Bei manchen Teilnehmern scheint sich während des Diktats ein Hauch von Verzweiflung einzuschleichen. Foto: Bender

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"MKK schreibt": Diktat bringt Teilnehmer an ihre Grenzen

Main-Kinzig-Kreis. Generationen haben sich bei DIktaten mit Schachtelsätzen, komplizierten Wörtern und zu schnell vorgelesenen Texten herumgeschlagen. Beim gestrigen Diktatwettbewerb „MKK schreibt“ in der Karl-Rehbein-Schule basierte all das auf freiwilliger Basis.

Von Elfi Hofmann

Die Stifte sind gezückt, die noch weißen Blätter liegen vor den Teilnehmern. Alle schweigen. Nur einer nicht: Frank Lehmann liest mit seiner sonoren und geübten Stimme das Diktat „Sankt-Nimmerleins-Tag in Bulau“ vor. Noch sind alle frohen Mutes, haben doch die meisten im Vorfeld fleißig geübt. Doch wie sich später herausstellt, ist bereits die Überschrift der Anfang vom Ende für die Teilnehmer. Doch dazu später mehr.

Landrat Thorsten Stolz im HA-TeamErst wird der gesamte Text von dem Wirtschaftsjournalisten einmal vorgelesen, das besagen die vorgegebenen Regeln, zu denen natürlich auch das Verbot von Handys, Smartwatches und anderen Hilfsmitteln gehört, die man bei Wörtern wie „Veloursgewand“ oder „vergissmeinnichtblaues“ wohl gerne zurate ziehen würde. „Außerordentlich sperrig“, nennt Lehmann den Text, über den er besonders in der Mitte herzlich lachen muss. Kein Wunder, er muss ihn ja auch nicht schreiben. Im Gegensatz zu Landrat Thorsten Stolz, Mitglied im HA-Team. Er hatte im Vorfeld wenig Zeit zum Üben, was sich nun rächt: Über zehn Fehler stehen am Ende zu Buche. Doch er ist nicht allein, vielen Teilnehmern geht es so.

„Wer denkt sich so was aus?“, ruft Lehmann mitten in das Diktat hinein. Nein, das ist kein vorgegebener Satz, das ist seine ehrliche Meinung. Das Entsetzen steht den meisten ins Gesicht geschrieben. Haben sie die Aufgabe vielleicht nicht ernst genug genommen? HA-Redakteur Holger Weber-Stoppacher hatte gar nicht geübt, schließlich „bereiten wir uns ja jeden Tag bei der Arbeit vor“. Wohl nicht genug, auch er hat am Ende zu viele Fehler, um vorne mitzumischen.

Scheuermann ersetzt Kaminsky in Jury„Höchste Hochachtung“ hat KRS-Schulleiter Jürgen Scheuermann vor den Teilnehmern, die sich der Aufgabe stellen. Er sitzt für OB Kaminsky in der Jury, muss also keinen Satz aufs Papier bringen, sondern nur überprüfen, wie viele Fehler gemacht wurden. Und dabei schneiden die Frauen richtig gut ab.

Nach dem Ende des Diktats tauschen alle ihre blauen gegen rote Stifte und korrigieren ihren Text selbst. Dafür wird die richtige Fassung per Beamer auf eine Leinwand geworfen. Die einzelnen Gruppen – Lehrer, Schüler, Eltern und das HA-Team – sind dann jeweils aufgerufen, aufzustehen, während HA-Volontär David Kirchgessner die Fehler nach unten zählt. Alle, die weniger als acht Mal daneben lagen, geben ihr Diktat ab, das in einem separaten Raum von der Jury, der neben Scheuermann auch Sylvia Ruppel, Gisela von Auer, Frank-Lorenz Engel und HA-Verleger Thomas Bauer angehören, nochmals überprüft wird.

Sieger dürfen an überregionalem Wettbewerb teilnehmenUnd dort zeigt sich, dass die ersten Fehler bereits in der Überschrift gemacht wurden. „Sankt-Nimmerleins-Tag“ wird mit Bindestrichen gekoppelt. Richtig haben das auch Eva Molitor, Lehrerin an der Hola, und Maren Schmidt, die ihren Text fast fehlerfrei abgeben und nur ein Wort falsch geschrieben haben. So was gab es in der Geschichte des Wettbewerbs noch nie und bedeutet Weltrekord für die beiden Frauen, die jetzt am überregionalen Finale in Frankfurt teilnehmen dürfen. Genau, wie die Teilnehmer, die in ihren Gruppen unter die ersten drei gekommen sind. Für Maren Schmidt keine Herausforderung. Sie sieht sich selbst als hochbegabt. Das kann sie dann am 12. Juni wieder unter Beweis stellen.

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