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Planungen für hessisches Apfelweinmuseum werden konkret

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Oberbürgermeister Claus Kaminsky, ACH-Vorsitzender Jörg Stier, Erste Beigeordnete Susanne Simmler und Landrat Thorsten Stolz freuen sich auf das 1. Hessische Apfelweinmuseum. Foto: Seifert
Oberbürgermeister Claus Kaminsky, ACH-Vorsitzender Jörg Stier, Erste Beigeordnete Susanne Simmler und Landrat Thorsten Stolz freuen sich auf das 1. Hessische Apfelweinmuseum. Foto: Seifert

Region Hanau. Das Projekt 1. Hessisches Apfelweinmuseum des Vereins Apfelwein-Centrum-Hessen (ACH) in Hanau ist einen entscheidenden Schritt voran gekommen. Main-Kinzig-Kreis und Stadt Hanau werden das Vorhaben mit insgesamt bis zu 75 000 Euro bezuschussen, sagten Landrat Thorsten Stolz und Oberbürgermeister Claus Kaminsky zu.

Von Thomas Seifert

Hinter dem Main-Genuss-Laden der Bischofsheimer Kelterei Stier, direkt neben dem Hotel „Riesen“, soll mit einem Zugang durch die Verkaufsräume auf über 40 Quadratmeter die „einmalige Apfelweinkultur in Hessen“ dargestellt und „die wechselhafte Historie in die heutige Zeit übersetzt werden“, betonten ACH-Vorsitzender und der Maintaler Keltermeister Jörg Stier bei der Vorstellung der Pläne.

Bembel, Deckel und GerippteVorgesehen ist, dass nicht nur der größte Bembel und das größte Gerippte der Welt zu bestaunen sein werden, sondern drei Ausstellungsbereiche auf die Besucher warten sollen. Ein Bereich wird allgemeine Informationen zum hessischen Nationalgetränk samt seiner Geschichte und Herstellung beinhalten. Zweitens werden unter dem Titel „Bembel, Deckel und Gerippte“ auch verschiedenste Gefäße zum Ausschank und Genuss des „Stöffche“ präsentiert, wobei auch das Anfassen der Exponate möglich gemacht werden soll. Und ein dritter Bereich befasst sich mit der internationalen Bedeutung des Apfelweins und seiner ökonomischen, ökologischen aber auch regionaltypischen Dimensionen.

„Das 1. Hessische Apfelweinmuseum wird eine Bereicherung für die Museumslandschaft in der Stadt Hanau und im Main-Kinzig-Kreis. Als ich das erste Mal von dem Projekt vor eineinhalb Jahren gehört habe, war mir sofort klar, dass der Kreis hier helfend bei der Realisierung beteiligt sein muss. Nach meiner Wahl als Landrat haben die Erste Beigeordnete Susanne Simmler und ich das Projekt im Kreisausschuss vorgestellt, und der hat 45 000 Euro Zuschuss bewilligt“, stellt Landrat Thorsten Stolz fest. Mit diesem Geld wolle der Kreis „die im positiven Sinne verrückten Mitglieder“ des ACH unterstützen, die mit viel Eigenarbeit und Engagement dieses Projekt realisieren wollen.

Museum passt bestens in die RegionStolz verwies auf die ökologischen Funktion der Streuobstwiesen, der Grundlage für heimischen Apfelwein. „Ein Teil der größtes zusammenhängenden Streuobstwiesengebiets in Hessen mit 320 Hektar zwischen Bergen-Enkheim und Maintal-Hochstadt gehört zum Main-Kinzig-Kreis, das Museum passt also bestens in die Region“, stellt Stolz fest. Er verwies darauf, dass der Kreis zur Pflege dieser Tradition 6000 Baumschnitte und 2500 Neuanpflanzungen von Obstbäumen finanziert habe. Dass im Museum auch für Umweltthemen sensibilisiert werden soll, findet die volle Unterstützung des Landrats.

„Der Magistrat hat einen Zuschuss von 15 000 Euro und eine Bürgschaft in derselben Höhe beschlossen. Zudem darf der Verein ACH auf Materialien der Apfelweinausstellung zugreifen, die im Steinheimer Marstall zu sehen war“, kündigte Oberbürgermeister Claus Kaminsky an. Für die Standortwahl des 1. Hessischen Apfelweinmuseums könne sich die Stadt nur bedanken, zumal mit Hotelier Knof ein Mann involviert sei, der am Heumarkt als „Frontkämpfer“ für ein besseres Umfeld unterwegs sei. „Das Museum wird weiter positive Akzente in diesem nicht ganz unproblematischen Umfeld schaffen“, glaubt der Rathauschef.

Touristisches AushängeschildZugleich sicherte OB Kaminsky den Machern vom ACH auch die Unterstützung bei Werbung und Marketing zu, denn „das Museum wird für die Stadt ein weiteres touristisches Aushängeschild“. Und das ohne Folgekosten für die Stadt, denn der laufende Betrieb werde durch die Öffnungszeiten des Main-Genuss Ladens und durch die Mitglieder gewährleistet.

„Ich verfolge die Vereinsarbeit schon seit Jahren. Gerade auch für das Ziel des Kreises, regionale und lokale Produzenten von Lebensmitteln zu unterstützen, ist das Projekt förderlich. Zeigt es doch, wie ein regionales Produkt wie Apfelwein nur hergestellt werde kann, wenn das Umfeld stimmt und es frisches Obst aus der Region gibt“, betonte Susanne Simmler. Deshalb passe das Konzept des ACH in die Strategie des Kreises, der vor kurzem im Forum in Gelnhausen einen „Regionalladen“ eröffnet hat, wo Produkte aus der Region angeboten werden.

Vorgespräche mit Museumsplanern„Wir sind noch in Vorgesprächen mit Museumsplanern, können voraussichtlich Ende Januar/Anfang Februar einen genaueren Zeitplan vorstellen“, so der ACH-Vorsitzender Jörg Stier, der darauf hinwies, dass die Mitglieder schon einiges an inhaltlicher Vorarbeit geleistet hätten. „Für uns ist neben der finanziellen Hilfe für das 90 000-Euro-Projekt, wofür wir uns natürlich bedanken, auch die ideelle Hilfe sehr wichtig. Denn wir werden Sponsoren benötigen, um das 1. Hessische Apfelweinmuseum realisieren zu können“, so Stier.

Exponaten, Fotos, Grafiken, Texte und Materialien werden in den Räumen des Museums präsentiert, die aber auch für Lesungen, Vorträge oder Kunstausstellungen genutzt werden sollen, um so noch mehr Besucher anzulocken, betonte Stier. Er stellte im selben Atemzug auch klar, dass das Hanauer Museum kein Ersatz oder eine Konkurrenz zu einem großen Apfelweinmuseum in Frankfurt sein wolle und könne: „Frankfurt und Hessen brauchen dieses Museum, aber wann es denn Realität wird, steht derzeit noch in den Sternen“, meinte der Maintaler Keltermeister.

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