Auf Friedhöfen in der Region hat der 44-jährige Hanauer sein Unwesen getrieben und mehrere Hundert Grablampen gestohlen. Symbolfoto: dpa

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Pietätlos: 44-jähriger Grablampen-Dieb aus Hanau verurteilt

Region/Alzenau/Hanau. Fast zwei Jahre nach dem ersten Hinweis hat nun die Justiz eine ungewöhnliche Diebstahlserie aufgeklärt: Ein 44-jähriger Hanauer, der im weiten Umkreis Grablampen gestohlen hat, ist nun vom Amtsgericht Alzenau zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten verurteilt worden.

Von Thorsten BeckerDer Langfinger aus dem Lamboy hatte über mehrere Monate hinweg im Main-Kinzig-Kreis sowie in Unterfranken bei Beutezügen auf Friedhöfen mehrere Hundert Grablampen gestohlen und das Metall „versilbert“.

Seit Juni 2017 hatten sich zunächst zwischen Hanau und Bad Orb die Fälle gehäuft, dass Angehörige die meist aus kupferhaltigem Rotguss bestehenden Lampen nicht mehr auf den Gräbern fanden.

Doch auf dem Friedhof in Hörstein wurde der Grablampendieb dann von einer Zeugin beobachtet. Unglaublich: Der 44-Jährige hatte seine minderjährige Tochter dabei, als er mitten in der Nacht über den Friedhof schlich und stahl.

Der Hinweis der Zeugin landete auf den Schreibtischen der Polizeiinspektion in Alzenau. Und die Beamten sorgten Ende November 2017 dafür, dass der Spuk auf den Friedhöfen auf beiden Seiten der hessisch-bayerischen Grenze schnell beendet wurde.

Wohnung unter der Lupe

Sie rückten mit einem richterlichen Durchsuchungsbefehl an und nahmen die Wohnung des Hanauers unter die Lupe. Dort fanden sie insgesamt 230 Grablampen. Die Beweislast war so erdrückend, dass der 44-Jährige sofort ein Geständnis abgelegt hatte.

Nun kam, wie das „Main-Echo“ berichtet, das ganze Ausmaß der Beutezüge ans Licht. So bezeichnete die Staatsanwaltschaft Aschaffenburg die sichergestelle Menge als „Spitze des Eisbergs“.

Denn im Zuge der Ermittlungen waren die Beamten auf Wiegescheine eines süddeutschen Schrotthändlers gestoßen, der auf Lieferungen über mehrere Tonnen Metall schließen lassen.

Auch andere Metalle verwertet

Neben den gestohlenen Grablampen soll der 44-Jährige auch anderes Altmetall verwertet und dafür rund19 000 Euro kassiert haben. Dass die Diebstähle auf Friedhöfen begangen wurden, wertete das Amtsgericht Alzenau als besonders verwerflich und „pietätlos“ und verurteilte den Hanauer wegen besonders schweren Diebstahls. Nur, weil er sofort geständig und bislang nicht vorbestraft war, wurde die Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt. Dafür muss er 250 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Seine drei Jahre jüngere Partnerin, die von den Beutezügen wusste, kam wegen Beihilfe mit einer Geldstrafe von 1000 Euro davon.

Nach der Verurteilung in Bayern droht dem 44-Jährigen zudem noch weiteres Ungemach aus Hessen. Wie während der Verhandlung bekannt wurde, ermitteln die Behörden in Hanau nun wegen Sozialbetrugsgegen den Hartz-IV-Empfänger, der trotz der lukrativen Einnahmequelle weiterhin Leistungen kassiert haben soll.

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