NRW-Familienminister: Keine bundeseinheitliche Kita-Öffnung
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Die Kitas in den Kommunen der Region stehen vor dem Neustart am 2. Juni vor großen Herausforderungen.

Corona-Krise

Von Normalität noch weit entfernt: Wie die Wiederöffnung der Kitas am 2. Juni in den Kommunen der Region aussehen wird

Zurück zur Normalität – das wünschen sich die meisten Eltern mit Kindern im Kita-Alter. Ab kommendem Dienstag, 2. Juni, soll es mit der Öffnung der Einrichtungen einen ersten Schritt in diese Normalität geben.

Das Land Hessen beziehungsweise das zuständige Sozialministerium nennt es eingeschränkten Regelbetrieb. Doch können die Städte und Gemeinden der Region die damit verbundenen Hygiene-Auflagen und logistischen Herausforderungen bis zum 2. Juni umsetzen? Und wenn ja, wie? Das haben wir exemplarisch bei einigen Rathäusern in der Region abgefragt. Zudem informiert die Stadt Hanau in einer Mitteilung über den geplanten Kita-Neustart. Am 2. Juni beginnt in Hanau die Betreuung der rund 900 Vorschulkinder: Sie gehen jeden Tag für vier Stunden in die Kita. Im Rahmen des Vorschulprojektes werden sie auf Schule in Corona-Zeiten vorbereitet. Ihre Betreuung endet am Freitag, 19. Juni. Am Montag, 22. Juni, folgen die Kindergartenkinder (etwa 2500; etwa zwei bis sechs Jahre alt). Sie werden täglich zu eingeschränkten Zeiten von 8 bis 13 Uhr betreut und erhalten ein Mittagessen (Ganztagsplatz). Die Kinder mit Halbtagsplatz werden von 8 bis 12 Uhr betreut.

Bei den Planungen bereitet das aktuelle Infektionsgeschehen den Verantwortlichen Kopfzerbrechen: Viele der Besucher des Baptistengottesdienstes in Frankfurt leben in Hanau oder haben familiäre Verbindungen hierher. „Das müssen wir genau im Blick behalten. Sicherheit geht hier ganz klar vor“, bekräftigt Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) in der Mitteilung seine Überzeugung. Die Planungen für den Wiedereinstieg am kommenden Dienstag blieben zwar erst einmal bestehen, aber wenn die Infektionsrate in Hanau dramatisch steige, werde man den Start verschieben. Noch offen ist die Frage von Neuaufnahmen und Hortbetreuung. Hier könne man erst nach dem Infektionsverlauf eine Entscheidung über Anzahl und Standorte treffen. 

Großkrotzenburgs Bürgermeister findet die Formulierungsänderung des Landes „sehr kreativ“

In Niederdorfelden werden ab 2. Juni vorrangig die Vorschulkinder aufgenommen. Darüber hinaus noch freie Plätze vergeben die Kita-Leitungen nach der Rangfolge des Geburtsdatums und unter Berücksichtigung des Kriterienkataloges des Main-Kinzig-Kreises vom 25. Mai (zum Beispiel Eltern, die beide berufstätig sind oder Familien, die sozial und wirtschaftlich benachteiligt sind. „Wir können in allen drei Kindertagesstätten auf jeden Fall alle Vorschulkinder aufnehmen“, so Bürgermeister Klaus Büttner (SPD). Alle drei Einrichtungen bieten die Betreuung in der Zeit von 7 bis 15 Uhr an. In der bisherigen Notbetreuung werden derzeit 27 Kinder betreut, das entspreche sind 17 Prozent der angemeldeten Kinder. Ab 2. Juni können unter Berücksichtigung der Reduzierung der Gruppengröße rund weitere 50 Plätze zur Verfügung gestellt werden, sodass für alle drei Kindertagesstätten zwischen 70 und 78 Plätze für die Ü3-Betreuung zur Verfügung stehen. „Da die derzeit bestehende Notbetreuung weiterhin gewährleistet werden muss und zusätzlich vorrangig die Vorschulkinder aufgenommen werden, verbleibt leider nur ein sehr geringes Platzangebot für die darüber hinaus noch zur Verfügung stehenden Plätze“, so Büttner. 

Als „sehr kreativ“ bezeichnet Großkrotzenburgs Bürgermeister Thorsten Bauroth (parteilos) die Formulierungsänderung des Landes vom „Notbetrieb“ in den „eingeschränkten Regelbetrieb“. „Wir haben viele Anfragen von den Eltern, denen wir aber mitteilen müssen, dass sich außer der Bezeichnung nicht allzu viel ändern werde.“ Denn in den Kitas der Gemeinde könne wegen der Hygieneregeln kein 100-prozentiger Betrieb angeboten werden. „Was wir tun können, ist die Gruppenstärke leicht zu erhöhen. Wir haben meist 25 Kinder in einer Gruppe. Am 2. Juni könnten es dann 13 sein“, so Bauroth. 

