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GWE und VBE haben die Erklärung des MKK scharf kritisiert. Auch die Verfügbarkeit von Desinfektionsmittel spielte hierbei eine Rolle.

Gewerkschaft reagiert

GEW Main-Kinzig und des Verbandes VBE Main-Kinzig beziehen Stellung zur Pressemitteilung des Kreises

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In einer Pressemitteilung hatte der Main-Kinzig-Kreis Vorgaben zur schrittweisen Wiedereröffnung der Schulen gegeben. Darauf haben nun die Gewerkschaft - Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Main-Kinzig (GEW) und der Verband Bildung Erziehung Main-Kinzig (VBE) reagiert.

"Die großspurigen Erklärungen des MKK, alles für einen reibungslosen Schulbeginn getan zu haben, löst bei den in Schule arbeitenden Kolleginnen und Kollegen Empörung aus! Wir alle wollen, dass Schule wieder stattfinden kann, aber vieles ist vor Ort noch völlig ungeklärt", beginnt die gemeinsame Pressemitteilung mit scharfen Worten. 

Im Weiteren kritisiert die GEW die Überprüfungen der Schulen auf Seifenspendern und Papierhandtüchern. Zwar seien in vielen Schulen entsprechende Mittel vorhanden, jedoch fehle eine Erklärung gemäß des Falles, wenn es nicht so wäre. "In den Schulen gibt es keine flächendeckende Versorgung mit Papierhandtüchern und Seifenspendern. Die Seifen, die in Klassenräumen vorhanden sind, wurden von den Kollegen oft privat bereitgestellt, zum Händetrocknen wird Küchenrolle verwendet."

Aussagen des Kreises seien inhaltlich falsch

Auch die Aussage des Leiters des Gesundheitsamtes, dass kaltes Wasser zum Händewaschen ausreichen würde, stößt auf Kritik. Hierbei werde ein infrastruktureller Missstand an den Schulen verteidigt und schöngeredet, da Schulen in der Regel nicht über warmes Wasser in Klassenräumen und Schülertoiletten verfügen. "Es gibt häufig nicht einmal Waschbecken in allen Klassenräumen. Dass darüber hinaus jetzt die Lehrerinnen und Lehrer zusammen mit ihren Schülerinnen und Schülern (wir reden hier auch von Grundschülern) für die Säuberung der „Einrichtungsgegenstände“ zu sorgen haben, setzt der gesamten mangelhaften Hygieneplanung für die Schulen noch die Krone auf. Aufgabe von Schule ist Bildung und nicht Putzen ohne Schutzausrüstung! Darüber hinaus sollen die Kolleginnen und Kollegen dann auch noch die erforderlichen Hygienemaßnahmen mit den Schülern einüben", beschreiben GEW und VBE den Zustand an den Schulen

Auch die Aussage des Kreises, dass  von Beginn der Notbetreuung den Betreuungsgruppen ein Mund-Nasen-Schutz zur Verfügung gestellt wird, wird kritisiert:"Das entspricht nicht der Wahrheit. Die Schulen wurden nicht mit der nötigen Schutzausrüstung versorgt, auch hier war wieder die Eigeninitiative der Kolleginnen und Kollegen vor Ort gefragt. Dies wird auch am 27.4. bei Schulstart nicht anders sein, zumindest weiß bisher noch keine Schulleitung von anderen Plänen." 

Kritik an der Umsetzbarkeit der Maßnahmen

Die Ausstattung der Schulen mit ausreichenden Mengen an Desinfektionsmittel sollte laut GEW und VBE selbstverständlich sein. Außerdem sei es dringend notwendig, dass an den Schulen grundsätzlich eine Pflicht zum Tragen einer Schutzmaske für alle Personen eingeführt werde, wie es auch in Supermärkten oder Postfilialen der Fall sein wird. 

