmen – allerdings hinter verschlossenen Türen. Denn der Prozess findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

„Beide Angeklagte waren zum Zeitpunkt der Tat noch minderjährig. Daher ist der Prozess nicht öffentlich“, erklärt Landgerichtspräsidentin Susanne Wetzel auf Anfrage und verweist darauf, dass der Prozess nach dem Jugendstrafrecht geführt wird. Daher müsse so verfahren werden, berichtet die Vorsitzende Richterin. Das Gesetz sieht vor, dass der Schutz der Persönlichkeit von Jugendlichen höher wiegt als das öffentliche Interesse an dem Prozess.

Kampf zwischen Nebenbuhlern

Wie berichtet, war es am späten Freitagabend, dem 14. September, während eines Streits auf einem Parkplatz am Bahnhof Salmünster zu der tödlichen Auseinandersetzung gekommen. Oberstaatsanwalt Dominik Mies hatte kurz nach dem Verbrechen erklärt, dass dem jungen Mann aus Bad Soden-Salmünster „mehrere Stiche in Hals und Schlüsselbein“ zugefügt worden seien. Der 19-Jährige starb noch am Tatort.

Der 17-jährige mutmaßliche Messerstecher wurde unter dringendem Tatverdacht festgenommen und sitzt seitdem wegen Verdunklungs- und Fluchtgefahr in Untersuchungshaft. Er war wenige Stunden nach der Tat von der Polizei in Sinntal verhaftet worden worden. Danach hatte die Kriminalpolizei weiter im Umfeld der beiden jungen Männer ermittelt. Es soll sich bei der Bluttat um einen Kampf zwischen den beiden jungen Nebenbuhlern gehandelt haben.

Vorwurf lautet auf Totschlag

So habe der 19-Jährige seiner „Verflossenen“ angeblich weiter nachgestellt und sie kontaktiert. Der 17-Jährige – der aktuelle Freund des Mädchens – habe das nicht hinnehmen wollen. Daher sei eine Aussprache am Bahnhof in Salmünster vereinbart worden. Mies, der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Hanau, hatte im September auf Anfrage bestätigt, dass ein Mädchen Anlass für die dann tödlich verlaufene Auseinandersetzung gewesen sein könnte.

Im Januar hatte die Staatsanwaltschaft dann offiziell beim Landgericht Anklage gegen den mutmaßlichen Messerstecher erhoben. Der Vorwurf lautet auf Totschlag. Doch der 17-Jährige wird ab heute nicht alleine auf der Anklagebank sitzen. Ein gleichaltriger Freund muss sich ebenfalls vor der Jugendkammer verantworten. Er soll die Tatwaffe gestellt haben.

Oberstaatsanwalt Mies verwies auf seine früher gemachten Aussagen, verwies jedoch auf die von der 2. Großen Jugendkammer verfügte Nichtöffentlichkeit der Verhandlung. Daher dürften keine weiteren Details zum Tathergang bekannt gegeben werden. Zur Aufklärung des Falls hat die Kammer zunächst fünf Verhandlungstage angesetzt. Es ist davon auszugehen, dass die Justizbehörden die Öffentlichkeit nach Ende des Verfahrens über das Ergebnis unterrichten werden.

Innerhalb von fünf Jahren ist der Bahnhof der beschaulichen Kurstadt im Kinzigtal damit zum dritten Mal im Fokus der Justiz. Im September 2013 hatte dort eine Fahrkartenautomatensprenger-Bande ihren durch eine Explosion verletzten Komplizen zum Sterben abgelegt und seinem Schicksal überlassen. Die beiden Männer waren in zwei Prozessen vom Landgericht Hanau wegen versuchten Mordes zu sechs Jahren und acht Monaten sowie vier Jahren und zehn Monaten verurteilt worden.

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