Unter Anleitung probiert: Schulkinder mussten sich gestern selbst auf Corona testen.
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Unter Anleitung probiert: Schulkinder mussten sich gestern selbst auf Corona testen.

Mit Hilfe von Dr. Kasperl

Corona im Main-Kinzig-Kreis: Teststart in Schulen verläuft nach Ansicht des Schulamts „reibungslos“

  • Holger Weber-Stoppacher
    vonHolger Weber-Stoppacher
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Corona-Tests an Schulen sollen auch im Main-Kinzig-Kreis Normalität zurückbringen und Präsenzunterricht ermöglichen – Nun zieht das Staatliche Schulamt eine erste Bilanz.

Main-Kinzig-Kreis – Dr. Kasperl hat geholfen. Die Holzfigur aus der Augsburger Puppenkiste hat gestern Grundschülern im Kreisgebiet erklärt, wie man bei sich selbst einen Corona-Antigentest durchführt. Das Erklärvideo des Bayerischen Rundfunks diente vielen Lehrern in den Grundschulen des Kreises als Hilfsmittel, um die Schülern auf amüsante Weise mit dem Testen vertraut zu machen.

Diese mussten genau wie ein Teil der Schüler auf weiterführenden Schulen einen gültigen Coronatest mit negativem Ergebnis vorweisen, um am Präsenzunterricht teilzunehmen. Insgesamt zog das Staatliche Schulamt eine positive Bilanz. „Es ist im Großen und Ganzen sehr reibungslos verlaufen.“ Nur in Einzelfällen habe es noch verunsicherte Eltern gegeben, bilanzierte gestern die Leiterin des Staatlichen Schulamtes, Sonja Litzenberger, gegenüber unserer Zeitung.

Main-Kinzig-Kreis: Corona-Tests an Schulen seien der richtige Weg

Sie zeigte sich zuversichtlich, dass man mit der Zeit „die letzten Ängste noch abbauen kann“. Im Spannungsfeld zwischen Infektionsschutz und Bildungsanspruch sei das jetzt praktizierte Modell ein guter Weg, so Litzenberger, weil alle, die den Tests in den Schulen kritisch gegenüberstünden, sich ja in den Bürgertestzentren ebenso testen lassen könnten. Bei der Frage, wie viele Schüler am ersten Tag positiv getestet worden seien, verwies sie auf das Gesundheitsamt des Main-Kinzig-Kreises. Dort jedoch konnte man gestern dazu noch keine Angaben machen.

Eine positive Bilanz zog nach dem ersten Tag auch Angela Kirchhoff, kommissarische Schulleiterin an der Otto-Hahn-Schule in Hanau. Die Kollegen hätten sich im Vorfeld geschult, auch sei den Schülern ein Erklärvideo gezeigt worden. „Am Anfang war zwar eine gewisse Nervosität dar, aber letztlich hat alles so funktioniert wie geplant“, so Kirchhoff.

Schüler bringen negativen Corona-Test von Testzentren im Main-Kinzig-Kreis mit

Übereinstimmend wurde aus den Schulen berichtet, dass viele Schüler bereits mit einer Bescheinigung gekommen seien, die sie sich am Vortag nach einem Test in einem der Zentren des Kreises hatten ausstellen lassen. Nicht nur in Hanau hatten sich am Sonntag vor dem Schnelltestzentrum in der Main-Kinzig-Halle lange Schlangen gebildet (wir berichteten), auch in den Bürgerzentren der umgebenden Kommunen war vielfach am Wochenende kaum mehr ein Termin zu bekommen. „Etwa ein Drittel brauchten in meiner Klasse somit nicht mehr getestet werden“, berichtete beispielsweise Anja Saling, Lehrerin an der Adolf-Reichwein-Schule in Rodenbach und zugleich Co-Vorsitzende des Kreisverbandes Hanau der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft.

Sie lobte, dass der Kreis die Öffnungszeiten der Zentren erweitert hatte, damit viele Schüler sich vorab testen lassen konnten. Sie forderte jedoch, die Tests ganz in die Zentren zu verlegen, um die Psyche der Kinder zu schützen, wenn der Test positiv ausfalle.

Main-Kinzig-Kreis: Corona-Tests an Schulen bergen Tücken

„Gestern ist dies Gott sei Dank in meiner Klasse noch nicht passiert“, so Saling. Doch auch wegen der hohen Fehleranfälligkeit der Antigentests sei dies nur eine Frage der Zeit, befürchtet die Pädagogin. Zwar habe sie ihre Viertklässler behutsam auf einen solchen Fall vorbereitet und sensibilisiert. Doch die Gefahr, dass die Psyche der Kinder einen Knacks erleide, sei hoch, findet sie.

Problematisch sei zudem, dass die Tests bei einer Temperatur zwischen 15 und 25 Grad im Klassenzimmer vorgenommen werden müssten. „Das bedeutet, dass wir die Fenster nicht mehr öffnen können, was bisher ja dringend angeraten worden ist. Zudem müssten die Kinder während der Tests die Masken abnehmen“, so die Lehrerin.

In anderen Bundesländern können die Corona-Tests für Schulen zuhause gemacht werden

Saling kritisiert außerdem, dass durch die Tests im Klassenraum wichtige Präsenzzeit verloren gehe, von der es in der Pandemie ja ohnehin nicht viel gebe, weil die Klassen wechselweise, zumeist im Wochen-Rhythmus, unterrichtet werden. Auch der Schulelternbeirat der Adolf-Reichwein-Schule stellt in einem offenen Brief, der an den Hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier sowie Kultusminister Alexander Lorz adressiert ist, die Forderung auf, dass Eltern ihre Kinder zu Hause testen können. Dies könnte nach Ansicht des Schulelternbeirats zudem verhindern, dass infizierte Kinder zuvor auf dem Weg zur Schule, etwa im Bus, noch weiter Kinder unwissentlich ansteckten. In Bundesländern wie Schleswig-Holstein und Sachsen sind Tests zu Hause beispielsweise jetzt schon möglich.

Einige Einrichtungen wie beispielsweise die Albert-Einstein-Schule in Maintal greifen auch auf externe Dienstleister zurück, die die Tests vornehmen. Die Schule arbeitet mit der Medical Care GmbH zusammen. (Holger Weber)

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