So werden die Jungtiere im Wald am besten geschützt: "Carlotta vom Edlen Grund" wird von ihrem Herrchen an der Leine geführt. Foto: Ingbert Zacharias

Region Hanau

Naturschützer mahnen Hundebesitzer zur Leinenpflicht

Region Hanau. Ein Kleinkind spielt im Sandkasten, plötzlich taucht ein großes Tier mit gefletschten Zähnen auf – die Eltern, die ihre Sprösslinge auf dem Spielplatz schützen wollen, wären sofort panisch vor Angst.

Von Ingbert Zacharias

In der Tierwelt ist das nicht anders. Wie auf dem Spielplatz kann man sich die Situation vorstellen, die momentan in Feld und Flur jederzeit passieren könnte. Naturgemäß bringen im Frühjahr viele Wildtiere ihre Jungen zur Welt, die am Anfang ihres Lebens einem Angreifer schutzlos ausgeliefert sind.

Anfällig für Störung

Trächtige Rehe, neugeborene Kitze oder am Boden brütende Vögel sind derzeit für Störungen besonders anfällig – insbesondere durch freilaufende Hunde, die eine Gefahr für diese Wald- und Wiesenbewohner darstellen können. Selbst wenn nach Meinung von Frauchen und Herrchen der vierbeinige Freund „nicht wildert und auch sonst eigentlich ganz lieb ist“.

Im Gegensatz zum Verbot des Heckenschneidens, das zum Schutz der brütenden Vögel vom Anfang März bis Ende September bundesweit gilt und im Bundesnaturschutzgesetz geregelt ist, können die Jäger und Naturschützer in Sachen freien Auslaufs für Hunde nur an die Vernunft der Besitzer appellieren.

Eine landesrechtliche Regelung für den Leinenzwang gibt es zwar in fast allen Bundesländern. Allerdings sind hier fast immer nur Vorschriften für den Alltag mit dem Hund zu finden. Die „Hessische Gefahrenabwehrverordnung über das Halten und Führen von Hunden“ besagt, dass Hunde so zu halten und zu führen sind, dass von ihnen „keine Gefahr für Leben oder Gesundheit von Menschen oder Tieren ausgeht“.

Kein unbeaufsichtigtes Laufen

Zudem dürfen sie außerhalb des eingefriedeten Bereichs nicht unbeaufsichtigt laufen gelassen werden. Schaut man über die Landesgrenze in die benachbarten bayerischen Kommunen, so gelten dort ähnliche Regelungen für die Hundehaltung wie in Hessen.

Eine generelle Vorschrift zum Leinenzwang in der kritischen Zeit ist aber nicht zu finden. Dies wird von Ort zu Ort anders geregelt.

Aufgrund der fehlenden Landesregelungen erlassen jedoch verschiedene Gemeinden spezielle Satzungen, um durch darin enthaltene Leinenpflicht dem Tier- und Naturschutz entgegenzukommen.

Die Stadt Langenselbold schreibt vor, dass von März bis Ende August in einigen festgelegten Feld- und Flurgemarkungen sowie im Wald alle Hunde an der Leine zu führen sind. Dabei darf die Leine allerdings auch bis zu acht Meter lang sein.

Alternative aus Rodenbach

In Rodenbach wiederum setzt die Gemeinde – wie in jedem Jahr – auf eine frühzeitige Information zu diesem sensiblen Thema und bietet dazu auch eine Alternative an. „Wir haben an der Bulauhalle einen großen, eingezäunten Hundespielplatz“, erklärt Gido Puhl vom Ordnungsamt.

„Dort können alle Hundebesitzer ihren Vierbeiner frei herumtoben lassen.“ Ansonsten setzt der Amtsleiter auf das Verständnis der Hundehalter und bittet um Leinenführung bis in den Sommer hinein.

Er weist allerdings auch deutlich darauf hin, dass in den ausgewiesenen Naturschutzgebieten ein genereller Leinenzwang herrscht, wie es auch in allen umliegenden Gemeinden zwingend vorgeschrieben ist.

Somit bleibt es generell dem Verständnis der Hundehalter für Natur und Tier vorbehalten, ihre Hunde zumindest von März bis Juni beim Gassi gehen im freien Gelände an der Leine zu halten.

Böses Ende für den Hund

Allerdings gibt es dafür auch einen anderen guten Grund, auf den Jagdpächter Lothar Schmidt aus Alzenau hinweist. Sollte der freilaufende Hund einer Bache mit Frischlingen begegnen, kann es für den Hund böse enden, warnt der passionierte Jäger und Hundefreund.

„So ein wehrhaftes Muttertier lässt sich auch von großen Hunden nicht beeindrucken und setzt alles daran, um mit seinen scharfen Zähnen den längstgestreiften Nachwuchs vor einer drohenden Gefahr zu schützen.“

In Maintal will die Stadt nicht nur mit einer Leinenpflicht dem Natur- und Tierschutz entgegenkommen: Künftig werden auch Kinder vor Hunden geschützt. In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Soziales, Jugend, Sport und Kultur am Dienstagabend stimmten die Mitglieder einer Magistratsvorlage zu, die ein generelles Hundeverbot auf Spielplätzen vorsieht. Laut Bürgermeisterin Monika Böttcher (parteilos) habe das zum einen hygienische Gründe, da die Hinterlassenschaften der Hunde im Sandkasten nichts zu suchen hat. Zum anderen würden Hunde für einige Kinder eine Bedrohung darstellen. Bislang sind Hunde auf Spielplätzen erlaubt, allerdings angeleint.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema