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Nach 40 Jahren: Wächtersbach erhält ein neues Schmuckstück

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Stolz auf "ihre Baustelle": Die Architekten Alfred Graf von Soden, Sonja Pankratz und Dirk Pankratz (von links) sind für den Umbau des Wächtersbacher Schlosses verantwortlich. Foto: Andrea Euler
Stolz auf "ihre Baustelle": Die Architekten Alfred Graf von Soden, Sonja Pankratz und Dirk Pankratz (von links) sind für den Umbau des Wächtersbacher Schlosses verantwortlich. Foto: Andrea Euler

Wächtersbach. Alfred Graf von Soden, Dirk und Sonja Pankratz eint eines: Die drei Architekten haben in die Renovierung des Wächtersbacher Schlosses bislang Tausende Stunden investiert. „Bis Weihnachten“, so sagen sie, „werden die Verwaltungsräume bezugsfertig sein.“

Von Andrea EulerDie Rohbauarbeiten sind fertig. „Jetzt geht es an das Finish.“ Bei einem Ortstermin erläutern die drei Fachleute, welche Arbeiten bewältigt sind, welche Überraschungen das Projekt mit sich brachte.

Die Statistik ist eindrucksvoll: 16 000 Kubikmeter Raum – das sind fast 20 Einfamilienhäuser. Die Fläche ohne Dach: 2000 Quadratmeter, 700 pro Etage. 250 Fenster, 120 Türen. Über zwölf Millionen Euro soll der Umbau des 1219 ursprünglich als Jagdsitz errichteten Gebäudes kosten.

Doch von Soden ist zufrieden, dass die Stadt das Schlosshofareal von der Fürstenfamilie zugekauft hat und sich so die Möglichkeit ergab, das ehemalige Sudhaus der Brauerei abzubrechen und damit den Schlosshof wiederzugewinnen. „Hier gab es früher ein großzügiges Rondell. Dass dieser Platz nun wieder frei ist, wertet das Ensemble wesentlich auf.“

Schlosssanierung ist das bislang größte Projekt für das Ehepaar Pankratz

Die Kenntnisse darüber, wie genau sich Schloss und Umgebung zu früheren Zeiten präsentierten, sind Ergebnis einer gründlichen Recherche: „Da steckt auch viel Archivarbeit drin, aus dem Fürstlich Ysenburgischen Büdinger Archiv ebenso wie auch dem Staatsarchiv Marburg und anderen Quellen.“

Eine große bauhistorische Dokumentation in Form eines Raumbuchs wurde vom Denkmalamt beauftragt. Sonja Pankratz, deren Arbeit schwerpunktmäßig am Schreibtisch stattfindet, kümmert sich um die Planbearbeitung, um die Kommunikation mit den unterschiedlichen Ämtern, stimmt die verschiedenen Auflagen und Anforderungen ab und sagt: „Es lastet schon noch sehr viel Arbeit auf unseren Schultern, es gibt viele Vorgaben und Wünsche zu berücksichtigen. Da bin ich schon fast froh, wenn das dann fertig ist.“

Anders formuliert es ihr Mann, Dirk Pankratz: „Wir sind seit 2012 an dem Projekt dran. Da bin ich schon ein Stück weit stolz, was die vielen Handwerker geschafft haben. Wenn man sich das heute anschaut, ist das schon beachtlich.“ Für das Ehepaar Pankratz ist es das bislang größte Projekt, aber auch von Soden räumt ein: „Es ist ein außergewöhnliches Projekt, ein leer stehendes Schloss, das 40 Jahre dem Verfall preisgegeben war – das ist auch für mich einzigartig.“

Viele Überraschungen

Doch es gab auch viele „Überraschungen“: „Man denkt, die Wand ist heil, und dann findet man doch wieder ein Loch, einen Schacht“, so Dirk Pankratz. Denn fünf bis sechs große Umbauten hat das historische Gemäuer schon hinter sich, die von Soden liebevoll als „Jahresringe“ umschreibt.

