Vorstellungen dieser Art soll es im Marstall fortan nur noch wenige, dafür aber an anderen Schauplätzen mehr geben. Foto: Privat

Steinau

Marionettentheater gibt feste Spielstätte in Steinau auf

Steinau. Die „Holzköppe“ geben ihre feste Spielstätte im Steinauer Marionettentheater zum 31. März auf. Sie wollen dann als Wanderbühne auf Tournee gehen. Damit zieht Lilo Magersuppe für sich und ihre Familie die Reißleine, um nicht in eine Schuldenspirale zu geraten.

Von Sabine Schuchardt (KN)

Sie sieht keine Möglichkeit, das Theater weiterzuführen. Zunächst hatte es so ausgesehen, als wäre zwischen Stadt und Betreiberfamilie ein Konsens gefunden worden. Wäre die Geschichte der „Holzköppe“ ein märchenhaftes Marionettenstück, dann gäbe es mit Sicherheit ein glückliches Ende.Vor allem dann, wenn zuvor alles hoffnungslos erscheinen würde. Auf die Realität bezogen, bedeutet es jedoch: Die Familie Magersuppe gibt das Marionettentheater im Marstallgebäude zum 31. März auf und will mit den „Holzköppen“ dann lediglich noch zu Gastspielen dort auftreten. Bislang schien es, als könnte doch noch ein Weg gefunden werden, das traditionsreiche Marionettentheater im Marstallgebäude zu halten.Bürgermeister will NeukonzeptionSo hatte Bürgermeister Malte Jörg Uffeln (parteiunabhängig) im Dezember verkündet, dass ein Konsens mit Familie Magersuppe gefunden worden sei, was die künftige Nutzung des Theaters betrifft. Hier will Uffeln eine Neukonzeption. Das heißt, dass der Vertrag bis Ende März auslaufen und durch eine neue Vereinbarung ersetzt werden sollte.Zu Uffelns Konzept gehört die Installation eines externen Intendanten, aber auch, dass das Theater, das erst vor wenigen Jahren auch mit Fördergeldern von umfassend saniert wurde, verstärkt von anderen Theatergruppen für Aufführungen genutzt werden soll.Zu wenig Spielzeit für "Holzköppe“ übrigMagersuppe erklärt jedoch, dass es diesen Konsens zwischen Stadt und Betreiberfamilie so nicht gegeben habe. Das von Uffeln erarbeitete Konzept lasse den „Holzköppen“ nicht mehr genug Spielzeiten übrig, um ihre monatlichen Kosten reinzuholen, es verursache gar weitere Ausgaben, die nicht mehr eingespielt werden könnten.„Wir wollen von den Kosten runterkommen“, sagt Magersuppe, die seit einem Jahr wegen einer Erkrankung ihres Sohnes Mario allein die Verantwortung für das Theater trägt. Wie Uffeln erklärt, sei dieses Konzept, auf das sich Magersuppe beziehe, gar nicht beschlossen worden, sondern bislang lediglich eine Grundlage für Gespräche gewesen.Familie wird scharf angegangenMagersuppe bedauert, dass der Konflikt durch Presseberichte und Äußerungen auf Facebook mittlerweile eskaliert sei. Die Familie sei scharf angegangen worden. All das zehre an den Nerven und habe den Entschluss bekräftigt, einen Schlussstrich ziehen zu wollen. Sie habe seit zwei Jahren das Gefühl, dass Uffeln gegen die Marionettenspieler-Familie kämpfe.Uffeln hingegen betont, dass der Familie zahlreiche Hilfs- und Beratungsangebote gemacht worden seien, diese seien aber nicht genutzt hätten. Größter Vorwurf seitens der Stadt: Die Familie habe nie das geforderte Konzept vorgelegt.Absage an Kuki-KinoWährend Lilo Magersuppe davon spricht, dass das Theater immer höhere Kosten zu tragen habe und hier finanziell längst an seine Grenzen gestoßen sei, betont Uffeln: „Ich habe seit meinem Dienstantritt meine schützende Hand über die Familie Magersuppe gehalten und offene Forderungen der Stadt gerade nicht klageweise geltend gemacht.“ Auch habe er dem Thema Kuki-Kino im Marionettentheater eine Absage erteilt, weil die Stadt bis Ende März 2017 einen Vertrag mit Mario Magersuppe hat, der diese Nutzung nicht vorsieht.Gefordert worden sei aber immer, dass die Nebenkosten in Höhe von 400 Euro im Monat gezahlt werden sollten. Entrichtet werden sollte ab April zusätzlich eine Miete von 50 bis 100 Euro im Monat für die neue Lichtanlage. Die bei der Sanierung eingebauten Scheinwerfer waren für den Theaterbetrieb offenbar nicht geeignet.Nur noch eine Woche im Marstall?Auch diese künftige finanzielle Forderung trug dazu bei, dass Lilo Magersuppes Entschluss, aufzuhören, sich verfestigte. Hinzu komme, dass das Abendprogramm seit der Sanierung des Theaters ohne Umbau nicht mehr gespielt werden könne.All das sei allein einfach nicht mehr zu stemmen, so Magersuppe. Sie habe nach dem Tod ihres Mannes Erle 15 Jahre versucht, das Theater zu halten. Sie wolle nun mit einer Wanderbühne weitermachen, würde aber gerne eine Woche im Monat weiterhin im Marstall auftreten.Keine Miete an Stadt Ein weiteres Thema, das in der Diskussion um den Fortbestand des Theaterbetriebes durch die „Holzköppe“ von Uffeln angeführt wird, ist der Umstand, dass die Magersuppes seit ihren Anfängen in Steinau offenbar keine Miete an die Stadt entrichten mussten.„Man war damals froh, dass Leben in das Theater einkehrte“, sagt Lilo Magersuppe. Zudem habe Karl Magersuppe damals auf eigene Kosten renoviert. Uffeln erklärt dazu, dass alle Bürgermeister bestrebt gewesen seien, der Bühne zu helfen.Familie unerwünscht?Bei Lilo Magersuppe und ihrer Familie ist jedoch mittlerweile der Eindruck entstanden, unerwünscht zu sein. So seien immer mehr Räume weggefallen, es gebe keinen Büroraum und keine Lagerräume mehr. Diese will die Stadt nach einer dringenden Sanierung für eigene Zwecke nutzen.Lilo Magersuppe spricht von fehlendem Vertrauen zur Stadt. Es sei zu wenig miteinander gesprochen worden. Sie will nicht mehr mit Magenschmerzen auf die Bühne gehen und hofft, dass ihr Sohn Mario nach seiner Genesung wieder kreativ tätig werden kann.Letzte Vorstellung mit "Dr. Faust"Ihre letzte Vorstellung im Marionettentheater haben die „Holzköppe“ am 21. März mit „Dr. Faust“. Danach wollen sie alles ausräumen und nach gut 60 Jahren ein neues Kapitel aufschlagen. Mit weniger Stress und finanziellen Sorgen.In dem Theater soll es weitergehen – unter der Leitung eines erfahrenen Intendanten mit Figurentheater, Musik- und Sprechtheater sowie Kleinkunst, erklärt Uffeln. Das Thema Grimm soll für die Bühne weiterentwickelt werden, unter Einbindung der Museen.Hier hätten sich drei Bewerber vorgestellt. Wenn es nach Uffeln geht, sollen die Magersuppes auch weiter in Steinau spielen und die gewünschte Spielzeit im Monat im Theater erhalten.

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