Am Projekt Sommerbühne in Wächtersbach häuft sich derzeit die Kritik - auch über die Stadtgrenzen hinaus. Foto: PM

Wächtersbach

Negativstimmen zur Sommerbühne in Wächtersbach häufen sich

Wächtersbach. Der Plan, im Schlosspark eine Sommerbühne zu errichten, hat zu zwiespältigen Diskussionen weit über die Stadtgrenzen hinaus geführt. Bereits am 5. Mai soll der Kreistag über eine Beschlussvorlage zum Projekt abstimmen (wir berichteten). Kritiker zweifeln unterdessen weiterhin am tatsächlichen Nutzen für die Stadt.

Von Sebastian ZehNoch vor der Abstimmung möchte die Wächtersbacher Grünen-Fraktion mehr Klarheit zur Sommerbühne schaffen. Daher richtete die Fraktionsvorsitzende Eva Bonin einen Fragenkatalog an Fachbereichsleiter Nikolai Kailing.

„Wir gehen davon aus, dass es der Sache zuträglich ist, alle Fragen vor einer endgültigen Entscheidung im Kreistag zu beantworten – auch wenn das bedeutet, dass der ehrgeizige Zeitplan nicht eingehalten werden kann“, so Bonin.Finanzierung aus Sicht der Grünen noch unklar23 Fragen stellt die Fraktion dabei, unterteilt in die Themenblöcke „Naturschutz“, „Finanzierung“, „Benutzerkonzept“ und „Parlamentarischer Ablauf“. Die Fraktion hofft dabei unter anderem auf ein Naturschutzkonzept für die zum Teil mehr als 100 Jahre alten Pflanzen, die im Park nistenden Waldkäuze und Fledermäuse.

Auch sei aus Sicht der Grünen bisher nicht geklärt, wie das Projekt finanziert werden soll. Zu erwarten seien zunächst starke Defizite, ehe sich der Standort „als Marke etabliert“. Doch auch in der Folge sei nicht von einer Kostendeckung auszugehen. Das Hanauer Amphitheater, das für das Projekt als Vorbild gilt, fahre jährlich ein Defizit von etwa 63 000 Euro ein. Daher stelle sich Bonin die Frage: „An welcher Stelle soll dieses Defizit durch entsprechende Einsparungen gegenfinanziert werden?“Altstadtförderverein kritisiert ProjektZu den Kritikern des Projekts gehört auch der Altstadtförderverein Wächtersbach. In einer Pressemitteilung begründet der Vorstand diese Haltung unter anderem mit einer zu erwartenden Lärmbelästigung für Anwohner, die neben den Konzerten auch durch Aufbau oder Generalproben gestört werden könnten, so die Vorsitzende Enesa Aumüller.

Versprochene Vorteile stießen dabei auf wenig Interesse: „Als Schmankerl soll es für die Altstadtbewohner Freikarten geben. Wir brauchen keine Freikarten.“ Statt dessen appelliert der Verein bei der Standortfindung auf eine stärkere Rücksicht auf die betroffenen Anwohner.Alternatives Areal von Pipa ausgeschlossenDer Gelnhäuser Dirk Säufferer hatte sich indessen direkt an Landrat Erich Pipa gewandt und ihm einen alternativen Standort für die Sommerbühne in Gelnhausen Meerholz vorgeschlagen. Pipa schloss dieses Areal in seinem Antwortschreiben, das die Kreispressestelle unserer Zeitung zur Verfügung gestellt hat, jedoch aus. Die Erreichbarkeit sei aufgrund der infrastrukturellen Gegebenheiten in Meerholz eingeschränkt und bedeutete eine aufwändige Erschließung, so Pipa.

Die Anbindung des Veranstaltungsareals an einen historisch geprägten Ort hätte zudem Vorteile – Belege lieferten dazu etwa Bad Vilbel oder Bad Hersfeld. Da die geplante Schloss-Gastronomie bereits verkündet habe, die Bewirtung der Sommerbühne zu übernehmen, entstünden zudem „wichtige Synergieeffekte“, zu denen auch eine zu erwartende Belebung der Altstadt zähle.AfD und Freie Wähler unschlüssigEin erstes Gutachten hat laut Pipa zudem ergeben, dass hinsichtlich des Schallschutzes die Durchführung von Konzert- und Theaterveranstaltung unproblematisch sind. Eine Prognose zur Abstimmung des Kreistags kann derzeit noch nicht getroffen werden. Sowohl die Grünen-Kreistagsfraktion, als auch AfD und Freie Wähler äußerten sich unschlüssig.

So schrieb AfD-Sprecher Wolfram Maaß in einer Mitteilung, seine Fraktion „werde das Projekt ergebnisoffen beraten und dann entscheiden.“ Die Fraktion teile die Befürchtungen der Wächtersbacher bezüglich hoher Folgekosten und Problemen bei Lärm und Parkplätzen. Dass Pipa seine Idee bei einem Informationsabend nur noch als unverbindliches Angebot bezeichnet habe und einem abschließenden Bürgerentscheid zustimmte, zeige laut Maaß, „dass der voreilig vorgepreschte Landrat jetzt zurückgerudert ist.“Angefertigte Machbarkeitsstudie beinhaltet noch kein klares KonzeptDie Freien Wähler Main-Kinzig hatten sich in Wächtersbach ein Bild vom Areal gemacht. Im Gespräch mit Bürgermeister Andreas Weiher (SPD) erfuhren sie dabei unter anderem, dass die angefertigte Machbarkeitsstudie noch kein klares Konzept beinhalte, wohl aber einige Rahmenfaktoren berücksichtige. So wurde beispielsweise festgestellt, dass die Ausrichtung der Bühne nur in Richtung Stadtwald erfolgen kann, damit die Hanglage zur Schallminimierung genutzt werden könne.

„Vor einer abschließenden Entscheidungsfindung unserer Fraktion zu diesem Bauvorhaben sind gegebenenfalls auch noch Gespräche mit dem Förderverein Schloss+Park Wächtersbach zu führen“, so Carsten Kauck, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler. Für die Partei gelte weiterhin: Eine Entscheidung über derartige Projekte könne nur unter intensiver Einbindung der Bürger vor Ort getroffen werden.

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