Packt ein: Der Kreisbeigeordnete Matthias Zach räumt sein Büro und blickt mit Freude auf seine Zeit in der Kommunalpolitik zurück. Foto: Becker

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Nach 31 Jahren verlässt Matthias Zach die Kommunalpolitik

Main-Kinzig-Kreis. Am Mittwoch, 31. Januar, ist Schluss. Dann hat der Kreisbeigeordnete Matthias Zach sein Büro im zweiten Stock des Main-Kinzig-Forums geräumt. Exakt 31 Jahre, hat der 65-Jährige dann in der Kommunalpolitik gewirkt. Wir haben den Grünen-Politiker beim „Einpacken“ beobachtet und seine Erinnerungen notiert.

Von Thorsten Becker

Die Umzugskisten stehen bereit. Zeit, um Abschied zu nehmen. Am Mittwoch steht der offizielle Termin dafür an. Bereits im Dezember hat Zach die letzte Kreistagssitzung absolviert und lobende Worte bekommen – mit einer „Träne im Knopfloch“.

Immer noch traurig nach so vielen Jahren? „Es ist schon ein wenig Abschiedsschmerz dabei“, gesteht Zach ein. Doch bis es so weit ist, denkt er gar nicht ans Aufhören. „Bis zum Mittwoch bin ich voll bei der Sache.“ Auch die drei Monate, die Zach weiter die Amtsgeschäfte führen musste, weil es noch keine Nachfolgeregelung gibt, hat er klaglos absolviert.

Herzensangelegenheit SchulenDer Blick auf die kleine Schultafel, die auf dem Regal steht, bereitet ihm in den letzten Tagen besondere Freude: Wieder ist es die Zahl 31. „KIP macht Schule – 31 Millionen Euro aus dem Kommunalen Investitionsprogramm“ lautet die Aufschrift.

Dieser Batzen Geld kann für die Modernisierung und den Ausbau der rund 100 Schulen im Kreis verwendet werden. Für dieses Ressort ist der hauptamtliche Kreisbeigeordnete in den vergangenen sechs Jahren und drei Monaten zuständig gewesen. „In dieser Zeit standen vor allem die Reparatur und die Sanierung im Mittelpunkt. Jetzt sind wir an einem Punkt angekommen, an dem es richtig losgeht.“ Doch diese Früchte könne jetzt der neue Mann oder die neue Frau – sicherlich aus den Reihen der CDU – bald ernten.

Das Thema Schule ist für Zach eine Herzensangelegenheit – immerhin befinden sich im Kreis mit der Kopernikusschule und den Beruflichen Schulen Gelnhausen die größten ihrer Art in Deutschland.

PolizeischutzAls Politiker hat er hautnah miterlebt, wie es um die Infrastruktur im Bildungswesen bestellt ist. „Ich war 2012 auf dem Sommerfest der Heinrich-Herrmann-Schule in Schlüchtern. Plötzlich kam ein Gewitter auf. Aus dem Dach ist überall Wasser gekommen, und ich habe damals geholfen, schnell die Eimer aufzustellen.“

Eigentlich eine unangenehme Szene für den verantwortlichen Politiker. Aber Zach hat seine Lehren daraus gezogen und den Schulentwicklungsplan vorangetrieben – selbstredend, dass die Schlüchterner Schule ein neues Dach bekam.

Doch mit dem Reizthema Schule verbindet Zach auch die dunkelsten Momente seiner beruflichen Zeit. „Es war eine dramatische Diskussion über mögliche Schulzusammenlegungen während eines Mediationstermins in Bad Soden-Salmünster. Nach zwei Morddrohungen gegen mich musste dieser Abend unter Polizeischutz stattfinden.“

Verantwortung tragen„Das sind Grenzüberschreitungen, die es eigentlich nicht geben darf“, sagt er rückblickend und bezieht dabei die Drohungen gegen den damaligen Landrat Erich Pipa mit ein. In der Demokratie müsse beherzt gestritten werden, aber niemals mit Gewalt.

