In Erklärungsnot: Der kommissarische CDU-Kreisvorsitzende Johannes Heger sorgt weiter für Gesprächsstoff innerhalb seiner Partei. Archivfoto: Häsler

MainKinzigKreis

Nach Kreistag-Debakel herrschen bei der CDU gemischte Gefühle

Main-Kinzig-Kreis. Der Abbruch des CDU-Parteitags am vergangenen Wochenende, bei dem der Kreisvorsitzende Johannes Heger krachend durchgefallen ist, schlägt weiter hohe Wellen. Einige Beteiligte haben sich nun auf HA-Nachfrage geäußert.

Von Yvonne Backhaus-Arnold und Thorsten Becker

Während CDU-Grandseigneur Manfred W. Franz (Freigericht) über die Pannen auf dem Parteitag immer noch „stinksauer“ ist, hat sich Ex-Landratskandidatin Srita Heide (Hanau) moderat zur Kritik des Kreistagsfraktionsvorsitzenden an ihrer Person geäußert. Auch Heiko Kasseckert (Langenselbold) hat auf HA-Nachfrage Stellung zu dem Vorgang am Samstag bezogen.

„Dass meine dreiminütige Rede den Parteitag gekippt hat, wäre zu kurz gegriffen“, sagt Kasseckert. Michael Reul hatte den emotionalen Beitrag seines Landtagskollegen im HA-Interview als „sicherlich nicht hilfreich“ bezeichnet. Der Angesprochene war selbst überrascht über die Reaktionen und den Ausgang der Veranstaltung.

Frust sei tiefergehend als gedachtZu einer Wahlhandlung brauche man aber einen Vorschlag, so Kasseckert, und der habe nicht vorgelegen und liege bis heute nicht vor. Keiner wisse, wer eigentlich kandidieren möchte. „Mit meiner emotionalen Ansprache, die ausschließlich dieses Vorgehen kritisiert hat, habe ich ein Ventil geöffnet, und die Sache hat sich dann Bahn gebrochen“, ist sich der CDU-Mann sicher. Der Frust, die sich in den vergangenen zwei Jahren aufgestaut habe, sei tiefergehend als gedacht, glaubt Kasseckert, der Beisitzer im Kreisvorstand und Fraktionsmitglied ist.

„Wir müssen aus den Vorfällen lernen und das Warum klären, statt nur Schuldige zu suchen“, so Kasseckert. Nach eigenem Bekunden hat er keinerlei Ambitionen, den Parteivorsitz zu übernehmen, werde sich – wie bisher auch – weiter kritisch äußern, wenn es etwas zu kritisieren gebe.

Und wie geht es weiter?„Wir stimmen im kommissarischen Vorstand einen neuen Termin für einen neuen Parteitag ab. Und es gilt, ganz in Ruhe zu klären, wer die CDU als neuer Vorsitzender wieder in ruhiges Fahrwasser bringen kann.“

„Ich bin heilfroh, dass wir mit den Sozialdemokraten einen sehr guten Koalitionsvertrag geschlossen haben“, sagt Manfred W. Franz. Diesem Vertrag hatte der CDU-Parteitag auch zugestimmt. Über alles andere, was sich in Oberrodenbach abgespielt hat, kann er jedoch „nur den Kopf schütteln“.

„Loch der Hilf- und Ratlosigkeit“„Das kann doch nicht wahr sein, dass ein Parteivorstand es nicht schafft, den Delegierten eine Vorschlagsliste vorzulegen. Das ist nicht mehr zeitgemäß“, schimpfe er gestern auf Anfrage der Redaktion. „So was habe ich in 43 Jahren bei der CDU noch nicht erlebt“, so der langjährige Fraktionsgeschäftsführer und Freigerichter Bürgermeister, der den CDU-Vorstand in einem „Loch der Hilf- und Ratlosigkeit“ sieht.

Weitaus versöhnlicher gibt sich dagegen Srita Heide. Im Interview hatte der CDU-Fraktionsvorsitzende und Landtagsabgeordnete Michael Reul ihr vorgeworfen, an der Blamage von Heger „nicht unbeteiligt“ gewesen zu sein. Raul warf Heide vor, „gezielt Unwahrheiten“ zu verbreiten. Zudem habe sich Heide „hinter vorgehaltener Hand beschwert“, weil sie bei der Besetzung der Stelle des Kreisbeigeordneten nicht zum Zuge gekommen sei.

Heide wollte Spaltung der Fraktion verhindern„Ich hätte gerne als Kreisbeigeordnete des Main-Kinzig-Kreises zur Verfügung gestanden. Als aber in den vergangenen Wochen klar wurde, dass mir dazu das Vertrauen der Parteispitze fehlt, habe ich mich bewusst dafür entschieden, unter diesen Umständen diesen Weg nicht zu gehen“, erklärte sie in einer Stellungnahme. Sie habe eine „Spaltung der Fraktion“ verhindern wollen.

„Damit war für mich das Thema erledigt. Mit dem 'Schicksal zu hadern', ist meine Sache nicht, denn es bringt weder mich noch die Menschen noch die Partei weiter. So funktioniert Politik in einer repräsentativen Demokratie nun einmal“, erklärt Heide und fährt eine Breitseite gegen Heger und Reul: „Ich schaue lieber nach vorn – und zwar konstruktiv. Und dabei hilft mir der große Zuspruch aus vielen Ortsverbänden, denn nur wenn man die Parteibasis mitnimmt, kann man auch gute Politik machen.“

Wahlergebnis sei nicht vorherzusehen gewesenEine Beteiligung an der „Klatsche“ für den Vorsitzenden bestreitet sie jedoch: „Das Ergebnis der Wahl zum Parteivorsitzenden am vergangenen Samstag hat niemand vorausgesehen, ich am allerwenigsten. Es war umso überraschender, als es vor allem Johannes Heger und Michael Reul zu verdanken ist, dass auf Kreisebene eine Große Koalition vereinbart wurde.“

Dennoch nimmt Heide ihren Fraktionsvorsitzenden Reul sogar in Schutz: „Die jüngsten, sehr emotionalen Äußerungen des CDU-Kreisfraktionsvorsitzenden in der Presse sind menschlich doch nur nachvollziehbar. Kein Politikprofi wird nach nüchterner Analyse das Abstimmungsverhalten der Delegierten seiner eigenen Partei als 'hinterhältig und unchristlich' bezeichnen. Das ist lediglich erster Ausdruck einer großen Enttäuschung. Da muss man doch auch mal seinen Frust loswerden dürfen. Ich bin sicher, dass er das heute nicht mehr wiederholen würde.“ Heide abschließend: „Ich bin sicher, dass wir dafür alle einen gemeinsamen Weg finden.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema