Landrat Erich Pipa (rechts) nimmt im Interview Stellung zur Sommerbühne in Wächtersbach. Archivfoto: Backhaus-Arnold

Wächtersbach

Pipa im Interview: "Sommerbühne in Wächtersbach macht Sinn"

Wächtersbach. Es ist das Reizthema seit Wochen: Landrat Erich Pipa (SPD) hat den Bau einer 600 Plätze fassenden Sommerbühne in Wächtersbach vorgeschlagen. Nun regt sich Widerstand in der Bevölkerung. Diesem stellt sich Pipa im Interview.

Von Thorsten BeckerAuf politischer Ebene ist es im Vorfeld der nächsten Kreistagssitzung am Freitag, 5. Mai, auch zum Topthema geworden. Sachliche Vorschläge haben Bündnis 90/Grüne vorgelegt, die eine neue Standortauswahl sowie einen Bürgerentscheid befürworten.Die FDP schlägt die Nutzung der wenige Kilometer entfernten Sommerbühne in Bad Soden mit 200 Sitzplätze vor.  Nach der Kritik und der ausführlichen Diskussion ist es nun Zeit, den Initiator zu Wort kommen lassen. Die Fragen an Landrat Pipa hat Thorsten Becker gestellt.

Herr Pipa, Sie setzten sich vehement für eine Sommerbühne in Wächtersbach ein. Wieso eigentlich?„Der Main-Kinzig-Kreis verfügt über eine lebendige Kulturszene, über viele Musik- und Theater-Gruppen. Was uns aber in der Kreismitte fehlt, ist eine zentrale Bühne im Freien, für Konzerte, für Theater, für Kleinkunst. Eine Bühne für die Sänger, für die Solokünstler, für die Gruppen aus den Vereinen, aus Wächtersbach und natürlich darüber hinaus.Diesen Wunsch habe ich von vielen Vereinsvertretern gehört, mit denen ich mich in den letzten Jahren unterhalten habe. Wir haben natürlich Bürgerhäuser und Dorfgemeinschaftshäuser, wir haben auch kleinere Spielstätten im Freien. Aber für die besonderen kulturellen Ereignisse mit größerem Publikum, gerade in der wärmeren Jahreszeit, fehlt eine Bühne. Und bisher hat auch die Initiative gefehlt, so ein Projekt tatsächlich voranzubringen.“Nach der ersten Vorstellung der Pläne hat sich vor allem in der Wächtersbacher Altstadt der Widerstand formiert. Macht eine Sommerbühne dort noch Sinn?„Zunächst einmal vorangestellt: In der Altstadt gibt es auch Bürger, die sich dagegen verwahren, dass die Kritiker auf Facebook und in Leserbriefen in ihrer aller Namen sprechen. Die Sommerbühne in Wächtersbach macht Sinn. Es ist zunächst völlig nachvollziehbar, dass einige Fragen aufkommen.Genauso muss jeder, der sich jetzt in die Diskussion einklinkt, fairerweise respektieren, dass nicht jede einzelne Frage schon in vollem Umfang beantwortet werden kann. Dafür befinden wir uns noch in einer zu frühen Phase des Projekts. Ich werbe aber dafür, eine Sommerbühne in der Altstadt als echte Chance zu begreifen. Das Gelände nahe des Schlosses wird im Moment ohnehin neu beplant und eine Reihe von Wächtersbachern wünschen sich eine Belebung der Altstadt.Nun bietet sich der Stadt die Möglichkeit, einen echten Anziehungspunkt finanziert zu bekommen. Diese Chance haben schon mehrere Bürger in Wächtersbach erkannt. Auf ihre Mitarbeit kommt es auch an, gerade für die Detailplanung, die nach den Grundsatzbeschlüssen beginnen kann.Übrigens sagen auch Unternehmer aus der Stadt und der näheren Umgebung, dass eine solche Bühne Sinn machen würde, gerade mit Blick auf die Anwerbung von Angestellten und Fachkräften. Kultur ist eben ein weicher Standortfaktor. Wir können mehr bieten als andere Teile der Region, wenn wir es nur wollen.“

Die FDP hat nun Bad Soden-Salmünster als Alternativstandort ins Spiel gebracht. Gibt es aus Ihrer Sicht noch weitere Standorte?„Ein externer Gutachter hat in einer Vorprüfung insgesamt fünf Standorte näher betrachtet. Im Ergebnis hat das Schlossparkgelände bei den Autoren klar die Nase vorn gehabt, gerade auch, was das Ambiente anbetrifft. Für diesen Standort sprechen die Perspektiven des Umfelds, die vorhandene Infrastruktur, die Lage am Hang und nicht zuletzt die Mitbewirtung durch die Schloss-Gastronomie.Solche Vorteile haben andere Standorte nicht, auch nicht die, die in den letzten Tagen vorgeschlagen wurden, etwa am ehemaligen EU-Mittelpunkt in Gelnhausen. Ich habe gelesen, dass die FDP jetzt an die Spielstätte in Bad Soden-Salmünster mit 200 Plätzen erinnert hat. Ich wundere mich, dass Herr Saß dort von zu niedriger Auslastung spricht, um aber gleichzeitig zu erklären, dass er genau diese Auslastungsquote jetzt erst mal im Rathaus erfragen will.Mit Bürgermeister Lothar Büttner hat er vor der Presseveröffentlichung überhaupt nicht gesprochen. Der hätte ihm schon gesagt, was er von den FDP-Plänen hält: nämlich nichts. Wie seriös sein Vorstoß daher ist, kann jeder für sich selbst entscheiden.“

Die Grünen haben für die Kreistagssitzung am 5. Mai einen Änderungsantrag eingebracht und befürworten einen Bürgerentscheid bei diesem Thema.„Ich kenne bisher nur die Ankündigung der Grünen, nicht den Antrag selbst, weil er bis dato noch gar nicht eingereicht worden ist. Gegen Bürgerentscheide habe ich nichts einzuwenden. Im Gegenteil, ich habe das bereits selbst vorgeschlagen. Aber für einen Entscheid müssen doch erst die Fakten auf dem Tisch liegen. Es muss schon klar sein, wofür oder wogegen man ganz konkret ist.“

Nun steht im Kreistag die Grundsatzentscheidung an. Glauben Sie, dass Sie trotz der wochenlangen Diskussion eine Mehrheit haben?„Es gibt im Kreistag seit dem vergangenen Jahr keine festen Mehrheiten mehr, deshalb kann ich mir da nicht sicher sein. Sicher ist aber: Ich trete für ein gutes Projekt an einem geeigneten Ort mit starken Argumenten ein. Ich hoffe, dass es sich in einer sachlichen Diskussion durchsetzen wird.“

Die Investitionskosten sollen rund 1,8 Millionen Euro betragen. Wo nimmt der Kreis überhaupt das Geld her?„Die Mittel sind Haushaltsrestmittel aus dem vergangenen Jahr, teils aus dem Kreisausgleichsstock, teils aus Überschüssen von 2016. Sie bieten uns einmalig die Gelegenheit, hiermit in die Attraktivität des Kreises zu investieren. Gleichzeitig werde ich dem Kreistag am 9. Juni vorschlagen, für die Städte und Gemeinden die Kreisumlage um einen halben Prozentpunkt zu senken. Das brächte alleine der Stadt Hanau eine Entlastung von über 460 000 Euro.“

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