Er beharrt darauf, dass Politiker „glaubwürdig, kompetent und verlässlich“ sein müssen, „Menschen mit Ecken und Kanten, die es nicht jedem recht machen können“. Und das Wichtigste: „Politiker müssen für ihre Entscheidungen Verantwortung tragen.“

Kommunalpolitik aus verschiedenen PerspektivenDas hat der Grünen-Politiker von der Pike auf gelernt. Damals. Im überschaubaren Niederdorfelden. Dorthin kam er 1977 zum ersten Mal. 1983 wurde er Mitglied bei den Grünen. Vier Jahre später saß er in der Gemeindevertretung. „Ich bin damals reinrotiert“, erinnert er sich an die Gepflogenheit seiner Partei, die Mandate breiter zu streuen.

Heute denkt er ganz anders darüber. „Zwei Amtsperioden“ seien sinnvoll, damit ein Mandatsträger sich einarbeiten und dann auch gestalten könne. „Ich habe den Vorteil, dass ich die Kommunalpolitik in 31 Jahren aus verschiedenen Perspektiven erlebt habe.“

Vor allem in seiner Zeit als „Einzelkämpfer in Niederdorfelden“ habe er viel gelernt. Seitdem hat er auch seinen Spitznamen „Öko-Zach“, über den er heute noch amüsiert ist: „Deshalb habe ich hier auch das Umweltdezernat ganz bewusst nicht bekommen.“

Ungewöhnlicher WahlkampfDas hat er 2006 im bis dato wohl ungewöhnlichsten Bürgermeisterwahlkampf des Ortes umgesetzt. Um Mitternacht las er aus dem neuesten „Harry Potter“-Roman; morgens um 6 Uhr stand er als „Rosenkavalier“ am Bahnhof und warb um Stimmen. Und waren die Rosen damals denn aus dem Öko-Anbau? Zach schmunzelt, bleibt ehrlich: „Ein paar, aber nicht alle.“

Dennoch hat er es geschafft. Im „roten Dorfelden“ wurde er direkt gewählter Bürgermeister. Nach ihm hat das kein Grünen-Politiker im Kreis erreicht. „Diese fünfeinhalb Jahre haben mir viel Spaß gemacht.“ Seiner Heimatgemeinde wird er weiter treu bleiben: „Ich bin und bleibe ein Dorfeller“, sagt der Mann, der ursprünglich aus der Eifel stammt.

Zeit für Eifel-KrimisUnd was macht Matthias Zach im Ruhestand? Er hat einige feste und ein paar vage Pläne. Endlich werde er sich Zeit nehmen, die neuesten Eifel-Krimis von Jacques Berndorf zu lesen („Da sind einige Bücher liegen geblieben“). Das „große Bild“ auf der Kinoleinwand will er ebenso öfter erleben („Ich bin leidenschaftlicher Cineast“).

Definitiv wird er, nach seinem ersten Besuch vor wenigen Monaten, weiter die Beruwala-Hilfe von Ex-Landrat Karl Eyerkaufer unterstützen („Im April fliege ich wieder nach Sri Lanka“). Zu seinem Abschied hat er sich daher Geschenke verbeten und um Spenden für die Tsunami-Opfer gebeten.

Vielleicht will er seine Erfahrungen einbringen, eventuell in einem Beraterbüro – „Wenn mich jemand braucht.“ Ansonsten möchte er „ein bisschen an die Uni“.

Tolles GefühlBei etwaigen neuen Aufgaben in der Politik ist er sich nach 31 Jahren aber ziemlich sicher und wirkt wie ein Elder Statesman: „Ich glaube, ich werde diesen Verlockungen widerstehen.“

Apropos staatsmännisch: Wer hätte das von Zach gedacht? Als schönstes Erlebnis nennt er die beiden Berufungen in die Bundesversammlung zur Wahl des Bundespräsidenten. „Da wurden zwar nicht meine Kandidaten gewählt, aber es war ein tolles Gefühl.“

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