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Orgel in Steinau: Deutschlandweite Rarität wird restauriert

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Freuen sich über die anstehende Renovierung der Orgel in der Steinauer Katharinenkirche (von links): Thomas Maus, Jörn Kring, Thomas Wurzel, René Leipold, Pfarrer Wilhelm Laakmann, Martin Mascha, Markus Harzenetter, Bernhard Buchstab und Klaus Vogt. Foto: Julia Kreß
Freuen sich über die anstehende Renovierung der Orgel in der Steinauer Katharinenkirche (von links): Thomas Maus, Jörn Kring, Thomas Wurzel, René Leipold, Pfarrer Wilhelm Laakmann, Martin Mascha, Markus Harzenetter, Bernhard Buchstab und Klaus Vogt. Foto: Julia Kreß

Steinau. Nachdem vor eineinhalb Jahren die Renovierung des Chorraums der Steinauer Katharinenkirche abgeschlossen wurde, steht nun die Orgel der evangelischen Kirche am Kumpen in Steinau im Fokus.

Von Julia Kreß

„Wir freuen uns über die Unterstützung; die Kirchengemeinde selbst könnte die Restaurierung der Orgel alleine nicht stemmen„, sagte Steinaus Pfarrer Wilhelm Laakmann – trotz der vor drei Jahren gesammelten Spenden von 85 000 Euro, die über den Kirchenerhaltungsfonds der Landeskirche verdoppelt wurden.„Die Steinauer lieben ihre Orgel – wenn sie wieder gestimmt ist, bestimmt auch wieder wegen ihres Klanges“, fügte Laakmann lachend an.20 000 Euro zur UnterstützungEben jene Unterstützung – 20 000 Euro – erhält die Kirche innerhalb des Orgelförderprogramms der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. Nun wurde der Bewilligungsbescheid überreicht. „Die Orgel ist das zentrale Ausstattungselement von Kirchen, sie gehört dazu“, meint Dr. Markus Harzenetter, Präsident des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen. „Uns ist daran gelegen, diese technischen Denkmäler zu restaurieren und zu erhalten. Sie haben mit ihrem individuellen Klang auch einen immateriellen Aspekt, den es zu bewahren gilt“, sagt der Präsident.

„Unser Ziel ist es, hessenweit Restaurierungen anzuschieben, die von den Kirchengemeinden kaum alleine getragen werden können“, erklärt Dr. Thomas Wurzel, Geschäftsführer der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen. Seit 2001 werden nun jährlich fünf bis acht Orgeln gefördert, rund 100 waren es schon – bald ist auch die Orgel der Katharinenkirche unter ihnen.„Wollen Kirche zum kulturellen Zenrum weiterentwickeln“„Die Katharinenkirche ist quasi nur unsere Zweitkirche, hier hat schon der Großvater der Grimms gepredigt“, erzählt Pfarrer Laakmann. Seit einiger Zeit sei die Katharinenkirche als „Kulturkirche“ angelegt – hier finden Konzerte, Kabarett, Theater oder auch Kindergartenfeste statt. „Wir wollen die Kirche zum kulturellen Zentrum weiterentwickeln, ein konfessionsübergreifender Ort“, sagt Laakmann.

Der Pfarrer berichtete über die Geschichte der Orgel, die bis 1989 noch auf einer Empore im Chor stand und erst dann in den Chorraum hinter den Altar verlegt wurde. „Doch hier steht sie unglücklich, denn der Klang verfängt sich im Chorraum und kann sich nicht richtig entfalten“, berichtet Laakmann.Ort noch unklarDaher werde überlegt, die Orgel wieder auf einer Empore in den hinteren Bereich der Kirche zu verlegen. „So verbessert sich der Klang und der Chorraum kann anders genutzt werden“, so Laakmann.

Die Prüfung einer möglichen Empore sei derzeit noch im Gange, ein Urteil wird erst im Oktober erwartet. Dennoch beginnt die Restaurierung schon: Ein Gutachten wurde erstellt, dem Orgelbauer Mebold aus Siegen bereits der Auftrag erteilt. „Wir rechnen mit Kosten von 130  000 Euro wenn die Orgel im Chorraum bleibt und mit 210  000 Euro, wenn sie auf eine Empore verlegt wird“, informiert Steinaus Pfarrer.Deutschlandweite RaritätOrgelbauer Dr. Bernhard Buchstab vom Landesamt für Denkmalpflege spricht von einem „wunderbaren Projekt“. Die Orgel habe eine bewegte Geschichte hinter sich. „Sie hat ein frühbarockes Prospekt aus dem Jahr 1682, das bei ihrem Neubau 1834 wieder eingesetzt wurde. Das Orgelwerk im Gehäuse ist etwa hundert Jahre jünger“ erklärt der Orgelbauer. Die Orgel stammt aus dem Hause der Orgelwerkstatt von Georg Link aus Hohenzell, dessen Firma nur für etwa 50 Jahre bestand.

Was die Steinauer Orgel zu einer deutschlandweiten Rarität macht, ist der Einbau des Registers Harmonium 8, da nur wenige Orgelbauer die Instrumente Orgel und Harmonium miteinander kombiniert haben.Zeitfenster von dreieinhalb JahrenZur Wiederinstandsetzung der Orgel gehört eine gründliche Ausreinigung des Instruments, eine Restaurierung des Pfeifenmaterials sowie eine Reparatur der angezeigten Defekte und Unzulänglichkeiten an den grundlegenden Teilen der Spiel- und Windanlage.

Laakmann gibt der Restaurierung ein Zeitfenster von dreieinhalb Jahren – „dann bin ich pensioniert“, sagt er mit einem Augenzwinkern. „Ich denke, dass wir Ende 2018 mit allem fertig sind“.

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