Timo Greuel: Einen Schichtbertrieb soll es in Langenselbold nicht geben

Da die Informationen das Rathaus „sehr kurzfristig“ erreicht hätten, werde es für die Stadt Langenselbold nicht möglich sein, den eingeschränkten Regelbetrieb zum 2. Juni umzusetzen, lässt der Erste Stadtrat und designierte Bürgermeister Timo Greuel (SPD) mitteilen. Um eine angemessene Betreuung gewährleisten zu können, will die Verwaltung den Bedarf der Eltern ermitteln. Dazu wird bis einschließlich 2. Juni um 12 Uhr eine Abfrage durchführen. Der Vordruck für diese Abfrage wird online und in den Kitas bereitgestellt. Eine Öffnung unter den Kriterien der neuen Verordnung wird zum 4. Juni erfolgen, so Greuel. 

Die einzelnen Gruppen werden mit einer Kapazität von 50 Prozent belegen werden können. Die Einrichtungen Krippenhaus Löwenzahn, Rödelberg, Pusteblume und Buchbergblick werden bis zu den Sommerferien von 8 bis 15 Uhr öffnen. Das Horthaus Kinderinsel hingegen wird von 7 bis 16.30 Uhr geöffnet sein. Dies habe den Hintergrund, dass es im Horthaus, anders als in den Kindertagesstätten, zu keiner Vermischung von verschiedenen Altersgruppen kommt. Die Hygienevorschriften könnten mit Kindern im Grundschulalter einfacher eingehalten werden. Einen „Schichtbetrieb“ werde es nicht geben. Die Betreuung soll in möglichst konstanten Gruppenzusammensetzungen und stets durch dasselbe pädagogische Personal erfolgen. „Zudem möchten wir den Eltern während der eingeschränkten Regelbetreuung die nötige Flexibilität bieten, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf in dieser schwierigen Zeit so gut als irgend möglich herstellen zu können. Das alles wäre nach unserer aktuellen Einschätzung in einem ‘Schichtbetrieb’ nicht möglich“, so Greuel. 

Schejna: Man müsse berücksichtigen, dass nicht das gesamte Personal zur Verfügung steht

Der eingeschränkten Regelbetreuung ab dem 2. Juni stehe in der Einrichtung der Gemeinde nichts entgegen, teilt Ronneburgs Bürgermeister Andreas Hofmann (SPD) auf unsere Anfrage mit. Der Umfang dieser Betreuung ergebe sich, wie durch Kreis und Land festgelegt, aus den räumlichen, personellen und hygienischen Gegebenheiten der Einrichtung. „In unserer Gemeinde arbeitet ein erheblicher Anteil der Eltern der Einrichtung in systemrelevanten Berufen. Hieraus ergibt sich eine hohe Zahl an Kindern, die unsere Notbetreuung in Anspruch nehmen“, so Hofmann. „Aufgrund dieses hohen Anspruchs und Bedarfs werden wir weiterhin unsere Betreuung für diese Personen aufrechterhalten und nach Kapazität unserer Einrichtung die weiteren Plätze nach den Vorgaben von dem Land Hessen und dem Main-Kinzig-Kreis vergeben.“ Ein Schichtbetrieb werde nicht angestrebt. 

Zu den Vorbereitungen in Rodenbach antwortet Bürgermeister Klaus Schejna (SPD): „Wir versuchen, bei der Betreuung größtmögliche Flexibilität an den Tag zu legen. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass wir unsere derzeitigen Betreuungszeiten etwas anpassen, um die Personalkapazitäten bedarfsgerecht zur Verfügung stellen zu können. Denn wir müssen auch berücksichtigen, dass nicht das komplette Personal für die Betreuung zur Verfügung steht (Risikogruppe).“ Im Rahmen ihrer Möglichkeiten werde die Gemeinde eine kontinuierliche Kinderbetreuung auf die Beine stellen, „die auch der Lebenswirklichkeit weitgehend entspricht“.

Schöneck versucht möglichst viele Betreuungsplätze anzubieten

Gegen einen Schichtbetrieb spreche unter anderem die Vorgabe, dass – soweit möglich – ein Personalwechsel innerhalb der einzelnen Betreuungsgruppen vermieden werden soll. „Das schränkt unsere Möglichkeiten noch weiter ein“, so Schejna. „Uns rauchen schon die Köpfe, weil wir um die Notwendigkeit der Betreuung bei den Kindern und den Eltern wissen. Und wir haben den Anspruch, so viel Betreuung wie möglich anzubieten. Sicher wird es zwischen den einzelnen Einrichtungen aufgrund der räumlichen und personellen Voraussetzungen Unterschiede geben. Das Team der Kita-Leiterinnen ist sich aber mit mir einig, dass wir auch diese Aufgabe gemeinsam lösen werden“, so der Rathauschef. Geplant werde zunächst für den Zeitraum bis zum 5. Juli, anschließend würden die Planungen dynamisch an die Situation und Entwicklung angepasst. 

Die Gemeinde Schöneck bemüht sich nach Kräften, so viele Betreuungsplätze wie möglich anzubieten. Im Rahmen der Vorgaben und der zur Verfügung stehenden personellen Ressourcen sei jedoch ab dem 2. Juni eine gleichzeitige Betreuung von nur rund 50 Prozent der tatsächlich angemeldeten Kinder möglich. Es wurde daher festgelegt, dass alle Kinder, die sich nicht im Notdienst befinden (dieser bleibt im jetzigen Umfang bestehen), in einem zweiwöchigen Rhythmus die Kindertagesstätte täglich von 7 bis 13 Uhr besuchen können. das/fmi//leg/thb

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