Karlsruher Urteil zu Hartz-IV-Sanktionen
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Wegen der Corona-Krise sin die Anträge auf Hartz IV im Main-Kinzig-Kreis extrem angestiegen.

Kleinstbetriebe und Solo-Selbstständige trifft es am härtesten

Corona-Krise: 300 Prozent mehr Hartz-IV-Anträge - Vor allem Selbstständige betroffen

„Wie erwartet schlägt sich der durch die Corona-Krise ausgelöste konjunkturelle Einbruch auch beim Kommunalen Jobcenter des Main-Kinzig-Kreises nieder“, vermeldet Susanne Simmler, Verwaltungsratsvorsitzende des KCA. So sei im April die Zahl der Neuanträge auf deutlich über 1300 angestiegen.

„Das entspricht einem Anstieg auf fast 300 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat“, weiß Michael Krumbe, Vorstandsvorsitzender des KCA. Diesen Zuwachs habe das Jobcenter bislang gut bewältigen können.

„Wir wissen um die existenzielle Not vieler Menschen in der gegenwärtigen Lage. Daher ist es unser Anspruch, dass wir innerhalb kürzester Zeit über einen Neuantrag entscheiden“, so Krumbe. Das sei möglich, weil man intern personelle Ressourcen verschoben habe und dank der temporär befristeten, rechtlichen Vereinfachungen im SGB II durch das sogenannte Sozialschutz-Paket.

Zahl der Anträge von Selbstständigen verzehnfacht sich

Besonders gravierend sei die Situation bei Selbstständigen. „Wir beobachten im April das Zehnfache der SGB-II-Neuanträge von Menschen, die mit ihrer selbstständigen Tätigkeit nicht mehr ihren Lebensunterhalt bestreiten können.“ Diese Entwicklung sei nicht überraschend, so Sozialdezernentin Simmler. „Gerade sogenannte Solo-Selbstständige und Kleinstbetriebe haben der ökonomischen Krise wenig entgegenzusetzen.“

Mittelfristig gelte es für das KCA-Jobcenter, Lösungsansätze zu entwickeln, wie man diesen leistungsbereiten und unter normalen Umständen von staatlichen Transferleistungen unabhängigen Betroffenen schnellstmöglich wieder auf die Beine helfen könne.

Corona-Lockerungen: Termine bei Jobcenter wieder möglich

Da sich die Infektionszahlen stabilisieren und das öffentliche Leben in Deutschland langsam wieder Fahrt aufnimmt, ermöglicht auch das KCA-Jobcenter – im Einklang mit der Verwaltung des MKK – seit dem 4. Mai wieder Terminvereinbarungen. Wichtig sei dabei, so Krumbe, dass Menschen mit einem Anliegen zwingend vorab einen Termin abstimmen und sich vom Jobcenter be-stätigen lassen müssten.

„Persönliche Termine möchten wir auf die Fälle eingrenzen, wo dies unabdingbar ist“, macht Krumbe die Strategie seines Hauses deutlich. Die Corona-Krise schlägt sich in der Arbeitslosenquote nach dem SGB II im April noch nicht nieder. Diese verharrt stabil bei 2,7 Prozent. Das entspricht im April 2020 exakt 6241 Arbeitslosen. Es ist davon auszugehen, dass sich im Folgemonat ein deutlich anderes Bild ergeben wird. Die Anzahl der Leistungsbezieher im SGB II betrug bislang 24 624 Personen. jow

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