"Hierbei sollte berücksichtigt werden, dass Lehrkräfte durchaus auch Erste Hilfe an Schülerinnen oder Schülern leisten müssen. Daher ist zu überlegen, ob Lehrkräfte mit einer FFP2-Schutzmaske ausgestattet werden müssen, die sie ausreichend schützt." Gerade mit Blick auf die Grundschulen scheint es für die Gewerkschaft und den Verband unmöglich, bei den vom Minister ins Spiel gebrachten 10 bis 15 Kindern im Raum die gebotenen Abstandsregeln einzuhalten. Sie schreiben: "Für Verkaufsflächen gilt nach wie vor, dass nur ein Kunde pro 20qm in den Laden hineindarf. Warum soll es bezogen auf Klassenräume gänzlich andere Regelungen geben?"

Ein Beispiel zur Veranschaulichung

Daher fordern beide nun eine Gruppengröße, die sich am Alter der Kinder orientiert: "Wenn man nämlich die Hygiene-Abstandsregel ernst nehmen will - was unser unbedingtes Anliegen ist - können keine 15 Kinder in einem Raum sitzen, sondern höchstens sieben bis acht."

Um diese Aussage zu veranschaulichen, präsentieren GEW und VBE ihren Standpunkt an einem Rechenbeispiel. Bei einer geforderten Unterrichtsstundenanzahl von 20 Stunden. würde das für das vierte Schuljahr einer Schule mit vier Klassen in diesem Jahrgang laut den beiden folgendes bedeuten:

"90 Schüler werden aufgeteilt auf elf Gruppen, benötigen am Tag also elf Lehrer und Lehrerinnen für den Unterricht und elf Klassenräume. Darüber hinaus werden an der Schule aber auch noch die Abschlussklassen 9 und 10 in gleichem Maße beschult. Das organisatorisch zu lösen mit der Option, die Schulen auch für weitere Jahrgänge zu öffnen, zeugt von grenzenloser Verkennung der Realität an den Schulen."

Kultusministerium bringe laut GEW und VBE keine vernünftigen Vorschläge

Die Realität an den Schulen sähe nämlich anders aus: ein großer Teil der Lehrkräfte könne nicht eingesetzt werden, weil sie einer Risikogruppe angehören, schwanger seien oder kleine Kinder zu betreuen hätten, denn Lehrer gehörten nach über fünf Wochen immer noch nicht zu den systemrelevanten Berufen, wie Verband und Gewerkschaft klarstellten. 

Von Seiten des Kultusministeriums und des Staatlichen Schulamtes kämen keine brauchbaren Vorschläge, wie mit dieser Situation umgegangen werden könne. Besonders die Schulleitungen würden hier mit der Verantwortung und der ganzen Problematik der Organisation des Unterrichts und der Hygienemaßnahmen allein gelassen. Vielmehr würden, so die beiden, skurrile Situationen geschaffen etwa dadurch, dass die hessische Landesregierung ab Montag die Bedeckung von Mund und Nase in Geschäften und dem öffentlichen Personenverkehr vorschreibt, sich aber zu einer solchen Vorschrift für die Schulen nicht durchringen könne– obwohl sich dort die Menschen wesentlich länger miteinander in einem Raum befänden als etwa einer S-Bahn oder einem Buchladen. 

Deutliche Forderung an den Main-Kinzig-Kreis

"Wieder einmal bleibt der schwarze Peter bei den Schulen, und von der öffentlich vielbeschworenen Formel von Abstand, Vorsicht und Rücksicht scheint für die Politik in Bezug auf Lehrerinnen und Lehrer sowie Schülerinnen und Schüler gleichermaßen nichts von Relevanz", heißt es scharf in der Pressemitteilung. 

Die Schulleitungen hätten nach Ansicht der Gewerkschaft und des Verbandes entsprechend den Informationen des Kultusministeriums den Wiedereinstieg in den Unterricht schon längst planen können. Diese erfolge aber als Stückwerk erst in der Woche vor Schulbeginn.

"Wir fordern die Schulträger Main-Kinzig-Kreis und Stadt Hanau nachdrücklich dazu auf, umgehend an den Schulen für die notwendigen Informationen und Bedingungen zu sorgen, damit Unterricht unter maximaler Reduzierung des Ansteckungsrisikos statt-finden kann!", stellen Gewerkschaft und Verband zum Abschluss klar. 

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