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Im Namen des Herren unterwegs: Pfarrerin Dr. Elisabeth Krause-Vilmar (von links), Pfarrerin Johanna Ruppert und Pfarrer Dr. Steffen Merle waren an Christi Himmelfahrt mit einer „Anhängerkirche“ durch Gronau, Niederdorfelden, Oberdorfelden und Kilianstädten gelaufen, um den Menschen Gottes Segen zuzusprechen.

Gottesdienst auch in der Corona-Krise

Segen on Tour: Evangelische Pfarrer mit Miniaturkirche in Gemeinden unterwegs

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„Wenn die Leut´ net in die Kirch´ kommen, dann kommt die Kirch´ halt zu de Leut,“ freuten sich an Christi Himmelfahrt viele Menschen in Gronau, Niederdorfelden und in den Schönecker Ortsteilen Oberdorfelden und Kilianstädten.

Die evangelischen Pfarrerinnen Dr. Elisabeth Krause-Vilmar sowie ihre Kollegin Johanna Ruppert aus Oberdorfelden und Pfarrer Dr. Steffen Merle waren mit einer Miniatur der Gronauer Kirche in den Gemeinden unterwegs, um „allen Menschen am Wegesrand Gottes Segen zuzusprechen.“

Glockenläuten vom Smartphone

Das Glockenläuten, das in diesem Fall nicht vom Kirchturm, sondern aus dem Smartphone ertönte, kündigte den kleinen Umzug schon von weitem an. Entlang der Route wurden die evangelischen Pfarrer von vielen Gemeindemitgliedern freudig begrüßt, viele Menschen waren auch überrascht. „Super Idee!“ hieß es oder „Des is´ ja sensationell!“ oder „Bleibt gesund!“ Nur in der Richard-Wagner-Straße in Kilianstädten war die Enttäuschung groß, als auch gegen 12.40 Uhr die Kirche immer noch nicht vorbeigekommen war - wahrscheinlich wegen einer kurzfristigen Routenänderung.

„Ich hatte mich so sehr gefreut. Ich kann ja gar nix, nicht einmal einkaufen“, sagte eine ältere Dame, die ihren Namen nicht nennen wollte. Sie hatte ihren Mundschutz extra eingepackt, „falls doch mehr Menschen gekommen wären. Eine Stunde lang hatte sie mit Rollator und etwa zehn Nachbarn schon vor ihrem Haus gewartet, aber es sei niemand gekommen.

Miniaturkirche wird auf Anhänger durch die Straßen gezogen

Dabei war „Segen on Tour“ gerade für Menschen wie sie gedacht, die nicht zur Kirche kommen können. Die Miniaturkirche, die als sichtbares Zeichen auf dem Anhänger durch die Straßen gezogen wurde, ist ein Geschenk der Schreinerei Wenzel aus Gronau an die Kirche. „Die Familie Wenzel ist seit Generationen eng mit der Kirche verbunden“, erläuterte Pfarrerin Krause-Vilmar, der 90-jährige Wenzel Senior sei Kirchenältester in der evangelischen Gemeinde.

An jedem Ort gab es an zentralen Plätzen, wie am Kirchplatz in Oberdorfelden oder auf dem Platz der Republik in Kilianstädten eine kleine Andacht. Die Pfarrer im „wehenden Talar“ gaben kurze Impulse zur besonderen Zeit und natürlich zur Bedeutung von Christi Himmelfahrt zwischen Ostern und Pfingsten. Pfarrerin Johanna Ruppert, Pfarrer Dr. Steffen Merle und Pfarrerin Dr. Elisabeth Krause-Vilmar sprachen Segensgebete für alle Bewohner.

Pfarrer wollen Lebenskraft weitergeben

„Der Segen kann Zuversicht, Geborgenheit und Halt schenken. Diese Lebenskraft wollten die drei Geistlichen in dieser schwierigen Zeit den Menschen durch ihre mutmachende Geste gern weitergeben. Seit Mitte März konnten sich die Gemeindemitglieder nicht mehr zum Gottesdienst versammeln. Erst dadurch wurde vielleicht vielen Menschen bewusst, wie wichtig es ihnen ist, sich in einen Lebenszusammenhang zu stellen, sich zu ordnen.

„Zu Hause allein das Vater unser zu beten reicht eben nicht, um sich zu ordnen“, sagte Pfarrer Merle. Christi Himmelfahrt, dieser „merkwürdige Feiertag“ erinnere an die Ubiquität, an die Allgegenwart des Auferstandenen. „Wäre Jesu nicht in den Himmel aufgefahren, so könnt er nicht allgegenwärtig sein.“ Christus bleibe nicht auf die Erde beschränkt, sondern Himmel und Erde gehörten zusammen. „Wir stehen da wie die Jünger damals, blicken zum Himmel und fragen uns, wie es weitergehen könne“, so der Pfarrer.

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