Sabine Jörg und Mihajlo Kopilovic wollen im KRS-Team dabei sein. Im Vordergrund steht für alle der Spaß an der Sprache, ein gewisser Ehrgeiz ist dennoch da. Foto: Bellack

Hanau

"MKK schreibt": Schmunzeln und Kopfzerbrechen beim Übungstreffen

Hanau. Üben, üben, üben. Das ist und bleibt die beste Vorbereitung für anstehende Prüfungen. Um bestens für den bevorstehenden Diktatwettbewerb „MKK schreibt“ gewappnet zu sein, hat die Karl-Rehbein-Schule zu einem Übungstermin eingeladen. Dabei sorgt die deutsche Sprache einmal mehr für Kopfzerbrechen.

Von Michael Bellack

Das Stammprinzip der deutschen Sprache. Eine vermeintlich einfache Regelung. Dem Grundwort und dessen Schreibung müssen alle Wörter einer Wortfamilie folgen. „Nummerieren“ beispielsweise leitet sich von „Nummer“ ab, daher wird es mit zwei „m“ geschrieben. So weit, so gut. Das aber „projizieren“, was man gemeinhin der Wortfamilie „Projektion“ zuordnen würde, mit „i“ anstatt mit „e“ geschrieben wird, ist da schon deutlich kniffliger.

„Viele Sachen kann man nicht einfach erklären – die muss man wissen“, erklärt Deutschlehrer Ludwig Fleischmann daher den anwesenden Diktatschreibern. Denn „projizieren“ geht unmittelbar auf das lateinische Wort „proicere“ zurück – mit der Ableitung von einer deutschen Wortfamilie kommt man da nicht weit.

„Keine Regel ohne Ausnahme“Beispiele wie diese sorgen beim Übungsabend in der Karl-Rehbein-Schule mal für Schmunzeln, mal für Unverständnis. Die deutsche Sprache ist schon etwas ganz Besonderes, das dürfen die Teilnehmer einmal mehr feststellen. „Keine Regel ohne Ausnahme“, macht Fleischmann klar. Diese Erkenntnis kommt schnell. Allein 96 Seiten Übungsmaterialien, die er der Veranstaltungshomepage entnommen hat, hat Fleischmann für die Gruppe zusammengestellt. Zu jeder Seite mit einer Regel gesellt sich mindestens eine weitere mit den vorhandenen Ausnahmen.

Weil die scheinbar unendlichen Regelungen der deutschen Sprache die Anwesenden am Anfang zu erschlagen drohen, nimmt der Pädagoge ihnen erst einmal den Druck: „Man darf sich trauen, Fehler zu machen. Viele dieser Ausformulierungen braucht man im Alltag nicht. Mir reicht oft die Fähigkeit, zu wissen, wo ich unsicher bin, damit ich diese Wörter nachschlagen kann.“

Dabei sein ist allesDas wird am 1. März, wenn das Diktat in der Karl-Rehbein-Schule diktiert wird, natürlich nicht möglich sein. Aber da steht für die meisten Teilnehmer sowieso der Spaß im Vordergrund. Zu hohe Erwartungen dürfe man nicht haben, schließlich ist die fehlerfreie Wiedergabe des Diktats quasi unmöglich. Zur Erinnerung: Der bundesweite Rekord liegt bisher bei zwei Fehlern, im vergangenen Jahr hatten die Sieger sieben Fehler in ihrem Text. Rund 240 Wörter lang wird dieser sein.

„Ich nehme das sportlich, im olympischen Sinne: Dabei sein ist alles“, sagt Fleischmann. Die anderen Teilnehmer sehen es genauso. Gemeinsam gingen sie die wichtigsten Grundregeln durch und klärten offene Fragen – sofern sie denn zu klären waren

Mehr Freiwillige als PlätzeDie Begeisterung an der Karl-Rehbein-Schule für den Diktatwettbewerb ist groß. „Wir hatten mehr Freiwillige als Plätze in der Gruppe“, berichtet Schulelternbeirat Thomas Adlung, der unter den Eltern der Schule kräftig die Werbetrommel für den Diktatwettbewerb gerührt hat. Acht Teilnehmer sind am Übungsabend gekommen. Eltern und Lehrer, nur eine Schülerin. Das aber liegt an der bevorstehenden Mathe-Klausur am nächsten Tag. Cosima Zaveta aus der Jahrgangsstufe Q2 ist somit die einzige Schülerin. Sie freut sich auf den Wettbewerb. „Es ist eine schöne Möglichkeit zu schauen, wo man steht. Ein bisschen Ehrgeiz tut natürlich auch gut“, sagt sie.

Aufgrund der hohen Resonanz steht die genaue Besetzung des Teams der KRS noch gar nicht endgültig fest. „Die Teilnehmer kämpfen jetzt hier um ihre Plätze“, scherzte Adlung. Ganz so dramatisch ist es nicht, eine Auswahl muss aber trotzdem noch erfolgen. Aus fünf Schülern, drei Eltern und zwei Lehrern sollten die Teams bestehen. Sabine Jörg beispielsweise würde als Elternteil an den Start gehen. Sie korrigiert oft die Hausaufgaben ihres Sohnes und weiß daher um die Wichtigkeit korrekter Schriftsprache: „Die Rechtschreibung ist ein Aushängeschild. Wenn ich zum Beispiel eine E-Mail mit zehn Fehlern bekomme, kann das schon gar nichts werden.“

Unterschiedliche Beziehungen zum DiktatÄhnlich sieht es Mihajlo Kopilovic, ebenfalls Elternteil. Rechtschreibung sei extrem wichtig, gerade in der Zeit der digitalen Medien. „Mit korrekter Rechtschreibung kann man direkt einen guten Eindruck hinterlassen und sich hervorheben“, sagt er. Wie fast alle Teilnehmer hat er bereits in seiner Schulzeit Diktate durchaus gerne geschrieben.

Nur einer tat dies nicht. Ausgerechnet der heutige Deutschlehrer Jürgen Fleischmann gibt zu, Diktate als Schüler „gehasst“ zu haben. Als Lehrer sehe er das nun aber anders, weshalb auch bei ihm die Vorfreude auf den Diktatwettbewerb steigt.

Weitere Informationen zum Diktatwettbewerb „MKK schreibt“ und ein umfangreiches Angebot an Übungsaufgaben gibt es auf unserer Homepage zur Veranstaltung www.mkk-schreibt.de.

„MKK schreibt“ ist ein Gemeinschaftsprojekt

Der „Große Diktatwettbewerb“ wurde von der Stiftung Polytechnische Gesellschaft Frankfurt am Main entwickelt und im Schuljahr 2011/12 erstmals ausgetragen. Zum ersten Mal findet in diesem Jahr der örtliche Vorentscheid „MKK schreibt“ statt. Dabei messen sich zehnköpfige Schulteams im Umgang mit der deutschen Sprache.

Das regionale Finale findet am Donnerstag, 1. März, in der Karl-Rehbein-Schule statt. Ausgerichtet wird der Wettbewerb vom HA mit Unterstützung der Kooperationspartner Kathinka-Platzhoff-Stiftung und Ursula-Berenbrok-Winterstein-Stiftung.

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