Solche PS-starken Fahrzeuge wie dieser Lamborghini sind auch auf den Straßen des Main-Kinzig-Kreises die Ausnahme. Foto: pixabay

Main-Kinzig-Kreis

Die meisten Autos in der Region gehören Hubraumklasse ab 1,4l an

Main-Kinzig-Kreis. SUV ist pfui, wenn's nach der Umwelthilfe geht. Oder hui, wenn's nach den Menschen geht, die für die Verkaufszahlen dieser Fahrzeuge sorgen, die jeden Monat Rekorde brechen. Oder eine Scheindebatte, wenn's um den Kohlendioxid-Ausstoß geht: Denn in unterschiedlichen Karossen steckt oft der gleiche Motortyp.

„150 PS bei 3500 U/min“, heißen zum Beispiel die Leistungsdaten beim Skoda Kodiaq 2.0 TDI, sprich SUV, und beim Skoda Octavia 2.0 TDI, sprich Kombi. SUV laufen den Kombis derzeit gerade den Rang in der Beliebtheit bei den Kaufenden ab.

Bei dem, was unter der Haube brummt, ändert sich dabei wenig, wenn's um Verbrenner und deren Hubraum geht. Im Main-Kinzig-Kreis zeigt der Blick auf den Motor unter der Haube des oder der häuslichen oder betrieblichen Pkw: die Dicken sind in der Minderheit; die Kleinen aber auch nicht der Renner: 15,1 Prozent der Pkw im Main-Kinzig-Kreis haben nach der jüngsten Bestandsanalyse des Kraftfahrt-Bundesamtes einen Motor mit mehr als zwei Litern Hubraum.

Neuer Mitfahrer: die EU

35,4 Prozent sind mit Motoren unter 1,4 Litern unterwegs. Der Rest liegt in der Klasse zwischen 1400 und 1999 Kubikzentimetern. Da sind die Hybriden mit eingerechnet. Wer sein Bestandsauto gegen ein Neues wechselt, hat künftig einen zusätzlichen Mitfahrenden: die EU. Sie überwacht seit Neujahr den Spritverbrauch in neuentwickelten Autos. Ab 2021 in allen Neuzulassungen. Groß gegen klein auszuspielen ist derzeit zwar beliebt, hat aber Tücken: den Unterschied zwischen Bestand und Neuzulassungen. Der Bestand umfasst alle Autos vom Oldtimer bis zur Neuzulassung und spiegelt recht genau wieder, was tatsächlich gefahren wird (und was sich die Menschen so leisten können, egal, ob Single, Familie oder in anderer Lebenssituation).

Ist der Bestand der Maßstab, ist es so: Im Main-Kinzig-Kreis nahm die Zahl der Autos mit Motoren unter 1,4-Liter von 2018 auf 2019 um 2935 zu. Macht 89 864 Pkw oder 35,36 Prozent. In den anderen Motorklassen stieg die Zahl der Fahrzeuge in der Klasse 1400 bis 1999 Kubik um 393. Damit liegt deren Zahl bei 125 490 Pkw, der Anteil bei 49,37 Prozent. Bei den Autos mit mehr als zwei Litern gab es im Main-Kinzig-Kreis einen Rückgang um 246 Fahrzeuge. Bestand: 38 424 Fahrzeuge (15,12 Prozent).

Wobei aber kleine Motoren nicht automatisch schwach auf der Brust sind. Miniraketen haben fast alle Hersteller im Programm, Ford beispielsweise einen 1,0-Liter-EcoBoost-Motor, das ist ein preisgekrönter Drei-Zylinder, der bis zu 103 kW (140 PS) bringt. Er dient als Antrieb in mehr als einem Viertel aller 2018 in Europa verkauften Ford-Fahrzeuge vom Ford Fiesta bis hin zum Ford Transit Transporter, sagt Ford. Der Fiesta kommt damit über die 200 km/h-Marke.

Und es ist auch nicht so, dass ein kleiner Motor automatisch auch der umweltfreundlichere ist. Dieser Klein-Benziner schluckt schon auf dem Papier um die fünf Liter Super.