Überraschend war der Fund von mittelalterlichen Burgmauern mit Putzen und Malereien drauf. „Wir haben erst Steine gesehen“, beginnt Pankratz, „und dann kam einem die Geschichte entgegen“, ergänzt von Soden. Im Innenhof wurden Fundamente des ehemaligen Bergfrieds gefunden, archäologische Funde, die belegen, „dass es bis 1800 einen Graben um das Schloss gegeben hat.“

Sonja Pankratz erläutert: „Die Fundamente einer alten Burg hat an dieser Stelle niemand erwartet. Es war schon immer ein richtiges Kastell. Und plötzlich gab es einen Bachlauf durch das Gebäude. Mannshohe, gemauerte Kanäle wurden gefunden. Der Kanal kommt an, führt quer unterm Schloss durch. Da soll zwar wieder die Toilette hin – aber nicht so.“

Zeitintensiver Kampf gegen den Hausschwamm

Großen Aufwand habe es bedeutet, „den Hausschwamm in den Griff zu bekommen.“ Alle befallenen Hölzer wurden entfernt, „wir haben den Heizungsplaner nach dem Schwamm ausgesucht“, wie Dirk Pankratz schmunzelnd erläutert. Ihm obliegt es, die Arbeiten zu koordinieren – eine zeitintensive Angelegenheit: „Ich bin durchschnittlich etwa 130 Stunden im Monat auf dieser Baustelle, derzeit ist das etwas intensiver. Priorität hat das Rathaus, dann der Veranstaltungsbereich, schließlich die Gastronomie.

Es ist eine Annäherung. Das Gebäude hatte immer den Charakter eines öffentlichen Baus. Ein Residenzschloss hat Repräsentationscharakter – das spiegelt sich nun wider.“ Zufrieden sind die Architekten mit den ausgewählten Handwerkern: „Die haben sich allesamt als sehr kompetent und zuverlässig erwiesen“, sagt Pankratz. Und das, obwohl manches heute kaum mehr im Lehrbuch steht: Eine krumme Wand im Keller soll ihren ursprünglichen Charme nicht verlieren. „Das kann heute auch nicht mehr jeder“, erläutert von Soden.

Projekt startete im Jahr 2011

Seit 2011 ist er mit dem Projekt befasst. Seinerzeit nahm das Landesamt für Denkmalpflege Hessen mit der Anmerkung: „Wir haben da ein sehr schwieriges Projekt“ Kontakt auf und beauftragte eine Machbarkeitsstudie. Diese wurde vom Denkmalamt und dem Architekten Ende 2012 der Stadt Wächtersbach vorgestellt. Damals schien die Umnutzung des Schlosses als städtisches Rathaus dem damaligen Bürgermeister Rainer Krätschmer kaum möglich.

Doch auf Initiative des damaligen Ersten Stadtrats Andreas Weiher und durch den Ankauf des Geländes durch Familie Bruch im Jahr 2013 kam diese Möglichkeit der Verwirklichung näher.

Aktuell arbeiten zahlreiche Gewerke parallel im Schloss. Heizung, Klima-Anlage, Akustik, Be- und Entlüftung, Wasserinstallation – zahllose Details müssen zusammenpassen. „Da werden auch handwerkliche Fähigkeiten wieder gefördert, die drohen, verloren zu gehen“, wie die Architekten betonen.

Die Freude am Handwerk sei bei den Firmen vor Ort spürbar. Die Fördergelder, die reichlicher flossen, als ursprünglich angenommen, decken zusätzliche Kosten ab. „Bei den Rohbauten fließen rund 25 Prozent der Gelder ins Material, 75 Prozent sind Lohnkosten“, rechnet Pankratz vor. Geld, das zu großen Teilen heimischen Firmen zugute kommt.

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