Verbrauch hängt von Drehzahl ab

Und wer sich technisch auskennt, weiß: Gasfuß und Verkehrslagespielen beim Verbrauch die entscheidende Rolle. Verbrauch hängt immer von der Drehzahl ab, Bleifuß und hohe Drehzahlen oder viel Kurzstreckenverkehr plus Stop-and-Go im Stau treiben den Verbrauch hoch. Das lernt jeder, der mal einen Spritsparkurs mitmacht. Was ein Anfang wäre, den Kohlendioxid-Ausstoß zu verringern.

Für das Auto vor der Tür des Nachbarn Verbote zu basteln, ist derzeit in. Das hat auch durchaus Folgen. In Stuttgart waren dank Fahrverbot „von den 12 000 Euro-4-Diesel-Pkw, die es am Jahresanfang gab, Ende September noch etwas über 6000 übrig“, berichtet der Obermeister der Kraftfahrzeuginnung Region Stuttgart, Torsten Treiber. Den bringt der Unterschied zwischen Umweltparolen und Wirklichkeit schon mal ins Grübeln:

„Unsere Kfz-Betriebe sorgen dafür, dass Autos zehn und mehr Jahre reibungslos funktionieren. Wir sorgen für die viel beschworene Nachhaltigkeit. Und zwar so erfolgreich, dass der Politik auf Druck der Gerichte nichts anderes übrigblieb, als Fahrverbote für Euro-4-Diesel auszusprechen, um Autos, die noch topfit waren, von der Straße zu bringen.“ Wenn sie Glück haben, stehen die Euro-4-Diesel jetzt in der Garage und dürfen in 20 Jahren wieder raus – als Oldtimer.

Die Forderung nach SUV-Verboten ist vom Chef der Umwelthile, Jürgen Resch besetzt. Matthias Miersch, Vize-SPD-Bundestagsfraktionschef, setzt laut Agenturmeldungen die Forderung nach einem Neuzulassungsverbot für verbrauchsintensive Autos drauf. Da schließt sich der Kreis zu den Motoren. Denn was ist ein verbrauchsintensiver Motor?

Diesel produziert mehr Kohlendioxid

Nehmen wir einen Goggo aus den 50ern: Das schluckte 4,3 bis 4,5 Liter auf 100 Kilometern oder bei Vollgas auch mal sieben Liter. Heute braucht ein Zwei-Liter-Diesel-Motor vergleichbare Treibstoffmengen. Kann auch sein, dass mal ein Wohnwagen oder Anhänger dranhängt. Dann steigt der Verbrauch. Goggo und Zwei-Liter-Diesel blasen ungefähr die gleiche Menge Kohlendioxid in die Luft. Denn der Kohlendioxidausstoß ergibt sich aus dem Spritverbrauch. Die Formel für Benziner: 23,8 x Verbrauchswert. Diese Multiplikation ergibt den Wert in Gramm je Kilometer. Für Diesel gilt: 26,5 x Verbrauchswert.

Die Grafik zeigt, wie sich der Fahrzeug-Bestand in den verschiedenen Hubraumklassen im Main-Kinzig-Kreis entwickelt hat. Grafik: zds

Der höhere Faktor rührt daher, dass Diesel bei der Verbrennung mehr Kohlendioxid produziert. Aber in der Realität weniger, weil der Motor weniger Treibstoff verbraucht als ein gleichstarker Benziner.

Das heißt, verbrauchsintensiv sind die Benziner. Wenn sie keine Hybride sind. Wer soll das überwachen? Kein Problem – die EU. Zumindest bei Neuwagen. Nennt sich FCM – „Fuel Consumption Monitoring“, sprich Treibstoff Verbrauchsüberwachung. Wurde seit 2017 von der EU vorbereitet. Der Testbetrieb startete am 1. Januar 2020.

Funktioniert kurz zusammengefasst so: 2020 wird der reale Verbrauch jedes neu entwickelten Fahrzeugs, das verkauft wird, onboard aufgezeichnet. Ein Jahr lang gibt es noch eine Übergangszeit für Autos, die nicht komplett neu entwickelt wurden.

Vom 1. Januar 2021 müssen alle neuzugelassenen Fahrzeuge ihre Daten speichern und melden. Und wenn das online geschieht (ist noch nicht geregelt, wird aber favorisiert), gäb's auch eine Lösung für das Kohlendioxid-Problem – jeder bekommt die gleiche Spritmenge zugeteilt und wenn die verbraucht ist, könnte das Auto auf Initiative von Bundesumweltministerin Svenja Schulze für den Rest des Jahres abgeschaltet werden. zds

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